merken
PLUS Pirna

Abgeschnitten im Bielatal

Wegen Einsturzgefahr bleibt die direkte Zufahrt zur Schweizer- und Ottomühle gesperrt - womöglich für Monate. Das sorgt nicht nur im Winter für Probleme.

Durchfahrt offiziell verboten: Die Talstraße zwischen dem Hochofen in Rosenthal und der Schweizermühle wurde gekappt.
Durchfahrt offiziell verboten: Die Talstraße zwischen dem Hochofen in Rosenthal und der Schweizermühle wurde gekappt. © Anja Oehm

Die Überraschung kam über Nacht. Von einem Tag auf den anderen wurde die direkte Zufahrt zur Ottomühle und Schweizermühle in der Sächsischen Schweiz gesperrt. Die beiden Ortsteile von Rosenthal-Bielatal sind normalerweise über eine schmale Straße entlang der Biela erreichbar. Normalerweise. Seit Mitte Januar gibt es hier offiziell kein Durchkommen mehr. Die Talstraße wurde im Bereich zwischen dem Hochofen in Rosenthal und der Schweizermühle gekappt, weil eine Brücke einsturzgefährdet ist.

Brückensteine verschoben und gerissen

Die Schäden an der 1860 gebauten Gewölbebrücke sind massiv. Jederzeit könne es zum Versagen und Zusammenbruch des vorhandenen Gewölbebogens führen, sagt Heiko Weigel, Beigeordneter im Landratsamt in Pirna. Viele Sandsteine des Gewölbes und auch der Schlussstein sollen verschoben und teils gerissen sein. Standsicherheit und Verkehrssicherheit sind damit dahin.

Anzeige
Baumesse verschoben? Online informieren!
Baumesse verschoben? Online informieren!

Hören und sehen Sie kostenfreie Vorträge für Bauherren, Hauseigentümer und Immobilienkäufer. Einmal anmelden, drei Tage folgen!

Zu kaputt, um weiter befahren zu werden: die Gewölbebrücke im Bielatal.
Zu kaputt, um weiter befahren zu werden: die Gewölbebrücke im Bielatal. © Steffen Unger

Dass der Zustand der Brücke so schlecht ist, hätte das Landratsamt bereits am 28. Dezember erfahren. Zwei Wochen zuvor wurde das Bauwerk überprüft. Im Januar folgte dann die komplette Sperrung. Eine Entscheidung, die unausweichlich gewesen sei, wie Weigel deutlich macht.

Unausweichlich ist auch der Weg, den die Anwohner der Schweizermühle und Ottomühle seitdem nehmen müssen. Die einzige Zufahrt und offizielle Umleitung führt nun über Rosenthal und den sogenannten Schweizermühlenberg. Diese Strecke hinab ins hintere Bielatal hat ein Gefälle von rund 15 Prozent.

Die Umleitung über den Schweizermühlenberg hat es in sich: rund 15 Prozent Gefälle.
Die Umleitung über den Schweizermühlenberg hat es in sich: rund 15 Prozent Gefälle. © Steffen Unger

Anwohner empfinden sie deshalb im Winter als Zumutung, weil zu gefährlich. Denn nicht selten machen Schneeverwehungen die Straße unpassierbar. Zuletzt wenige Tage nach der Vollsperrung im Januar. Nach heftigen Schneefällen waren die Schweizer- und Ottomühle zeitweise von der Außenwelt abgeschnitten. Jetzt ist sie der einzige Ausweg nach Rosenthal.

Winterdienst bei Extremwetter machtlos

"Die Winterdienstkräfte des Landkreises betreuen die Umleitungsstrecke rund um die Uhr im Drei-Schichtsystem", erklärt Heiko Weigel. Man sei froh, dass es eine Umleitung an dieser Stelle gäbe. Andere Orte seien manchmal auch nur über eine Straße erreichbar. Trotzdem könne man nicht verhindern, dass es bei extremen Witterungsbedingungen zu Verkehrsbehinderungen kommt.

Eine Aussage, mit den Anwohnern im hinteren Bielatal bitter aufstößt. "Der Schweizermühlenberg bleibt indiskutabel als Umleitung", sagt Gemeinderätin Anja Oehm (Die Linke), die in Schweizermühle wohnt. Im Winter, wenn auf der steilen Umleitungsstrecke viel Schnee liegen bleibt, könnten Autofahrer nicht genug Schwung nehmen, den sie brauchen, um den Berg hinauf zu kommen. "Und oben ist die Straße meist verweht", kritisiert sie. Selbst ein Drei-Schicht-System des Winterdienst hätte die Strecke nicht frei bekommen. Jeder hofft, sagt Anja Oehm, dass hier kein schlimmer Unfall passiert.

Planung des Neubaus braucht Zeit

Wie lange die marode Brücke gesperrt bleibt, ist bislang offen. In Rosenthal-Bielatal gehen Gerüchte herum, dass es bis zu eineinhalb Jahre dauern könnte, bis ein Neubau steht. Diesen plant das Landratsamt derzeit. Auf ein Zeitfenster will sich Beigeordneter Heiko Weigel jedoch nicht festlegen. "Der Ersatzneubau ist als dringlich eingeordnet und wird vorrangig bearbeitet", sagt er. Der Planungsauftrag sei bereits ausgelöst. Wann gebaut wird, sei von mehreren Faktoren abhängig. Es müsse Baurecht hergestellt werden. Auch die Finanzierung ist zu klären. All das brauche Zeit. Laut Weigel sei die neue Brücke im Investitionsplan des Landkreises für dieses Jahr angemeldet. Ob dieses Jahr tatsächlich gebaut wird, bleibt jedoch fraglich.

© SZ Grafik

Wenn nicht, müssten die Anwohner von Schweizermühle und Ottomühle einen zweiten Winter durchhalten. Und nicht nur den. Im Sommer gehört das Bielatal zu den Touristenhotspots in der Sächsischen Schweiz - vor allem Kletterer steuern die Felsregion in der Saison massenhaft an. Einheimische und Ausflügler müssten dann im Sommer gleichermaßen auf die Umleitung durch Rosenthal ausweichen. In dem Ort gibt es jedoch keinen Fußweg. Anwohner fürchten aufgrund des steigenden Verkehrsaufkommend deshalb um die Sicherheit der Fußgänger. "Wenn es erforderlich ist, wird es zusätzliche Anordnungen zur Sicherheit der Fußgänger geben", kündigt Weigel an. Konkret geplant ist bisher nichts.

"Notbrücke" als Plan B im Gespräch

Das wird vielleicht auch nicht nötig sein. Denn hinter den Kulissen arbeitet das Landratsamt an einem Plan B - einer "Notbrücke" über die Biela. "Ja, wir untersuchen schnell realisierbare Möglichkeiten zur Umfahrung der Brücke", bestätigt Weigel gegenüber Sächsische.de. Womöglich könne der Bachlauf verrohrt und damit eine nutzbare Fahrspur hergestellt werden. Bei diesem Thema müssten allerdings der Arten- und Gewässerschutz gewahrt werden. Der Einsatz von Steuergeldern für solch eine Lösung brauche ebenfalls gute Argumente. Und: Die "Notbrücke" kann nur kommen, wenn der Ersatzneubau nicht kurzfristig möglich ist.

Geduld, die die Rosenthal-Bielataler haben. Bereits seit 2013 ist die Brücke über die Biela nur noch einspurig befahrbar. Damals setzte das Hochwasser dem Bauwerk zu. Bis heute hat sich an der Situation nichts geändert, kritisieren Anwohner. Nach über sieben Jahren folgt nun die Vollsperrung - und die Suche nach einer Lösung.

"Wir sind froh, dass solche Sperrungen außerordentlich selten vorkommen", betont Heiko Weigel. Im Straßennetz des Landkreises gäbe es eine Vielzahl von Brücken und Stützwänden, die einen kritischen Zustand hätten. Laut Weigel liege diese im mittleren zweistelligen Bereich. Es sei praktisch unmöglich vorherzusagen, welches Bauwerk tatsächlich den Warnwert überschreiten wird. "Ebenso, all diese Bauwerke rechtzeitig instand zu setzen", erklärt er.

Mehr Nachrichten aus Pirna lesen Sie hier.

Den täglichen kostenlosen Newsletter können Sie hier bestellen.

Mehr zum Thema Pirna