merken
PLUS Sachsen

Skandal um Elite-Polizisten: MEK in Dresden aufgelöst

Schwere Vorwürfe gegen Beamte einer sächsischen Spezialeinheit: Sie sollen Munition gestohlen und auf der Anlage der Gruppe Nordkreuz geübt haben.

Die vier Hauptbeschuldigten sollen im November 2018 aus ihnen dienstlich zugänglichen Beständen der sächsischen Polizei 7.000 Schuss Munition entwendet haben.
Die vier Hauptbeschuldigten sollen im November 2018 aus ihnen dienstlich zugänglichen Beständen der sächsischen Polizei 7.000 Schuss Munition entwendet haben. ©  dpa (Symbolbild)

Dresden. Als "enormen Vertrauensverlust" hat Sachsens Innenminister Roland Wöller (CDU) die jüngsten Vorkommnisse bei der sächsischen Polizei bewertet. Er sei "stinksauer und unfassbar enttäuscht", sagte er am Dienstag. Wenn Polizisten selbst zu Straftätern würden, sei das ein entsetzliches Verhalten. Offensichtlich sei mit einem "unfassbaren Maß an krimineller Energie" vorgegangen worden.

Der Minister bezog sich auf Ermittlungen der Generalstaatsanwaltschaft Dresden gegen 17 Mitglieder eines Mobilen Einsatzkommandos (MEK) beim Landeskriminalamt Sachsen. 40 Beamte hatten am Dienstag sowohl Diensträume wie auch Privatwohnungen durchsucht. Es bestehe der Verdacht des gemeinschaftlichen Diebstahls, des Verstoßes gegen das Waffengesetz und des Verdachts der Bestechlichkeit, teilten die Ermittler mit.

Anzeige
Dein Sportverein ist für Dich da!
Dein Sportverein ist für Dich da!

Jubeln macht Spaß. Vor allem mit Freunden. Bleib Deinem Verein treu!

Die vier Hauptbeschuldigten sind zwischen 32 und 49 Jahre alt. LKA-Präsident Petric Kleine sagte, es handle sich um den Kommandoführer sowie drei Schießtrainer. Sachsens Polizeipräsident Horst Kretzschmar ergänzte, die in Dresden stationierte MEK-Einheit sei aufgelöst worden. Ein Wiederaufbau könne bis zu sechs Jahre dauern.

Rechtsextreme Gruppe Nordkreuz mit Munition aus Sachsen?

Die Hauptbeschuldigten sollen im November 2018 mindestens 7.000 Schuss Munition, darunter auch für Maschinenpistolen, aus Dienstbeständen entwendet und zu einem Fortbildungswochenende nach Warnemünde in Mecklenburg-Vorpommern mitgenommen haben. Dort seien die MEK-Mitglieder ohne Genehmigung des Vorgesetzten auf eine Schießanlage des privaten Betreibers Baltic-Shooters nach Güstrow gegangen, sagte Kleine. Die Munition habe als eine Art Bezahlung gedient.

Sowohl die Güstrower Anlage wie auch die Baltic-Shooters spielen eine wichtige Rolle bei den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Schwerin gegen die rechtsextreme Gruppierung Nordkreuz. Sie hatte deswegen den Schießstand im Frühjahr 2019 durchsuchen lassen. Ein führendes Nordkreuz-Mitglied war dort Schießtrainer; das Landgericht Schwerin hatte ihn Ende 2019 zu einer Bewährungsstrafe von 21 Monaten verurteilt.

Das Abzeichen der Spezialeinheit
Das Abzeichen der Spezialeinheit © Picclick.de

Im Januar 2020 räumte Wöller auf eine Anfrage der Linken-Fraktion ein, dass ein Mitglied der Nordkreuz-Gruppe im Besitz von "Behördenmunition" aus Sachsen war. Dabei habe es sich um 102 Neunmillimeter-Patronen gehandelt. Unklar ist derzeit, ob sich unter den entwendeten 7.000 Schuss auch genau diese Munition befand. Sachsens oberste Sicherheitschefs machten dazu keine Angaben. Derzeit gebe es "keine Anhaltspunkte für Rechtsextremismus und Verwicklungen in Nordkreuz", sage Kleine. Das seien zwei getrennte Verfahren, werde aber selbstverständlich geprüft. Verbindungen zu der Gruppierung hatte Wöller bereits im September 2019 auf eine Anfrage der Grünen hin negiert. Gleichwohl gab er damals zu, dass sächsische Polizisten 2017 und 2018 auf der Schießanlage in Güstrow trainiert hatten.

Der Mann, der laut Online-Impressum von Baltic Shooter immer noch Firmeninhaber ist, hatte dem Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern, Lorenz Caffier (CDU), eine Waffe verkauft; im November 2020 trat der Minister deswegen zurück. Nordkreuz gehört zu dem von der TAZ aufgedeckten Rechtsextremen-Netzwerk "Hannibal". Das bereitete sich auf den „Tag X“ vor, indem es unter anderen Waffen hortete und Feindeslisten anlegte.

LKA-Präsident: Riesengroßer Schaden für Sachsens Polizei

Der Präsident des sächsischen Landeskriminalamtes, Petric Kleine, suspendierte die vier Hauptbeschuldigten. Sämtliche Verdächtige dürfen zudem ihre Diensträume nicht mehr betreten. Alle Beschuldigten stehen in einem Disziplinarverfahren und mussten das MEK verlassen. Sie seien "in andere Bereiche umgesetzt" worden.

Weiterführende Artikel

Munitionsskandal: Sachsens LKA-Chef entlassen

Munitionsskandal: Sachsens LKA-Chef entlassen

Innenminister Roland Wöller feuert den Präsidenten des Landeskriminalamtes. Die Behörde bekommt nun erstmals eine Frau zum Chef.

Sächsischer Landtag befasst sich mit Polizeiskandal

Sächsischer Landtag befasst sich mit Polizeiskandal

Nach der Auflösung einer Eliteeinheit der sächsischen Polizei haben Innenpolitiker im Landtag Fragen. Das Landeskriminalamt kündigt umfassende Prüfungen an.

Urteil gegen KSK-Soldaten rechtskräftig

Urteil gegen KSK-Soldaten rechtskräftig

Weil der Ex-Elitesoldat zu Hause Waffen und Sprengstoff hortete, verurteilt ihn das Landgericht Leipzig zu einer Haftstrafe von zwei Jahren auf Bewährung.

Caffier tritt nach Waffenkauf-Affäre zurück

Caffier tritt nach Waffenkauf-Affäre zurück

Meck-Pomms Innenminister stürzt über den Kauf einer Pistole. Er erwarb sie bei einem Händler, der unter Extremismus-Verdacht geriet.

Kleine sagte, die Vorwürfe fühlten sich an "wie ein Schlag ins Gesicht meiner Behörde". Er sei wütend und enttäuscht. Ein ganzes Kommando habe inakzeptabel und verantwortungslos gehandelt. Die gute Arbeit seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sei "quasi mit Füßen" getreten worden. Der Schaden für das Image der sächsischen Polizei sei riesengroß.

Mobile Einsatzkommandos werden vor allem im Kampf gegen Schwerstkriminalität eingesetzt. Bislang gab es vier Einheiten dieser Art in Sachsen.

Mehr zum Thema Sachsen