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Prozess gegen Lausitz-Investor beginnt

Sieben Jahre nach dem Bilanzskandal kommt der einst gefeierte Löbauer Leuchten-Unternehmer Christoph Hess vor Gericht.

Strahlemann Christoph Hess war ein gefeierter Investor in der Lausitz. Im Oktober steht er in Mannheim vor Gericht.
Strahlemann Christoph Hess war ein gefeierter Investor in der Lausitz. Im Oktober steht er in Mannheim vor Gericht. ©  Archiv: Ronald Bonss

Villingen-Schwenningen/Löbau. Am 7. Oktober soll der Strafprozess gegen den früheren Löbauer Leuchtenhersteller Hess beginnen. Vor dem Landgericht Mannheim sind Ex-Vorstandschef Christoph Hess sowie Ex-Finanzvorstand Peter Ziegler angeklagt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen unter anderem Bilanzmanipulation und Verstöße gegen das Aktienrecht vor. 

Christoph Hess wollte von Baden-Württemberg und Sachsen aus die Welt der Leuchten und Laternen erobern. Nachdem er sich in den späten 1990er-Jahren in eine Löbauerin verliebt hatte, flossen sukzessive 16 Millionen Euro in den Aufbau der Hess Lichttechnik GmbH.

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Firma Hess wurde zum "Leuchtturm von Löbau"

Die Firma wurde zum „Leuchtturm von Löbau“ und der Jungunternehmer zu einem Vorzeigeinvestor sächsischer Wirtschaftspolitik. Die Sparkassen-Finanzgruppe überreichte ihm einen Unternehmerpreis. Am Firmensitz im südwestdeutschen Villingen-Schwenningen baute er die einst mittelständische Firma seines Vaters so um, als sei sie ein Weltkonzern - und führte sie im Oktober 2012 an die Börse. Allerdings mit einem gefälschten Zahlenwerk, wie  die Anklage beweisen will.

In Sachsen war Christoph Hess Honorarkonsul für Ungarn sowie Präsidiumsmitglied der IHK Dresden. Er gründete eine Stiftung für den Erhalt des Löbauer Architekturwunders „Haus Schminke“, sponserte das Eishockeyteam der „Lausitzer Füchse“ und die Görlitzer Jazztage. 2010 flog er mit Ex-Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) zu einer Wirtschaftsreise nach Katar und jubelte nach seiner Rückkehr über Aufträge in angeblich zweistelliger Millionenhöhe. 

Hess AG ging 2013 pleite

Nicht nur diese Aufträge erwiesen sich als heiße Luft. Im Mai 2013 ging die Hess AG pleite. Der Stuttgarter Insolvenzverwalter Volker Grub sollte später einen Schaden von rund 100 Millionen Euro feststellen. Hess und Ziegler wurden festgenommen, kamen aber gegen Zahlung einer Kaution schon nach wenigen Stunden wieder auf freien Fuß. Wann und ob es zu einer Anklage kommt, war im Oktober 2013 laut Staatsanwaltschaft „derzeit nicht absehbar“.

Dass es sieben Jahre bis zum Prozessbeginn dauerte, kritisiert nicht nur Verwalter Grub. "Es ist das große Versagen unseres Rechtsstaates, dass die Justiz auf allen Ebenen nicht richtig ausgestattet wird!", sagte er dem Mittelstandsmagazin Econo. 

Überraschenderweise nicht angeklagt ist eine Geschäftsfrau aus der Schweiz. Sie hatte  als Chefin mehrerer dubioser, auch sächsischer Firmen im Schattenreich von Hess fungiert. Die Sächsische Zeitung hatte darüber bereits 2013 umfangreich berichtet. Ihr Verfahren war nach Angaben des Econo-Magazins im vergangenen August gegen Zahlung einer Geldstrafe eingestellt worden. Nämliches gilt für das Verfahren gegen Hess senior.

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Der Prozess in Mannheim ist auf zunächst 36 Verhandlungstage bis Ende März 2021 terminiert. 

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