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Sachsen? Gleich hinterm Mond!

Realpolitik war gestern. In Zukunft entscheiden über uns die Sterne, prognostiziert SZ-Redakteur Gunnar Saft in seiner satirischen Kolumne.

Der Mond weist allen den Weg: In Sachsen ist das mittlerweile Realität.
Der Mond weist allen den Weg: In Sachsen ist das mittlerweile Realität. © Pawel Sosnowski/80studio.net

Macht Corona-Stress auf Dauer eigentlich irre? So genau ist das leider noch nicht untersucht worden. In Sachsen häufen sich allerdings Entscheidungen von öffentlichen Würdenträgern, die vermuten lassen, dass unsere Politiker in dieser Hinsicht eine glasklare Risikogruppe darstellen. Nehmen wir nur den ehrenwerten Bürgermeister von Frankenberg.

Der Mann verkündete jetzt voller Stolz, warum der Tag der Sachsen nächstes Jahr in seiner Stadt nicht wie seit 1992 üblich am ersten, sondern erst am zweiten Septemberwochenende gefeiert wird. Na, irgendeine Ahnung? Wenn es bei Ihnen nicht gleich dämmert, ist alles in Ordnung. Sollten Sie aber die Antwort wissen, mache ich mir Sorgen. Sehr große Sorgen sogar.

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Macht sich der Mond strafbar?

Der Bürgermeister, dessen Zweitberuf offenkundig Diplom-Schamane ist oder der von seinem vermutlich in mehreren Bundesländern gesuchten Wunderheiler mal das falsche Rezept verschrieben bekam, begründet das nämlich mit dem für den Freistaat Sachsen gültigen Mondkalender: Nachdem man diesen vorab sehr aufmerksam studiert habe, sei man tatsächlich darauf gestoßen, dass es laut Mond am zweiten September-Wochenende weniger häufig regnet als eine Woche zuvor. Daher die Verschiebung, tataa!

Das wirft natürlich sofort etliche Fragen auf: Wer passt künftig alles auf den Bürgermeister auf, wenn bald wieder Vollmond ist? Muss der Steuerzahler für die regelmäßige nächtliche Notbetreuung löhnen oder gibt es gegen Mond auch etwas von Ratiopharm und die Kasse zahlt?

Vor allem: Ist es nicht besser, als sächsischer Politiker nicht nur den einzig wahren Mond anzuhimmeln, sondern zusätzlich auch noch abgekochte Hühnerknochen aus der Heimatregion auf einen bunten Ikea-Teppich zu werfen und erst dann vernünftig zu entscheiden? Und überhaupt nicht geklärt: Macht sich der Mond strafbar, wenn es am Ende doch regnet? Ich glaube, bei soviel Ungewissheit kriege ich auch Mond und heule gleich los: Huuuuuh!

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