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Glühwein geht auch ohne Budenzauber

Im Corona-Jahr müssen die Sachsen auf Weihnachtsmärkte verzichten, doch nicht auf den Würzwein. Im Online-Shop gibt es einiges zum Probieren.

Glühwein? In diesem Jahr nur noch To-Go. Was bedeutet das für die Erzeuger?
Glühwein? In diesem Jahr nur noch To-Go. Was bedeutet das für die Erzeuger? © Daniel Reinhardt/dpa

Radebeul/Dresden. 60 Gramm Zimt, das Doppelte an Ingwer, Anis, Granatapfel, dazu noch Muskatnuss, Kardamom sowie 60 Milligramm Safran: So wird das älteste Glühwein-Rezept Sachsens überliefert. Verfeinert mit etwas Zucker oder Honig ist es eine der unzähligen Mischungen, die August Raugraf von Wackerbarth im 19. Jahrhundert erstmals ausprobiert hat. Und sie gibt es bis heute, nicht nur in Sachsen.

Im Dezember des Jahres 1843 notierte der damalige Weingut-Besitzer dieses Rezept und verkaufte den wohl ersten sächsischen Glühwein in Flaschenform an die Einwohner rund um sein Schloss Wackerbarths Ruh’ in Lößnitz, heute ein Stadtteil von Radebeul. So zumindest erzählt es Nils Brübach vom Sächsischen Staatsarchiv in Dresden. Der Historiker beschäftigte sich lange Zeit mit August Josef Ludwig von Wackerbarth und entdeckte in alten Unterlagen unter anderem das Glühweinrezept.

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Ihm zufolge ist das sächsische Rezept keinesfalls das erste überhaupt. "Bereits bei den Römern und im Mittelalter waren Würzweine beliebt, die im Geschmack dem heutigen Glühwein vermutlich ähnlich waren", so der Staatsarchivar.

"Doch der Raugraf wollte seinen Wein verbessern und etwas Neues bieten. Und so entwickelte er diesen warmen Würzwein." Zunächst nutzte Wackerbarth Weißwein, doch in einem zweiten Rezept fand der Historiker auch einen Würzwein mit roten Trauben. So wie er heute bei vielen Menschen in Europa auf Weihnachtsmärkten beliebt ist.

Online-Shop boomt mit Glühwein-Bestellungen

Auf Weihnachtsmärkten. Doch im Corona-Jahr 2020 müssen die Bürger in Sachsen auf Weihnachtsmärkte samt Bratwurst, gebrannten Mandeln und Glühwein verzichten. Was passiert da mit den Hunderten Hektolitern Würzwein, der bereits dafür vorbereitet wurde? Eine Frage, die Beate Brunke von der Vinothek Keth Am Wasaplatz in Dresden beantworten kann.

Sie ist eine der beiden Gesellschafter der Vinothek und ist in den vergangenen Wochen rund um die Uhr im Einsatz. Denn verkauft wird der Glühwein Keth, den es sonst auf dem Dresdener Striezelmarkt jedes Jahr gibt, nun in der Ein-Liter-Glasflasche. "Die Leute stürmen uns das Geschäft und wollen an ihren Glühwein kommen", erzählt Brunke. "Da ist es egal, welche Öffnungszeiten an unserer Tür stehen."

Im Angebot hat die Vinothek für Interessenten einen weißen, roten und einen rosé Glühwein. Auch für alkoholfreie Genießer bietet das Dresdener Geschäft roten und weißen Glühpunsch. "Sie sind alle gleich sehr beliebt bei unseren Kunden", sagt die Gesellschafterin erfreut über das große Interesse.

Ähnlich sieht die Situation auch im Schloss Wackerbarth aus. Der Online-Shop boomt mit zahlreichen Glühwein-Bestellungen, nicht nur aus Sachsen, wie Martin Junge vom Sächsischen Staatsweingut aus Radebeul weiß. "In unserem Online-Shop werden sie nicht nur von Menschen aus der Region, sondern sogar aus Kiel, Aachen oder Oberstdorf im Allgäu bestellt – reisen damit sozusagen als Botschafter für die sächsische Weihnachts- und Genusstradition durch das Land."

Corona: Umsatzverluste können nicht kompensiert werden

In diesem Jahr bietet das Sächsische Staatsweingut auch „Wackerbarths Weiß & Heiß“-Glühwein erstmals auch in einer vakuumverpackten Zehn-Liter-Kartonbox an, aus der der Kunde sich die gewünschte Menge zapfen kann. Ein beliebtes Angebot, von dem die Glühwein-Genießer Martin Junge zufolge auch Gebrauch machen.

Das ist auch wichtig, denn für das Erlebnisweingut in Radebeul gab es in den letzten Monaten starke Umsatzverluste, die nun wegen der abgesagten Weihnachtsmarkt-Saison auch nicht kompensiert werden können. "Der Wein, der bisher nicht getrunken wurde, wird in den kommenden Wochen nicht nachgetrunken. Es ist daher nicht möglich, diese Umsatzverluste bis Jahresende aufzuholen", sagt der Kommunikations-Chef vom Schloss Wackerbarth.

Per Online-Bestellungen die Verluste zu kompensieren, das versucht auch das Weingut auf Schloss Proschwitz in Meißen. "Wir haben kein so großes Kontingent an Glühwein in unserem Portfolio, es ist eher als Zusatzangebot für unsere Kunden zu verstehen, die gerne einen hochwertigen, nicht so süßen Glühwein genießen möchten", erklärt Alexandra Prinzessin zur Lippe. Das Weingut bietet einen weißen und einen roten Winzerglühwein sowie die "Proschwitzer Weihnacht" - ein weinhaltiges roséfarbenes Heißgetränk - an.

Im Freistaat muss auch in der Corona-Weihnacht niemand auf seinen geliebten Glühwein verzichten. Wer ihn nicht in der Stadt bekommt, kann ihn sich in der Flasche nach Hause holen. Und wer nicht bestellen will, der kann mit einem Rot- oder Weißwein mit etwas Zimt, Nelken, Sternanis, einer Orange sowie Zucker oder Honig sich selbst einen warmen Würzwein herstellen.

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