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Ausgezeichnete Unterhaltung in Zeiten von Corona

Die Veranstaltungsbranche steht seit März quasi still. Sachsen hat Ideen für Formate unter Corona-Bedingungen gesucht - und 157 Projekte ausgezeichnet.

Konzerte mit Abstand und nur 1.000 Menschen auf der Wiese: Der Palais-Sommer fand auch in diesem Sommer statt.
Konzerte mit Abstand und nur 1.000 Menschen auf der Wiese: Der Palais-Sommer fand auch in diesem Sommer statt. © Jürgen Lösel

Das Puppentheater Zwickau kann in Zukunft wohl auch von Dresden besucht werden. Die Bühne wandert einfach ins Internet. Mit einer Virtual-Reality-Brille soll dort richtiges Puppentheatergefühl aufkommen – inklusive der Reaktionen des meist noch sehr jungen Publikums. Um das umzusetzen, bekommt das Puppentheater in Zwickau 50.000 Euro, das höchstdotierte Preisgeld in dem Ideenwettbewerb „Denkzeit Event“.

157 Veranstalter aus allen Regionen Sachsens wurden am Donnerstag im Dresdner Hygienemuseum mit einem Preisgeld zwischen 1.000 und 50.000 Euro ausgezeichnet. 192 Bewerbungen für insgesamt 309 Veranstaltungen gingen in dem bundesweit einmaligen Wettbewerb ein.

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Die Höhe des Preisgeldes richtet sich dabei nicht nach der besten Idee, sondern nach dem finanziellen Aufwand, der Größe der Veranstaltung, den Mehrkosten durch die Corona-Bedingungen und nach der Kreativität, sagte Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch (CDU). Bei dem Wettbewerb gehe es darum, schnell und unbürokratisch zu helfen. 1,5 Millionen Euro können ausgegeben werden. „Wir wollen aber auch zeigen, dass trotz Abstand und Hygieneregeln mit guten Ideen ein buntes Veranstaltungsprogramm möglich ist.“

„Sie brauchen die Kohle“

Hilfe ist dringend nötig. Das Coronavirus hat die Veranstaltungsbranche komplett lahmgelegt. „Die Branche ist seit März am Boden“, sagte Klepsch. Von 80 bis 100 Prozent Umsatzverlust ist die Rede. Und Besserung ist nur langsam in Sicht. Seit September können in Sachsen wieder Events mit mehr als 1.000 Besuchern stattfinden – vorausgesetzt, der Veranstalter hat ein Hygienekonzept und die Teilnehmer lassen sich nachverfolgen. Der Aufwand ist riesig: Die langen Vorlauf- und Planungszeiten bedeuten massive Einschränkungen.

Mitmachen konnten Vereine, Kommunen, Event- und Kommunikationsagenturen, Veranstalter von Messen, Kongressen, Märkten, Festen, Festivals und Konzerten, Betreiber von Veranstaltungslokalen, Festival- und Konzertveranstalter sowie privatwirtschaftliche Theater. „Sie brauchen die Kohle“, sagte Manfred Böhme, Direktor des Landestourismusverbandes. Es soll aber auch etwas bleiben. Gesucht wurden Ideen für Event-Formate, die innovativ sind und Zukunft haben.

Es geht um Kreativität, Nachhaltigkeit, Vernetzung, Digitalisierung, um Konzepte, die unter Corona-Bedingungen die regionale Wirtschaft revitalisieren und Reiseanlässe für Touristen bieten. Für den Neustart des Tourismus in Sachsen sind Veranstaltungen und Events essenziell. Der Wettbewerb trage auch dazu bei, Existenzen in einer der am stärksten durch die Krise betroffenen Branchen zu sichern, sagte Christian Rost, Projektleiter von Kreatives Sachsen.

Sicherheitskonzepte mit Preisgeld umsetzbar

Viele der nun ausgezeichneten Konzepte wurden für kleine Veranstaltungen mit weniger als 1.000 Besuchern entworfen, ein Viertel der Events rechnen mit mehr als 5.000 Besuchern – etwa das Bergsichten-Festival in Dresden, das Dave-Festival für elektronische Musik, die Jazztage, der Palais-Sommer, das Altstadtfest in Bautzen oder das Folklorum auf der Kulturinsel Einsiedel.

Etwa 40 Prozent sind Musik- und Konzertveranstaltungen sowie Festivals, rund elf Prozent sind Feste und Märkte. Geplant sind auch Film-, Kunst-, Kino- und Theaterveranstaltungen, Themenführungen, Wanderungen, Literatur-Events, kirchliche Veranstaltungen und Gottesdienste, Ausstellungen und Sportveranstaltungen. 118 Veranstaltungen sollen in Chemnitz, Leipzig und Dresden stattfinden, 191 im ländlichen Raum.

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Mit dem Geld können die Veranstalter neue Ansätze und Sicherheitskonzepte in Zeiten der Krise erproben und umsetzen. Viele setzen auf Dezentralisierung, auf kleine Gruppen, auf zusätzliche digitale Angebote. Konzerte finden dann nicht nur in einer Kirchenruine in Wachau statt, sondern werden für einen Teil des Publikums im Internet übertragen – auch dafür muss man ein Ticket kaufen. Das Publikum kann der Musik auch von der Hängematte oder der Picknickdecke aus lauschen. Den Weihnachtsmarkt kann man im Osterzgebirge mit der Weißeritztalbahn erfahren. Gottesdienste werden im Regionalfernsehen übertragen.

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