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Sachsen fehlen zwei Jahre Regen

Klimaforscher erklären die Wetterdaten von 2020: Hitze, Dürre und zu viel Verdunstung. Besserung ist nicht in Sicht - deshalb leiden nun auch Pflanzen.

Das Frühjahr war auch in Dresden viel zu trocken. Das hat Einfluss auf das ganze Jahr.
Das Frühjahr war auch in Dresden viel zu trocken. Das hat Einfluss auf das ganze Jahr. © Marion Doering

Das bisschen Regen heute ist gar nichts, verglichen mit dem, was das Land braucht. 2020 war das dritte Jahr in Folge im Extremzustand. Das Wetter hat Sachsen von einem außergewöhnlichen Zustand in den nächsten getrieben. Zu hohe Temperaturen, überdurchschnittlich viele Sonnenstunden und eine Trockenheit, wie es sie seit Messbeginn nicht gab. Das berichten Wissenschaftler vom Landesumweltamt und dem Deutschen Wetterdienst im Jahreswetter-Meeting.

Die drei wärmsten Jahre: 2018, 2019, 2020

Sachsen ist heute bereits dort angekommen, wo die vergangenen Klimaprognosen das Land eigentlich erst zum Ende des Jahrhunderts gesehen hatten. Alles ging viel schneller, viel steiler aufwärts.

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2018, 2019 und 2020 in Folge haben neue Extreme entstehen lassen. Dies waren die wärmsten drei Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881. 2,2 Grad über normal und dazu 23 Prozent mehr Sonnenstunden brachte 2020. Die Verdunstung wird angefacht, und entzieht dem Boden deutlich mehr Wasser. Dazu gibt es aber nicht mehr Niederschlag, der dies ausgleichen könnte, sondern neun Prozent weniger, erklären die Klimaforscher. Ganz Sachsen leidet unter Wasserdefizit, besonders stark betroffen ist die Region Elbtal um den Großraum Dresden.

Es war schlicht zu warm

Wenig Niederschlag und gestiegene Verdunstung zusammen erzeugten hier in den letzten drei Jahren einen Wassermangel von etwa 1.000 Litern je Quadratmeter. Was fast der zweijährigen Regenmenge für diese Region entspricht. Das ist selbst mit einem nassen Frühjahr nicht mehr aufzuholen. Dazu hatte auch Herbst nicht viel beigetragen. Allenfalls die obersten Bodenschichten sind derzeit wieder durchfeuchtet, darunter herrsche weiter Dürre.

Der Grundwasserspeicher habe sich im vergangenen Herbst nicht gefüllt, so das Fazit vom Landesamt. Grundwasserdürre nennen dies die Wissenschaftler. Der Grundwasserspiegel ist seit 1970 im Landesdurchschnitt um 80 Zentimeter gesunken. Lang anhaltendes Niedrigwasser in Bächen und Flüssen war letztlich die Folge. Das Jahr 2020 bringt einen Rekord: So wenig Wasser wie in dem Jahr ist seit Messbeginn noch nie abgeflossen.

Klimaforscher Johannes Franke vom Landesumweltamt fasst es so zusammen: „Die letzten 30 Jahreszeiten waren durchgängig zu warm.“ Hier scheine sich langfristig etwas umzustellen. Das betreffe auch die oft zu trockenen Sommer. „Die Trockenheit im April stellt die Weichen für eine Dürre im Sommer.“ Und genau diese Trockenheit, der sogenannte Aprilsommer, tritt seit 2000 in Sachsen häufiger auf. Ursache dafür seien veränderte polare Höhenströmungen. Die schmelzende Arktis mischt das Wetter hier bei uns anders als bisher.

Der trockene Frühling belastet das Jahr

Nein, dieses Jahr 2020 war kein Jahrhundertereignis der Trockenheit. Und doch war es eine Jahrhundertausnahme. Ein regenarmes Jahr kommt immer mal vor, drei solche Jahre in Folge aber fast nie. Und ganz prinzipiell, die Dürre hat sich seit 2013 schon Stück für Stück im Boden aufgebaut. 1962 bis 1964 beobachteten die Meteorologen in Sachsen zwar ähnlich trockene Zeiten wie in den letzten drei Jahren.

Mit denen heute sind sie jedoch überhaupt nicht vergleichbar. Damals lag die Durchschnittstemperatur um 0,7 Grad niedriger. Die vielen Sonnenstunden fehlten auch. In der Summe war dadurch die Verdunstung erheblich geringer. Sie erst treibt heute den Wassermangel so stark an, dass es zunehmend kritisch wird. Bäche versiegen, der Boden ist in der Tiefe ohne Wasser. Sachsen ist eines der vom Wassermangel am stärksten betroffenen Bundesländer.

Regen fehlt – und das seit Jahren

Die Grafik oben links zeigt, wie viele Liter Wasser je Quadratmeter seit November 2017 fehlen. Als Vergleichszeitraum wurden hier die Jahre 1981 bis 2010 genommen. Das wahre Ausmaß der Dürre zeigt sich erst, wenn die Verdunstung noch mit einbezogen wird. Das kann bis zu einer Verdopplung der fehlenden Wassermenge führen.

© LfULG
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Das hat unmittelbare Folgen für den Boden bis hin zur Grundwasserneubildung. Im letzten Herbst jedenfalls hat der Niederschlag die tiefen Böden gar nicht erst erreicht. Es war zu wenig. Die Grundwasserspeicher wurden demzufolge nicht gefüllt. Dass das Trinkwasser in Sachsen dennoch nicht zum Problem wird, das verdankt das Land einem weit verzweigten Verbundsystem der Talsperren.

Der Aprilsommer – eine Trockenzeit

So dramatisch sieht es gar nicht aus beim Blick auf die sächsische Regenkarte von 2020. Acht Prozent Regen fehlen sachsenweit im vergangenen Jahr. In manchen Regionen ist die Niederschlagsbilanz sogar richtig ausgeglichen. In der Oberlausitz zum Beispiel. Das Zittauer Gebirge hat sogar etwas mehr als sonst im Durchschnitt der Jahre abbekommen.

© LfULG
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Im Gegensatz dazu dürstet das nordwestliche Sachsen. Teils nur 40 Prozent des Niederschlags gab es dort. Und der war noch nicht einmal gerecht über das Jahr verteilt. Immer stärker scheint der Aprilsommer das Geschehen zu beeinflussen. Ausgerechnet in dieser wichtigen Vegetationsperiode fehlte der meiste Regen verglichen mit dem langjährigen Mittel.

Die Vegetation kommt früh – und friert

Das gesamte Jahr über gab es nahezu rekordverdächtige Sonnentage. In der Summe im Sachsenmittel ein Viertel mehr als üblich. Auch hier sind die Jahresangaben dem offiziellen Klimavergleichszeitraum 1961 bis 1990 gegenübergestellt. Doch auch hier zeigt sich, dass das Frühjahr besonders zulegt. 2020 ist da keine Ausnahme, es ist eher ein Trend für Sachsen zum frühen Sommer.

© LfULG
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