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Sächsische Schweiz: Urlaub in einer Antonov

Am Anfang standen einige Skeptiker. Doch Unternehmer Erik Herbert aus Altendorf hat sie überzeugt mit seinem besonderen Projekt. Eine Erfolgsgeschichte.

Der Altendorfer Erik Herbert hat es geschafft. Sein außergewöhnliches Feriendomizil, eine Antonov AN2, ist am Start.
Der Altendorfer Erik Herbert hat es geschafft. Sein außergewöhnliches Feriendomizil, eine Antonov AN2, ist am Start. © Steffen Unger

Geschafft. Fast bis auf den letzten Drücker hat Erik Herbert aus dem Sebnitzer Ortsteil Altendorf an seinem neuesten Tourismusprojekt geschraubt, gedreht, getüftelt, gemalert und was nicht sonst noch alles. Auf den Eröffnungstermin seines ganz besonderen Urlaubsdomizils hatte er sich früh festgelegt. Der 17. Juli, 30 Jahre nach dem Ende der Sowjetunion. Denn da stammt die legendäre Antonov AN2 ursprünglich her. Auf Umwegen gelangte sie nach Altendorf bei Sebnitz. Am 16. Juli präsentierte Erik Herbert sie stolz der Öffentlichkeit. Und am 17. Juli können die ersten Feriengäste einziehen.

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Dabei waren die letzten Stunden vor der Landung alles andere als ruhig, wie seine Lebenspartnerin erzählt. "Wir hatten Sorge, dass der Rollrasen überhaupt noch anwächst. Dann wurde die Hecke fünf Tage zu früh geliefert", erzählt sie. Immer wieder habe man noch etwas entdeckt, was verbessert werden könnte. Doch nun ist es geschafft.

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Natürlich darf auch bei einem Flugzeug als neues Ferienhaus in der Sächsischen Schweiz das obligatorische Bändchen durchschneiden nicht fehlen. Der Sebnitzer Tourismuschef Alexander Dittrich überreichte einen Strauß Sebnitzer Seidenblumen. "Der findet auf jeden Fall seinen Platz im Flugzeug, wegen der Ortung wo man sich befindet", sagt Erik Herbert.

Erik Herbert (l.) hat eine neue touristische Attraktion geschaffen. Deshalb kamen auch Tino Richter (rechts) vom Tourismusverband und der Sebnitzer Tourismuschef Alexander Dittrich zum obligatorischen Bändchen durchschneiden.
Erik Herbert (l.) hat eine neue touristische Attraktion geschaffen. Deshalb kamen auch Tino Richter (rechts) vom Tourismusverband und der Sebnitzer Tourismuschef Alexander Dittrich zum obligatorischen Bändchen durchschneiden. © Steffen Unger

Tino Richter vom Tourismusverband Sächsische Schweiz schaute sich ebenfalls neugierig um. "Das ist eine schöne Idee, die in vielen Geschichten über die Region erzählt werden kann", sagt er. Und traf genau auch das Ansinnen des Investors. Denn der Altendorfer will mit seinem neuen außergewöhnlichen Ferienprojekt auch Werbung für die Sächsische Schweiz als Urlaubsregion machen.

Wie alles begonnen hat

Erik Herbert ist in der Tourismusbranche kein Neuling. Er weiß sozusagen wo der Hase hinläuft. Bereits im Sommer 2018 machte er auf sich aufmerksam mit einer Buggy-Vermietung. Aber nicht eben nur mal so ein Buggy. Bei Erik Herbert muss es etwas besonders sein. Seit dem lädt er auf Schnitzeljagd durch die Sächsische Schweiz in zwei Filmbuggies ein. Es sind Nachbauten der originalen Fahrzeuge aus dem Film "Zwei wie Pech und Schwefel" mit Bud Spencer und Terence Hill und aus der Action-Serie "Fast & Furios" mit dem 2013 verstorbenen Paul Walker.

Im Jahr 2020 setzt er noch eins drauf. Und er hat gute Gründe dafür und vor allem auch realistische Überlegungen. Mit der Südumfahrung von Pirna rückt die Landeshauptstadt Dresden und ihren Ausflugs-hungrigen Einwohnern näher. Auch brachte Corona der Sächsischen Schweiz einen Touristenboom, von dem man in der Region weiter zehren möchte. Und Erik Herbert denkt an die Zukunft. Als Selbstständiger müsse er seine Rentenvorsorge selbst aufbauen, sagt er. In der Vermietung sieht er da seine Chance. Deshalb hatte er wenige Meter neben seinem Wohnhaus ein altes Gebäude gekauft, mit dem Ziel dort Ferienwohnungen einzubauen.

So sah die Antonov AN2 ursprünglich aus. Hier auf ihrem "Landplatz" in Polen, wo Erik Herbert sie auch gekauft hat.
So sah die Antonov AN2 ursprünglich aus. Hier auf ihrem "Landplatz" in Polen, wo Erik Herbert sie auch gekauft hat. © Erik Herbert
Anfang Februar landet die Antonov sozusagen im Vorgarten von Erik Herbert. Ein großer Kran muss das Flugzeug über zwei Häuser an den neuen Strandort hieven.
Anfang Februar landet die Antonov sozusagen im Vorgarten von Erik Herbert. Ein großer Kran muss das Flugzeug über zwei Häuser an den neuen Strandort hieven. © Steffen Unger
Der Innenausbau des ungewöhnlichen Feriendomizils hat begonnen. Zunächst wird entkernt und dann neu aufgebaut.
Der Innenausbau des ungewöhnlichen Feriendomizils hat begonnen. Zunächst wird entkernt und dann neu aufgebaut. © Daniel Schäfer
Erik Herbert sitzt in seiner Wohnung und prüft die Schalter, die im Cockpit verbaut werden sollen. Jede Menge Kleinarbeit ist notwendig.
Erik Herbert sitzt in seiner Wohnung und prüft die Schalter, die im Cockpit verbaut werden sollen. Jede Menge Kleinarbeit ist notwendig. © Daniel Schäfer
Jetzt kommen die Flügel dran. Das Flugzeug selbst ist zwölf Meter lang, der Rumpf 1,80 Meter breit und die Tragflächen links und rechts messen neun Meter.
Jetzt kommen die Flügel dran. Das Flugzeug selbst ist zwölf Meter lang, der Rumpf 1,80 Meter breit und die Tragflächen links und rechts messen neun Meter. © privat
Mit Töchterchen Klara schon mal den Ausblick genießen. Da war das ganze noch eine große Baustelle.
Mit Töchterchen Klara schon mal den Ausblick genießen. Da war das ganze noch eine große Baustelle. © Daniel Schäfer
Ein Blick ins Cockpit der Antonov, mit Flugsimulator, Spielekonsole und echten Flugzeuggeräuschen.
Ein Blick ins Cockpit der Antonov, mit Flugsimulator, Spielekonsole und echten Flugzeuggeräuschen. © Steffen Unger
Im Außenbereich befindet sich eine Sauna mit einer angrenzenden Dusche.
Im Außenbereich befindet sich eine Sauna mit einer angrenzenden Dusche. © Steffen Unger

Für die Restaurierung des Hauses wollte er ökologisch nachhaltige Baustoffe verwenden. Allerdings ließ das die Substanz des Hauses nicht mehr zu. Ein neuer Plan wurde geschmiedet. Erik Herbert ist selbst Privatpilot und seine Freunde betreiben eine Flugschule in Pirna. Schon vor einiger Zeit hatte er dort die Idee, ein Flugzeug auf dem Gelände des Aero-Club Pirna als Schlafplatz aufzubauen. Daraus wurde damals nichts.

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Aber die Idee blieb in seinem Kopf und hatte ihn offenbar seitdem nicht mehr losgelassen. Im Internet suchte er nach einer Antonov AN 2, jenem legendären Flugzeug aus der Sowjetunion. Die Preise liegen zwischen 5.000 und 150.000 Euro je nach Zustand. Die Antonov ist hierzulande noch als Agrarflieger im Einsatz. In Polen wurde er fündig. Im Januar 2021 wurde das Flugzeug, ohne Flügel, per Schwerlasttransport von Polen ins sächsische Altendorf manövriert. Die Flügel kamen später dazu. Im Februar wurde dann das Flugzeug mittels eines großen Kranes über mehrere Häuser an den eigentlichen Standort, den Vorgarten, des ursprünglich geplanten Ferienhauses bugsiert.

Eine spektakuläre Aktion, die sich viele Schaulustige nicht entgehen lassen konnten. Und spätestens dann hatte Erik Herbert wohl auch die Skeptiker überzeugt. Er hatte immer daran geglaubt, dass das Flugzeug am 17. Juli 2021 komplett ist. Unzählige Stunden Arbeit hat er hineingesteckt, hat mehrmals bei Freunden angerufen, weil er ihre Hilfe brauchte, Firmen aus der Region beschäftigt. Doch mit einem Blick auf die Strapazen und mitunter schlaflosen Nächte kann Erik Herbert stolz auf seinen "Ferienflieger" Antonov AN2 sein.

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