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Sachsens Wald soll für alle da sein

Immer mehr Menschen zieht es in den Wald. Doch der leidet und braucht einen Umbau. Wie Tourismus und Forstbetrieb gleichzeitig funktionieren sollen.

Das Bedürfnis nach Erholung in der Natur steigt.
Das Bedürfnis nach Erholung in der Natur steigt. © dpa

Dresden. Wandern, Radfahren, Reiten, Joggen, Mountainbiken, Skilaufen oder einfach nur Spazieren: Der Wald ist für viele das Erholungsgebiet Nummer 1. In der Corona-Pandemie ist das Bedürfnis der Menschen nach Erholung in der Natur noch stärker geworden – der Druck auf die Wälder steigt.

Für Sachsens Tourismusbranche ist der Faktor Wald ein entscheidendes Attraktivitätskriterium – das Erzgebirge, die Sächsische Schweiz, das Vogtland oder das Zittauer Gebirge ziehen auch überregional Besucher an, auch mit Blick auf die Sommerferien. 13.000 Kilometer Wege liegen in sächsischen Staatswäldern, davon 3.600 Kilometer gekennzeichnete Wander- und Radrouten, 1.300 Kilometer Reitwege und 500 Kilometer Skilanglaufstrecken.

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Wege für Wanderer gesperrt

Doch der Wald leidet. Seit 2017 haben sich Sachsens Wälder stark verändert: Massive Schäden durch Stürme, Schneebruch, Trockenheit und Borkenkäfer schränken die touristische Nutzung ein. „Wir befinden uns in der Katastrophenbekämpfung“, sagt Sachsens Umweltminister Wolfram Günther (Grüne).

Das schafft Konflikte. „Wir merken das in unserer täglichen Arbeit“, sagt Landesforstpräsident Utz Hempfling. Der Sachsenforst muss für die Sanierung und den Umbau zu stabilen, artenreichen Mischwäldern mit schwerem Gerät in den Wald, das Holz muss abtransportiert werden. Wege werden dafür gesperrt – und auch, weil es mancherorts zu gefährlich ist, sie zu betreten. Man wisse nicht, wann die eine oder andere Fichte umfällt.

Für den Waldumbau müssen immer wieder Wanderwege gesperrt werden - wie der von Waldheim nach Rauschental.
Für den Waldumbau müssen immer wieder Wanderwege gesperrt werden - wie der von Waldheim nach Rauschental. © Dietmar Thomas

„Wichtig ist, Verständnis für die unterschiedlichen Interessen und Bedürfnisse zu entwickeln“, so Hempfling. Der Sachsenforst will dafür enger mit dem Landestourismusverband zusammenarbeiten. Ziel einer Kooperationsvereinbarung, die am Freitag in Dresden unterzeichnet wurde, ist es, Forstbetrieb und Waldwirtschaft stärker mit dem Tourismus zu koordinieren, damit sich die Interessen nicht in die Quere kommen.

Das Fehlen solcher Hinweise hatte etwa in der Sächsischen Schweiz für Ärger gesorgt. Der Tourismusverband forderte, dass an den Parkplätzen im Kirnitzschtal Tafeln mit Karten aufgestellt werden, auf denen die Gäste unmittelbar erkennen können, welche Wege gerade unpassierbar sind.

Lausitz statt Sächsische Schweiz

„Wir wollen die Gäste auch ein Stück weit für die Waldentwicklung sensibilisieren“, sagt Andrea Kis vom Landestourismusverband. Dafür soll die Kommunikation zwischen Forstmitarbeitern und Touristeninformationen verbessert werden. Die Gäste könnten so schon vor dem Ausflug auf verlässliche Informationen über eventuell gesperrte Wege zurückgreifen.

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Gleichzeitig soll eine kluge Besucherlenkung stark touristisch genutzte Bereiche entlasten. „Gerade im Nationalpark Sächsische Schweiz herrscht Überdruck“, sagt Kis. Neue Mobilitätsangebote sollen andernorts das individuelle Natur- und Walderleben verbessern – etwa in der Lausitzer Heide- und Teichlandschaft.

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