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Politik in Sachsen – Die Morgenlage

+++ Corona-Verdacht bei Michael Kretschmer +++ Kreis Görlitz bittet um Hilfe +++ Linke distanziert sich

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Impfdurchbruch bei Michael Kretschmer? Ein Mitglied seiner Familie hat sich mit Corona infiziert. Zur Sicherheit befindet sich der Ministerpräsident in häuslicher Quarantäne.
Impfdurchbruch bei Michael Kretschmer? Ein Mitglied seiner Familie hat sich mit Corona infiziert. Zur Sicherheit befindet sich der Ministerpräsident in häuslicher Quarantäne. © dpa-Zentralbild

Guten Morgen,

es ist nicht so leicht, die Gegensätze, Widersprüche und sonstigen nervigen Auftritte in diesen sich erneut zuspitzenden, dramatischen Corona-Tagen so einfach auszuhalten. Da irrlichtert die einstige Star-Linke Sahra Wagenknecht in der sonntagabendlichen Talkshow über die Ungefährlichkeit von Corona, dass sich nur Ältere impfen müssten, dass es Long Covid so gut wie gar nicht gebe – und die Genossinnen und Genossen bemühen sich Stunden später, sich von dem wirren Unsinn überzeugend zu distanzieren.

Während der sächsische Ministerpräsident auf tragische Weise erleben muss, wie Corona in seine Familie einbricht und ihm ganz nahekommt, wird die Landesregierung heute darum ringen, die Maßnahmen schneller zu verschärfen, als es der Notplan bisher vorsieht. Schneller und mehr 2G-Lösungen, das ist das Ziel.

Doch man wundert und fragt sich, warum all die vergangenen Wochen nicht stattdessen die längst gültigen 3G-Regeln überall konsequent und überzeugend eingehalten worden sind. Wieder einmal ist Sachsen zu nachlässig mit der Lage umgegangen und reagiert wieder einmal „fünf vor zwölf“, während sich Intensivbetten in den Krankenhäusern rasend schnell füllen. Wie wird dieser Corona-Winter werden? Die bange Frage stellen sich jetzt mehr und mehr Bürgerinnen und Bürger.

Ich wünschen Ihnen eine gute Woche, bleiben Sie gesund,

herzlichst,

Ihre Annette Binninger, Leiterin Politikredaktion sächsische.de

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Die wichtigsten News am Morgen:

+++ Corona-Verdacht bei Ministerpräsident Kretschmer +++

Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer unterzog sich am Montag einem PCR-Test, um Klarheit über eine mögliche Corona-Infektion zu erzielen. Das wurde Sächsische.de von Regierungssprecher Ralph Schreiber bestätigt. Zuvor war im engeren Familienkreis des Ministerpräsidenten eine Corona-Infektion aufgetreten. Bis zum Vorliegen des Testergebnisses hat Michael Kretschmer alle dienstlichen Präsenztermine für den heutigen Montag abgesagt und sich wie vorgeschrieben in häusliche Quarantäne begeben.

Aus dieser nahm er auch an einer Online-Konferenz mit Medizinern und Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) teil. Dort stimmte Sachsens Regierungschef die Bevölkerung angesichts stark steigender Corona-Zahlen auf neuerliche Einschränkungen ein. Man brauche eine Sensibilisierung der Bevölkerung. „Die pandemische Lage in Deutschland ist nicht beendet. Im Gegenteil.“

Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums in Dresden, lieferte Kretschmer Argumente für eine Verschärfung. Wenn die Entwicklung so weiterlaufe, erreiche man bereits in 14 Tagen die Überlastungsstufe. Es gelte nun Maßnahmen zu ergreifen und Ungeimpfte zu schützen. Jeder, der keinen Impfschutz habe, werde sich in den nächsten Monaten infizieren: „Das ist eine Frage der Zeit.“

+++ Kreis Görlitz bittet den Freistaat Sachsen um Hilfe +++

Das Kreis-Gesundheitsamt und damit das gesamte Görlitzer Landratsamt müssen sich angesichts der Wucht der vierten Corona-Welle wieder auf Krisenmodus umstellen. Zu den 83 Mitarbeitern im Gesundheitsamt helfen täglich rund weitere 35 Mitarbeiter des Landratsamtes bei der Kontaktnachverfolgung aus. Der Bedarf sei aber wesentlich höher. Deswegen hat der Landkreis mittlerweile auch ein Hilfeersuchen beim Freistaat Sachsen gestellt und erbittet personelle Unterstützung seitens der Landesverwaltung.

+++ Sächsische Linke geht auf Distanz zu Wagenknecht +++

Die Aussagen von Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht bei Anne Will am Sonntag sorgen für Unruhe in der Partei. „Wer sich impfen lässt, schützt als erstes sich selbst“, sagte Wagenknecht. „Auch wer geimpft ist, kann andere anstecken.“ Die Impfung sei eine individuelle Entscheidung. Sie selbst sei nicht geimpft. In den Reihen der Linken gingen prominente Vertreter auf Distanz zu Wagenknecht.

Für die sächsische Landtagsfraktion und ihn sei Impfen ein Weg aus der Pandemie, schrieb der Vorsitzende Rico Gebhardt auf Twitter. Er teile Wagenknechts Aussagen zum Impfen nicht. „Sie sind falsch“, fügte Gebhardt hinzu. Er verlasse sich auf die Mehrzahl der Virologen, die die Impfung empfehlen. Der Chef der Bundestagsfraktion, Dietmar Bartsch, wirbt „nachdrücklich“ für eine Impfung, „auch aus Gründen der Solidarität“, wie er auf dem Kurznachrichtendienst betonte.

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