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Politik in Sachsen – Die Morgenlage

Semperopernball-Chef Frey zieht sich zurück + "Letzte Generation" kündigen Pause an + Rechte Demo von Sitzblockade gestoppt

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Semperopernball.-Chef Hans-Joachim Frey zieht sich aus der Leitung des Events zurück.
Semperopernball.-Chef Hans-Joachim Frey zieht sich aus der Leitung des Events zurück. © Sven Ellger

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Guten Morgen,

stellen Sie sich vor, die Stadt oder das Dorf, in dem Sie leben, würde von heute auf morgen um ein Drittel wachsen, weil viele Wohnungen bei Ihnen leerstehen und diese nun von Flüchtlingen aus Afghanistan, Georgien, Libyen und dem Irak genutzt werden sollen. Wie würden Sie reagieren? Wären Sie sauer auf die Verwaltung, weil man Ihnen viel zu spät bescheid gegeben hat? Wären Sie skeptisch? Würden Sie trotzdem helfen?

Diese Fragen müssen sich auch viele der 130 Bewohner von Mark Schönstädt, einem kleinen Dorf bei Wurzen, gestellt haben, als ihnen zu Jahresbeginn rund 50 Flüchtlinge zugewiesen wurden. Die meisten von ihnen haben aber alle drei Fragen mit Ja beantwortet, wie mein Kollege Henry Berndt bei seiner Recherche für eine bemerkenswerte Geschichte erfahren hat.

Von AfD-Protesten gegen die Zuweisung ließen sich die Bewohner nicht vereinnahmen, sondern entschieden, die neuen Menschen in ihrem Ort als das anzusehen, was sie sind: Nachbarn, die Zuspruch und Unterstützung brauchen. Ohne viel Gutmenschentum, sondern vor allem aus Pragmatismus. "Wir sind weder links noch rechts und wollen das alles gar nicht so politisch sehen", sagt eine von ihnen. "Wir wünschen uns Ruhe und Harmonie in unserem Dorf, und das funktioniert nur, wenn wir keinen zurücklassen." Aber lesen Sie selbst.

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die neue Woche.

Ihr Tobias Winzer, Politikredakteur sächsische.de

Die wichtigsten News am Morgen:

Semperopernball-Chef Frey zieht sich zurück

Der Chef des Dresdner Semperopernballs, Hans-Joachim Frey, zieht sich nach vielen Querelen zurück. "Ich habe den Ball entwickelt und war 25 Jahre lang in Dresden tätig. Zum neuen Vorstand werde ich aber nicht mehr gehören", sagt Frey gegenüber saechsische.de. Der ursprünglich 16-köpfige Verein habe sich im Laufe der vergangenen Monate verändert. Sechs Mitglieder seien ausgetreten und neue gewonnen worden. Sie wählen dieser Tage einen neuen Vorstand. Zu dieser Wahl tritt Frey nicht an. Noch sei er Mitglied im Verein, ob das so bleibe, wisse er noch nicht. Der Opernball soll laut Frey aber weiterhin stattfinden. Dass dies unter seiner Führung kaum vorstellbar sein würde, davon gingen viele Kenner und Beteiligte schon länger aus.

"Letzte Generation" kündigt Pause an

Nach der umstrittenen Blockade des Flughafens BER, zu der die Polizei nun ermittelt, haben die Klimademonstranten von "Letzte Generation" eine Pause angekündigt. Bis Ende dieser Woche wollen die Aktivisten von sich aus in Berlin und München keine Aktionen starten. Man hoffe auf Taten in der Sitzungswoche des Bundestags, teilte die Gruppe am Freitag mit. Gleichzeitig warnte sie vor einem Neustart der Proteste mit mehr Schlagkraft. Man werde die Zeit nutzen, um "die vielen Menschen, die sich der Bewegung aktuell anschließen, ordentlich zu trainieren und einzubinden, um mit noch mehr Menschen wiederzukommen". Am Donnerstag hatte es eine Razzia gegen die Gruppe in Leipzig gegeben.

Nach eigenen Angaben ist die Gruppe zuletzt stark gewachsen. Mit ungefähr 30 Menschen habe die "Letzte Generation" gestartet, heißt es. Mitte des Jahres waren sie mehr als 200. Jetzt seien sie schon ungefähr 500. Die Gruppe geht davon aus, dass, je mehr sie stört und je mehr Repressionen gegen sie verhängt werden, desto mehr Menschen sich mit ihr solidarisieren - und deshalb der Druck auf die Politik steigt. Saechsische.de erklärt, wie sich die Bewegung organisiert und finanziert.

Rechte Demo von Sitzblockade gestoppt

Unter dem Motto "Ami go home" haben sich am Samstag in Leipzig mehr als 1.000 Menschen vor dem Bundesverwaltungsgericht versammelt - unter starkem Gegenprotest in der Stadt. Die Organisatoren der rechten Demonstration hatten offenbar viel mehr Anhänger erwartet, denn angemeldet hatten sie bis zu 15.000 Menschen. Die Redner, unter anderem Herausgeber des "Compact-Magazins", Jürgen Elsässer, kritisierten auch die Bundesregierung, unter anderem in Bezug auf den Angriffskrieg Russlands in der Ukraine. Gegendemonstranten hielten eine anschließende Demo unter anderem mit Sitzblockaden auf. Am Rande kam es immer wieder zu Ausschreitungen. Die Polizei bilanziert über ein Dutzend Ermittlungsverfahren. Das Wichtigste zur Energiekrise gibt es in unserem Newsblog.


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