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Sachsen genehmigt die ersten Gemeinschaftsschulen

Ab September hat Sachsen eine neue Schulart. Die ersten Gemeinschaftsschulen arbeiten nun offiziell nach dem Konzept des längeren gemeinsamen Lernens.

In einer Gemeinschaftsschule können die Kinder von der Grundschule bis zum Abitur gemeinsam lernen.
In einer Gemeinschaftsschule können die Kinder von der Grundschule bis zum Abitur gemeinsam lernen. © dpa

Dresden. Die Keulenbergschule in Großnaundorf wird ab September eine „Oberschule plus“. Dafür werden die Grundschule und künftige Oberschule zu einer Schulform zusammengeführt. Die evangelische Schule ist damit eine der ersten Gemeinschaftsschulen in Sachsen. Die Schülerinnen und Schüler können zukünftig länger gemeinsam lernen und zwar von der ersten bis zur zehnten Klasse.

Auch die Leipziger Modellschule hat eine Genehmigung bekommen und wird offiziell eine Gemeinschaftsschule, in der Kinder bis zum Abitur zusammen lernen können.

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Beide Schulen haben freie Träger. Kein Zufall: Diese Schulen arbeiten oft schon länger nach dem Konzept des längeren gemeinsamen Lernens. Meist werden sie nur umbenannt: Sie dürfen jetzt so heißen, wie sie schon immer arbeiten, sagt SPD-Bildungspolitikerin Sabine Friedel. Mit den zügigen Genehmigungen setze das Kultusministerium ein positives Zeichen. Inzwischen stünden auch eine Reihe öffentlicher Schulen in den Startlöchern.

Jahrelanger Kampf

Der Einführung der Gemeinschaftsschule in Sachsen ging ein jahrelanger Kampf voraus. Linke, SPD und Grüne befürworteten die Schulart, die CDU lehnte sie ab. Im Vertrag der sächsischen Kenia-Koalition gab es dann eine Einigung. Der Landtag stimmte im Juli vergangenen Jahres dafür, die Gemeinschaftsschule ins Schulgesetz aufzunehmen.

Grundlage für die Vereinbarung von CDU, Grünen und SPD war ein Volksantrag. Ein Bündnis aus Lehrern, Eltern, Schülern und Gewerkschaften hatte mit Unterstützung von Linken, SPD und Grünen mehr als 50.000 Unterschriften gesammelt. Allerdings wurde der Inhalt des Volksantrages verändert, damit auch die CDU zustimmte. Nun sind die Hürden, um eine Gemeinschaftsschule zu gründen, höher, weil die Schulen eine bestimmte Anzahl an Schülern haben müssen.

Hinter den Kulissen gab es dann auch Diskussionen über die neue Schulordnung, die bestimmt, nach welchen Regeln diese Schulart funktioniert. Das Kultusministerium verfolgte einen bildungspolitisch eher konservativen Kurs, bestand etwa auf unterschiedlichen Anfangszeiten in Grund- und Oberschule sowie Unterricht nach den verschiedenen Leistungsniveaus.

Der Verein „Länger gemeinsam lernen“, der den Volksantrag initiiert hatte, kritisierte den Entwurf schon im Frühjahr, unter anderem weil er eine abschlussbezogene Trennung der Schülerinnen und Schüler ab Klassenstufe 7 vorsah und die Eltern am Ende der 6. Klasse entscheiden sollten, auf welchem Anspruchsniveau ihr Kind lernen soll – Hauptschule, Realschule oder Gymnasium. Damit werde der Verzicht auf die Bildungsempfehlung und damit auf die soziale Selektion am Ende der 4. Klasse zunichtegemacht, hieß es.

Kompromiss bei der Schulordnung

Nach der nun ab 1. August gültigen Schulordnung werden die Kinder ab Klasse 7 zwar in den Fächern Deutsch, Mathematik, Englisch, Physik und Chemie leistungsdifferenziert unterrichtet, allerdings innerhalb einer Klasse. Die Schulordnung stellt sicher, dass die Kinder nicht entsprechend der Leistung in unterschiedliche Klassen eingeteilt werden. Es kann jedes Schuljahr neu entschieden werden, auf welchem Leistungsniveau unterrichtet wird. Das kann in den Fächern auch unterschiedlich sein, also etwa Deutsch auf Gymnasial- und Mathematik auf Realschulniveau.

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„Es war ein langer und intensiver Diskussionsprozess“, so Friedel. Nun sei es ein „gelungener Kompromiss“, der alle pädagogischen Möglichkeiten eröffne, dem Ministerium und den Eltern aber gleichzeitig Vertrauen und Sicherheit gebe. „Damit ist die Gemeinschaftsschule kein Experiment, sondern eine garantiert leistungsfähige Bildungseinrichtung.“

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