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Wer schließt jetzt den Bahnhof auf?

Die Bäckerei Harnisch zieht sich aus Sebnitz zurück. Die Mitarbeiter öffneten morgens den Bahnhof. Jetzt bleiben die Türen zu.

Wer schließt im Nationalparkbahnhof Sebnitz künftig früh um sechs Uhr die Türen auf?
Wer schließt im Nationalparkbahnhof Sebnitz künftig früh um sechs Uhr die Türen auf? © Steffen Unger

Brötchen, Brot und  Kuchen - die Ulbersdorfer Bäckerei ist bekannt für ihre handwerklich gefertigten Backwaren. Ein Markenzeichen. Denn hier geht tatsächlich noch alles von Hand. Deshalb waren Sebnitzer Kunden auch froh, als die Bäckerei in der ehemaligen Norma-Discounter im Wohngebiet Am Knöchel eine weitere Filiale eröffnete. Doch Norma zog aus und die Bäckerei zog in den Nationalparkbahnhof Sebnitz um. Doch dort ist Schluss. Als  Dagmar Harnisch, die Chefin Bäckerei, das vor wenigen Tagen verkünden musste, stand das Telefon bei ihr nicht still. Manche Kunden wollten gar als Verkäuferin einspringen. Aber das ist nicht das Problem.

Den Verkauf könne die Bäckerei durchaus managen. "Wir brauchen noch einen Bäcker oder eine Bäckerin, um die Nachfrage abdecken zu können, um zum einen die Leute in Ulbersdorf und zum anderen die in Sebnitz bedienen zu können. Aber wir haben ganz einfach niemanden gefunden", sagt Dagmar Harnisch. Zig Anzeigen habe sie geschalten, immer wieder beim Job-Center sei sie vorstellig geworden. 

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Nichts. Niemand habe sich gemeldet. Da aber dringend jemand in der Produktion gebraucht werde, wenn man zwei Filialen unterhalten wolle, habe sie sich zu diesem Schritt entschieden. "Schweren Herzens, weil ich weiß, dass meine Kunden das bedauern. Die Bäckerei in Ulbersdorf bleibt jedoch nach wie vor geöffnet", sagt sie. Von Dienstag bis Donnerstag herrsche in Sebnitz normaler Betrieb, freitags und sonnabends sei es aber kaum zu schaffen. "Unsere Produkte sind gut, dass wissen wir. Und davon wollen wir aber auch nicht abweichen und auf Massenproduktion umstellen. Alles bleibt handwerklich" sagt Dagmar Harnisch. Seit zehn Jahren hat sie die Filiale im Sebnitzer Bahnhof. 

Nachmieter gesucht

Mit der Schließung der Filiale steht die Stadt Sebnitz vor einem Problem. Denn die Mitarbeiter der Bäckerei schließen auch den Nationalparkbahnhof auf und wieder zu. Das ist sozusagen ein Service für die Bahnkunden, damit die nicht bei Regen und Kälte draußen stehen müssen. Darüber hinaus wurde in der Filiale Geld für Bus- und Bahnkunden gewechselt, Fahrpläne herausgegeben und Wandertipps an Touristen weiter gegeben.

Die Schließung der Filiale hat Folgen. Bisherige Praxis war, ist die Verkäuferin krank oder hatte der Bäcker Urlaub, blieb mit der Filiale auch der Nationalparkbahnhof verschlossen. Bis auf die Zeiten, an denen das Oldtimermuseum besetzt war, nämlich dienstags bis sonnabends von 10 bis 14 Uhr. 

So läuft es am zweiten Nationalparkbahnhof

Genau dieses Szenario könnte nun auch wieder eintreten. Im Sebnitzer Rathaus ist man allerdings noch unentschlossen. Pressesprecherin Kerstin Nicklisch: "Wie die Öffnungszeiten des Empfangsgebäudes des Sebnitzer Bahnhofes künftig aussehen werden, darüber können wir im Augenblick noch keine Aussage machen."  Die Technische Dienste Neustadt GmbH, welche den Bahnhof in Sebnitz mit verwaltet, sucht zumindest ab dem 1. November einen Nachfolger für das Ladengeschäft. Eine bestimmte Nutzung wird nicht vorgeschrieben. Es könnte auch ein Imbiss sein, heißt es. Darüber hinaus verbirgt sich hinter den Mauern des Bahnhofes auch noch eine komplett eingerichtete Gaststätte. Einen Wirt hat man bis dato dort aber offenbar auch noch nicht gefunden.

Der Nationalparkbahnhof in Bad Schandau hat geöffnet und hält verschiedene Angebote für Touristen bereit.
Der Nationalparkbahnhof in Bad Schandau hat geöffnet und hält verschiedene Angebote für Touristen bereit. © Marko Förster

Dass es auch anders geht, sieht man in Bad Schandau. Das Gebäude gehört ebenfalls der Stadt. Der seinerzeit erste Nationalparkbahnhof des Landes ist der zentrale Verkehrsknotenpunkt des Elbsandsteingebirges, einziger Fernverkehrshalt und wird jährlich von etwa einer halben Million Besucher frequentiert. Das macht dann sicherlich auch den Unterschied zum Nationalparkbahnhof in Sebnitz aus. 

Der in Bad Schandau ist ganz einfach mehr frequentiert. Deshalb lohnen sich hier offenbar auch ein Bistro, das sieben Tage die Woche geöffnet hat sowie die Salz-Oase mit ihren Wellnessangeboten. Darüber hinaus gibt es hier mit dem Servicebüro des öffentlichen Nahverkehrs einen persönlichen Ansprechpartner vor Ort. Und nicht zu vergessen. Die Stadt Bad Schandau hat im Bahnhof Schließfächer installiert, damit Tagestouristen nicht das ganze Gepäck mitschleppen müssen, bei ihrem Bummel durch die Stadt.

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