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Sachsen hat mit die wenigsten Lungenkranken

Die Diagnose COPD trifft vor allem Raucher. Die Entwöhnung könnte bald einfacher werden.

Vor allem Raucher können COPD bekommen.
Vor allem Raucher können COPD bekommen. © dpa/Jens Kalaene

Am Anfang ist da dieser lästige Husten, meist am Morgen, dann immer häufiger und zunehmend mit Auswurf. Später wird die Luft knapp, erst beim Treppensteigen, dann sogar im Sitzen. Die Brust ist wie eingeschnürt, das Atmen fällt schwer. Es sind die Symptome einer Krankheit, die Mediziner als Chronisch obstruktive Lungenerkrankung bezeichnen – kurz COPD.

Rund 3,4 Million Deutsche ab 40 Jahren sind davon betroffen, hat das Wissenschaftliche Institut der AOK (Wido) ermittelt. Das sind 7,1 Prozent dieser Bevölkerungsgruppe. Ein Blick auf die Bundesländer und Regionen zeigt allerdings deutliche Unterschiede. In Sachsen litten demnach im Jahr 2019 rund 149.000 Menschen an dieser Krankheit, ein Anteil von 6,0 Prozent. Dies ist nach Baden-Württemberg (5,8 Prozent) der niedrigste Wert. Negativer Spitzenreiter ist Berlin mit 8,6 Prozent.

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Auch innerhalb von Sachsen offenbart die Statistik gewisse Unterschiede. Am niedrigsten liegt der Anteil Betroffener im Landkreis Meißen (5,4 Prozent), am höchsten in Leipzig (7,3 Prozent). Dresden weist mit 5,6 Prozent die niedrigste Prävalenz unter den Großstädten ab 500.000 Einwohnern auf. Der bundesweit niedrigste COPD-Anteil findet sich mit 4,5 Prozent im baden-württembergischen Kreis Biberach.

Häufigste Ursache für die Diagnose COPD ist das Rauchen. Daneben spielen aber auch noch andere Faktoren eine Rolle – die Feinstaubbelastung etwa, der soziale Status, genetische Anlagen und das Alter. Am häufigsten tritt COPD in Sachsen in der Altersgruppe 75 bis 79 auf. Männer sind anteilig häufiger betroffen als Frauen.

„Rauchverzicht ist die wichtigste Maßnahme zur Bekämpfung der Erkrankung“, betont die AOK Plus. Die EU-Kommission will Europa bis zum Jahr 2040 zum nahezu rauchfreien Kontinent machen. Der Anteil der Raucher soll dann unter fünf Prozent liegen. Gegenwärtig liegt er bei etwa 25 Prozent, in Deutschland bereits darunter. Laut AOK-Gesundheitsatlas greifen mehr als 20 Prozent aller Menschen ab 15 Jahren regelmäßig zur Zigarette; mit zunehmendem Alter steigt dieser Anteil.

Das Aktionsbündnis Nichtrauchen hat den diesjährigen Weltnichtrauchertag am 31. Mai deshalb unter das Motto „Qualmst du noch? Ich hör auf!“ gestellt. Oft fehlt es dabei nicht am guten Willen: „Es gibt fast keinen Raucher ohne Abhängigkeit“, sagt Professor Christian Vogelberg, Kinderpneumologe am Dresdner Uniklinikum.

Zwar gibt es Medikamente und Ersatzstoffe, die die Entwöhnung unterstützen. Bisher zählen die aber zum Bereich Lifestyle und müssen aus eigener Tasche bezahlt werden. Das könnte sich nun ändern: Die AOK Plus verweist auf eine Gesetzesinitiative, die die Tabakentwöhnung zur Kassenleistung machen soll. Patienten mit schweren Erkrankungen, deren Verlauf und Prognose durch das Rauchen negativ beeinflusst werden, sollen künftig einmalig Arzneimittel zur Entwöhnung auf Kassenkosten erhalten. (rnw/sk)

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