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Sachsens Winzer kämpfen gegen Beerenfäule

Steffen Rößler aus Radebeul steckt mitten in der Weinlese und kämpft gegen die Beerenfäule. Im Interview erklärt er, was den Jahrgang jetzt noch retten kann.

Wegen der Nässe im Sommer haben die Winzer im Elbtal in diesem Jahr mit der Beerenfäule zu kämpfen.
Wegen der Nässe im Sommer haben die Winzer im Elbtal in diesem Jahr mit der Beerenfäule zu kämpfen. © Thomas Kretschel

Wir treffen Steffen Rößler im idyllischen Rietzschkegrund zwischen Radebeul und Coswig. Kaum ein Auto kommt vorbei. Der gebürtige Oberlausitzer, der sein Handwerk im Staatsweingut Wackerbarth lernte, hat hier mit seiner Frau ein altes Winzerhaus liebevoll saniert, dahinter sein steiler Weinberg. Gegenüber vom Haus die großzügige Straußwirtschaft, daneben weiden Pferde.

Herr Rößler, Sachsens Winzer sind jetzt mitten in der Lese, aber viele haben wegen der Nässe mit ungewöhnlich starker Fäulnis der Trauben zu kämpfen. Sie auch?

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Bei uns ist das ähnlich. Ich hoffe sehr, dass wenigstens die mit Trauben dicht bepackten Burgundersorten noch eine Weile reifen können, aber auch bei denen erkenne ich schon einige faule Beeren, die dann platzen können. Einige Sorten musste ich schon sehr früh ernten, auch den roten Regent. Aus diesen Trauben werde ich deshalb dieses Jahr keinen Rotwein, sondern einen Rosé herstellen.

Was kann man jetzt noch machen gegen die Fäulnis?

Nicht mehr viel. Ich entferne noch Blätter von den Weinstöcken, damit nach weiteren Regengüssen die Trauben schneller trocknen. Spritzen kann man jetzt nicht mehr.

Dann müssen Sie die faulen Beeren einzeln auslesen?

Dies machen wir bei der Handlese mit vielen freiwilligen Helfern, dann wird „gebäbelt“, wie der Sachse sagt. Mit einer spitzen Schere oder per Hand werden einzelne Beeren oder Traubenteile entfernt.

Was bedeutet das alles für die Qualität des Jahrgangs 2021?

Wenn wir die Beeren gesund reinbekommen, dann wird das ein spritziger Jahrgang mit einem höheren Fruchtsäureanteil. In den vergangenen drei Jahren hatten wir ja relativ geringe Säurewerte und viel Alkoholanteil.

Werden Sie mit Zucker nachhelfen?

Wir Winzer dürfen ja fehlende Sonne mit einer gewissen Zuckerbeigabe ausgleichen. Dies ist so in den nördlichen Weinbauzonen geregelt. Die Franzosen nennen das eleganter „chaptalisieren“. Bei meinem Müller-Thurgau etwa werde ich anreichern müssen.

Wenn Sie Trauben wegschneiden, was bedeutet das dann für die Menge in diesem Jahr?

Die Menge ist sehr gut im Vergleich zu den Vorjahren, das Frühjahr war dafür optimal. Deshalb ist es auch nicht tragisch, wenn Trauben rausgeschnitten werden müssen.

Steffen Rößler hat in einem fränkischen Weingut gearbeitet und kehrte dann als Verantwortlicher für die Weinproduktion der Hoflößnitz nach Radebeul zurück. 2011 gründete er den Winzerhof Rößler.
Steffen Rößler hat in einem fränkischen Weingut gearbeitet und kehrte dann als Verantwortlicher für die Weinproduktion der Hoflößnitz nach Radebeul zurück. 2011 gründete er den Winzerhof Rößler. © Thomas Kretschel


Die traditionellen Weinfeste in Radebeul und Meißen finden vom 1. bis 3. Oktober statt. Beide Feste werden kleinteiliger sein als sonst und damit einen anderen Charakter haben. Es werden in beiden Städten Veranstaltungsinseln geschaffen, die von maximal 1.000 Gästen besucht werden können. Damit entfallen Kontakterfassungen und die 3 G-Regel.

In Radebeul wird das Herbst- und Weinfest wieder vom Internationalen Wandertheaterfestival begleitet. Die Veranstaltungsinseln um den Dorfanger in Kötzschenbroda sind: der Platz vor der Friedenskirche, der Platz am Kuffhaus, die Streuobstwiesen und das Hoftheater Nr. 15. Es wird auch viel für Kinder geboten. Das Programm finden Sie unter: www.weinfest-radebeul.de

In Meißen gibt es die Veranstaltungsinseln auch: Heinrichsplatz, Theaterplatz, Hof der Roten Schule, Kleinmarkt, Tuchmachertor, Rossmarkt, Domplatz, Fummelplatz vor dem Café Zieger. In Meißen gibt es einen Jahrmarkt. Das genaue Programm wird veröffentlicht unter:

www.meissner-weinfest.de

Auch bei vielen Winzern in Radebeul und Meißen gibt es vom

1. bis 3. Oktober zusätzlich Veranstaltungen.

Nun war ja schon das Jahr 2020 für die Winzer ein schwieriges, mindestens wegen Corona. Wie sind Sie durchgekommen?

Es ging eigentlich ab Ende Juni wieder ganz gut. Einen großen Teil meiner Weine verkaufe ich in meiner Straußwirtschaft. Und die meiste Zeit durften die Gäste ja im Freien sitzen mit entsprechenden Auflagen. Das Wetter war 2020 gut, so dass wir vernünftig durch die Saison gekommen sind. Reingerissen haben uns die abgesagten Weihnachtsmärkte. Die sind inzwischen für alle Winzer ein wichtiges Standbein. Und in diesem Jahr sind wir zwar später in die Saison gestartet, aber dann lief es ganz gut mit dem Verkauf.

Also irgendwie durchgekommen?

Ja, so kann man das sagen. Wir kämpfen uns durch. Winzer müssen das eigentlich immer.

Ihr Winzerhof liegt wunderschön im Rietzschkegrund, aber schon etwas abseits. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, den Winzerhof gerade hier aufzubauen?

Meine Frau und ich haben einen Hof zum Wohnen gesucht und sind dabei eher zufällig auf dieses denkmalgeschützte Objekt gestoßen, den „Schwedler-Hof“. Hier gab es Wohngebäude und eine große Landscheune, die heute mein Weinkeller ist. Bis 2010 habe ich dann den Weinberg hinterm Haus in Südlage neu aufgerebt und bald darauf meinen ersten Wein verkauft.

Man fühlt sich wie in einem Mittelgebirgstal. Aber kommen hier Weintrinker vorbei?

Viele der benachbarten Lindenauer freuen sich, hier mal einen Schoppen zu genießen. Und wir haben ein enges Wanderwegenetz, das sowohl von Moritzburgern als auch von Radebeulern und Coswigern gern genutzt wird. Auch der sächsische Weinwanderweg führt in der Nähe vorbei. Viele Gäste kommen auch mit dem Fahrrad, immer mehr mit dem E-Bike.

Was kann man erleben, wenn man den Hof gefunden hat?

Immer freitags verkaufe ich meinen Wein im Hofladen, zurzeit den 20er Jahrgang. Den Rest der Woche kümmere ich mich um den aktuellen Jahrgang im Weinberg und im Keller. In der schönen Jahreszeit ist die Straußwirtschaft sonnabends und sonntags ab 15 Uhr geöffnet. Hier gibt’s noch bis in den Oktober hinein meinen Wein und kleine Speisen. Man kann aber auch einen Picknickkorb bekommen und damit durch den Weinberg ziehen. Überall warten Bänke mit schönen Ausblicken.

Und im Winter?

Da ist der Weinladen geöffnet, und bis zehn Personen können zur Weinverkostung kommen.

Davon können Sie leben?

Das kann ich, auch wenn man als Winzer nicht reich wird. Meine Rebfläche von knapp 1,4 Hektar reicht allerdings nicht, um die ganze Familie zu ernähren. Ich bin froh, dass meine Frau einen krisensicheren Job in Dresden hat.

Die Fläche ist klein, das Weinangebot aber relativ breit.

Ich habe einige aufgerebte Flächen gepachtet mit unterschiedlichen Sorten. Deshalb produziere ich sieben Rebsorten. Neben Müller-Thurgau gibt es den Kerner, Weiß- und Grauburgunder, Riesling, Traminer und als roten Wein den Regent. Ab nächstem Jahr kommen noch die pilztoleranten Sorten Muscaris und Johanniter hinzu.

Sie produzieren hier gute, gefällige Weine. Aber die sind kaum bekannt.

Ich produziere nur etwa 5.000 Flaschen und verkaufe davon über die Hälfte hier im Hof. Da bleibt nicht viel für Weinfeste, Veranstaltungen und die zwei Läden, die ich beliefere.

Welche Qualitätsstandards setzen Sie sich selbst?

Ich verkaufe alles als sächsischen Landwein, die Qualitätsweinprüfung wäre für mich zu teuer, sie lohnt sich nicht. Die Weine müssen den Gästen schmecken, und die fragen nie nach der Qualitätsstufe. Ich bin aber als erfahrener Winzer, der bei Wackerbarth gelernt, als auch später längere Zeit in der Hoflößnitz gearbeitet hat, ziemlich sicher, dass meine Weine als Qualitätsweine durchgehen würden.

Jetzt kommen bald noch die Weinfeste in Radebeul und Meißen. Was erwarten Sie dort im Corona-Jahr?

Normale Weinfeste werden das auch in diesem Jahr nicht. Ich werde in Radebeul dabei sein, da soll es mehrere Inseln mit Weinständen geben. Eine ist um die Friedenskirche herum, dort ist mein Winzerhof vertreten.

Soll der Winzerhof noch wachsen?

Ich rebe noch einige vorhandene Flächen auf und arbeite weiter am Ausbau meines Weinkellers. Mehr ist nicht geplant. Ich habe als Einmannbetrieb schon genug zu tun.

Das Gespräch führte Olaf Kittel.

Die Weinfeste in Radebeul und Meißen:

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  • In Meißen gibt es die Veranstaltungsinseln auch: Heinrichsplatz, Theaterplatz, Hof der Roten Schule, Kleinmarkt, Tuchmachertor, Rossmarkt, Domplatz, Fummelplatz vor dem Café Zieger. In Meißen gibt es einen Jahrmarkt.
  • Auch bei vielen Winzern in Radebeul und Meißen gibt es vom 1. bis 3. Oktober zusätzlich Veranstaltungen.

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