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SOE: Trauer um bekannte Gesichter

Saskia Ziegler-Zimmek, der Dippold, Thomas Scholle, Uwe Wolf, Ulrich Hupfer - 2021 haben sich bekannte Mitbürger für immer verabschiedet.

Von Anja Weber
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Bekannte Menschen, die 2021 für immer gegangen sind: Wolfgang Ruhmich, Gitta Heider (oben v.l.); Günter Wild und Christiane Strohbach-Knaller (unten v.l.)
Bekannte Menschen, die 2021 für immer gegangen sind: Wolfgang Ruhmich, Gitta Heider (oben v.l.); Günter Wild und Christiane Strohbach-Knaller (unten v.l.) © Daniel Förster

Ob beliebte Gastwirtin, engagierte Unternehmerin, bekannter Stadtführer, Kümmerer - auch 2021 galt es wieder, von bekannten und geschätzten Menschen im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge für immer Abschied zu nehmen. Manche hatten ihre Position in der Öffentlichkeit, wieder andere brachten auf ihre eigene Art den Menschen Freude. Auch wenn sie nicht mehr unter uns weilen, bleiben doch viele schöne Erinnerungen. An einige von ihnen möchte die Sächsische Zeitung erinnern.

Gästeführer mit Leib und Seele

Viele Jahre hat Wolfgang Ruhmich als Dippold Besucher durch Dippoldiswalde geführt. Er war ein Original - mit knorrigem Stock in der Hand, Sandalen an den Füßen, eine blaue Kutte mit gelben Bändern als Kleidung, eine Perücke mit wallendem Haar und einem dichten Bart. So hat er sich in das Gedächtnis der Dippser und ihrer Besucher eingeprägt. Als Gästeführer hat er den Besuchern die Geschichte von Dipps nahegebracht. 2017 hat er die Dippold-Kleidung aus gesundheitlichen Gründen ausgezogen. Menschen, die ihm nahestanden, sagen: "Wenn er in seine Dippoldkutte geschlüpft ist, dann war das nicht nur eine Verkleidung. Dann hat er die Figur wirklich mit Leben erfüllt." Wolfgang Ruhmich ist im Alter von 79 Jahren im Januar 2021 gestorben.

Ein Altenberger Original

Die Kutscherstube vom "Lauser" war die letzte richtig urige Kneipe in Altenberg. Das haben viele gesagt, als Uwe "Lauser" Wolf Anfang des Jahres gestorben ist. Er hielt seine Wirtschaft auf, bis der letzte Gast gegangen war - und wenn es nachts zwei Uhr war. Der Lauser war ein echtes Unikum in Altenberg. Er war einer der Ersten, die mit dem Skeleton die Bobbahn hinab sausten. Er war AC/DC-Verehrer. Um das AC auf das Nummernschild seines Autos zu bekommen, hatte er sich extra einen Wohnsitz in Aachen besorgt. Bei der BSG Stahl Altenberg spielte er sich sogar einmal zum Torschützenkönig. Für die zweite Mannschaft sponserte er die Trikots. Doch Corona setzte auch seiner Kutscherstube zu. Am 1. November 2020 musste er sie schließen. Seine Krankheit war ihm da schon anzusehen. Nur noch wenige Wochen sollte er leben. Anfang Januar 2021 ist er gestorben. Er wird nicht nur den Altenbergern in guter Erinnerung bleiben.

Uwe "Lauser" Wolf als Fan am Spielfeldrand beim Fußball.
Uwe "Lauser" Wolf als Fan am Spielfeldrand beim Fußball. © Egbert Kamprath

Als Architekt viele Spuren hinterlassen

An Ulrich Hupfer kam fast keiner vorbei, der ein Denkmalhaus sanieren wollte, einen Marktplatz umbauen oder auch ausgefallene Wohnpläne verwirklichen wollte. Der Hohnsteiner Architekt war ein gefragter Experte in Sachen Bausanierung und Neubau. Und deshalb hat er auch viele sichtbare Spuren hinterlassen. In Hohnstein etwa mit der Sanierung des Max-Jacob-Theaters, dem Rathausvorplatz, dem Marktplatz. Haussanierer schätzten seine Meinung. Auch dafür gibt es viele Beispiele, wie die Alte Schule in Hinterhermsdorf. In der Brunnengestaltung ließ sich Ulrich Hupfer ebenfalls einiges einfallen, zu sehen auf dem Sebnitzer Marktplatz oder am Pfarrplatz in Hinterhermsdorf. Auch der Krabat-Brunnen in Nebelschütz oder das gläserne Eingangsportal in der Kulturscheune Langburkersdorf tragen seine Handschrift. Das, was Ulrich Hupfer plante, war bis aufs Detail durchdacht. Für seine Arbeiten bekam er Preise und Auszeichnungen. Am 2. Februar 2021, wenige Tage vor seinem Geburtstag, ist er im Alter von 75 Jahren gestorben.

Ulrich Hupfer im ehemaligen Puppenspielhaus in Hohnstein vor der Sanierung.
Ulrich Hupfer im ehemaligen Puppenspielhaus in Hohnstein vor der Sanierung. © SZ-Archiv

Die Beharrliche und Streitbare

Mit Saskia Ziegler-Zimmek ist im April eine bekannte Pirnaerin gestorben. Sie nutzte ihr Recht auf Meinungsfreiheit und ließ auch nicht locker. Die Malerin arbeitete ehrenamtlich in der Redaktion des "Bürgerbriefes", einer kleinen Zeitung für die Menschen in Pirna, Königstein, Sebnitz und Umgebung. Mit ihren Beiträgen wollte sie die Leute wachrütteln. "Man erkennt die Rechten nicht mehr an ihren glatt rasierten Köpfen", schrieb sie in einem ihrer Beiträge. Mutig und beharrlich war sie. Gemeinsam mit ihrem verstorbenen Mann Heino Zimmek, dem ehemaligen Amtsgerichtsdirektor, war sie auch die Initiatorin der Pirnaer Sonntagsvorträge.

Eine clevere Unternehmerin

Gitta Heider ist die Gründerin der Ratags-Erlebniswelt im Stolpener Ortsteil Langenwolmsdorf. Als Zwei-Mann-Betrieb begann im März 1987 Gitta Heider mit ihrem Mann in einer Garage in Hinterhermsdorf mit ihrer Arbeit. Auf einer selbst gebauten Drechselbank entstanden die ersten Holzfiguren. Im Jahr 1988 kauften sie einen verfallenen Drei-Seiten-Hof in Langenwolmsdorf. Hier sollte fortan erfolgreiche Firmengeschichte geschrieben werden. Im Ratags-Kunsthandwerkerhaus wurde eine Welt aus Fantasie und Freude geschaffen. Inzwischen ist die Familienerlebniswelt auf 20.000 Quadratmeter angewachsen. Mit ihrer Erfindung des Doppelschwibbogens leitete sie praktisch eine neue Ära ein. Für ihren Erfindergeist wurde sie mehrmals ausgezeichnet, so unter anderem mit dem Mittelstands-Oskar. Die Geschäfte hatte sie Anfang 2020 in die Hände ihrer Enkeltochter Juliane Buschmann übergeben. Mitte Mai 2021 ist Gitta Heider gestorben.

Eine leidenschaftliche Gastwirtin

Christine Strohbach-Knaller war in der Sächsischen Schweiz eine bekannte, engagierte und leidenschaftliche Gastwirtin. Sie war über lange Jahre das Gesicht der Ziegelscheune in Krippen. Alten Unterlagen zufolge konnte sie mit Fug und Recht behaupten, eines der ältesten Gasthäuser in der Region zu betreiben. Mindestens seit 1799 konnten Besucher mit Bier bewirtet werden. Ihr Vater übernahm die Ziegelscheune in Krippen in der Zeit zwischen 1914 und 1919. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden Fremdenzimmer ausgebaut. Zuerst kamen nur die Sommerfrischler. Sie reisten meist aus Dresden an.

Das Credo von Christine Strohbach-Knaller war es, in der Ziegelscheune auch die einzelnen Bauepochen zu zeigen. Dazu zählt das ursprüngliche Fachwerkhaus, die Gaststube und der moderne Wintergarten. Dieser wurde nach den Plänen von ihr und ihrem Mann Roman Knaller gebaut. 2017 hat sie die Ziegelscheune in jüngere Hände gegeben. Christine Strohbach-Knaller ist im September im Alter von 69 Jahren gestorben.

Ein Leben für die Kirchenmusik

Geehrt von Sachsen und dem Papst: Konrad Wagner, ehemaliger Leiter der Dresdner Kapellknaben. Als Zehnjähriger war er aus Sebnitz zu den Kapellknaben nach Dresden gekommen. Die große Geschichte der Dresdner Hof- und Hofkirchenmusik begeisterte ihn. Im September ist der Domkapellmeister a.D. und Kirchenmusikdirektor Konrad Wagner im Alter von 91 Jahren gestorben. Für seine Verdienste um die Musik in Dresden hat ihn die Stadt 1995 mit dem Kunstpreis ausgezeichnet, 2001 bekam er die Sächsische Verdienstmedaille, und 2014 verlieh ihm der Papst den Gregorius-Orden.

Der Kümmerer von Heidenau

Günter Wild ist ein bekannter Politiker und Einwohner von Heidenau gewesen. Er saß für die Linken im Heidenauer Stadtrat und im Kreistag. Er war der Macher, organisierte unter anderem mit weiteren Einwohnern Kinder- und Straßenfeste. So wurde zum Beispiel von 2008 an der über Heidenau hinaus legendäre "Tag des Nachbarn" als Schillerstraßenfest gefeiert. Günter Wild hatte immer ein offenes Ohr, wenn jemand mit Problemen zu ihm kam. Waren sie politischer Natur, sprach er sie auch direkt in den Gremien an. Bekannte sagen von ihm, dass er ein höchst engagiertes Ratsmitglied gewesen sei, das sich stets sachbezogen für die Belange der Bürger eingesetzt hat. Am 22. Oktober ist er im Alter von 83 Jahren gestorben.

Der Chorpapst der Sächsischen Schweiz

Aufgeschlossen, mit herzlichen Worten, ohne zu dozieren, sprach Gottfried Hauser über die edlen Töne und ließ andere teilhaben an seinen Erfahrungen. Unumstritten sind Hausers Verdienste um das hiesige Chorwesen. In Leupoldishain, Altendorf, Krippen, Rathmannsdorf, Schmilka, Pirna und Heidenau war er seinen Vokalgemeinschaften ein umsichtiger Leiter, der von 1973 bis 1990 der Pirnaer Kreisarbeitsgemeinschaft Chor vorstand. Zwischen 1970 und 1989 führte er professionelle Musiker und Laiensänger im Stadtpark Bad Schandau mit Werken von Bach, Händel und Telemann zu großen Leistungen. Wegweisend: Schulrat Manfred Stange hatte ihn 1960 als Musiklehrer an die Oberschule Sebnitz geholt, was ein pädagogisches Studium in Radebeul nach sich zog. In Sebnitz gründete er einen Lehrerchor. Gemeinsam mit Musikdirektor Herbert Burckhardt und einem Prager Orchester kam es zu viel beachteten Aufführungen. Als seine "Meisterjahre" aber bezeichnete Hauser selbst sein Engagement als Musiklehrer ab 1992 am Pirnaer Schillergymnasium, dessen Chor das Profil der Bildungsstätte dank Gottfried Hauser widerspiegelte. Am 6. Oktober ist der Kantor, Studienrat und Chorleiter im Alter von 83 Jahren gestorben.

Gottfried Hauser während einer Chorprobe von Regina Zimmermann aus Bad Schandau im Jahr 2012. Sie ist Vorsitzende des "Neuen Chores Liederkranz 1993 von Bad Schandau und Umgebung e.V.", wo Gottfried Hauser lange Jahre als Chorleiter agierte.
Gottfried Hauser während einer Chorprobe von Regina Zimmermann aus Bad Schandau im Jahr 2012. Sie ist Vorsitzende des "Neuen Chores Liederkranz 1993 von Bad Schandau und Umgebung e.V.", wo Gottfried Hauser lange Jahre als Chorleiter agierte. © SZ-Archiv

Leidenschaftlicher Drehorgelspieler und Sammler

Das Drehorgeln werde ihm helfen, 90 Jahre alt zu werden. Das sagte Dietmar Eger in einem Gespräch mit der SZ im Jahr 2016. Seine Auftrittsorte waren schon da mitunter ungewöhnlich. Sogar auf dem Friedhof packte er auf Wunsch seine Drehorgel aus, um Verstorbenen einen letzten Gruß zu erweisen. Im Oktober ist der Ottendorfer 80-jährig nach längerer Krankheit gestorben. Auf jeden Fall hat er es geschafft, den Menschen ein wenig Freude zu bereiten.

Bekannt war er aber nicht nur durch seine Auftritte mit der Drehorgel. Er war auch ein leidenschaftlicher Sammler von Post- und Ansichtskarten. In den 70er-Jahren hat er angefangen mit Sammeln. Kein Wunder, dass im Laufe der Jahre Unmengen zusammengekommen sind. Einen Großteil davon hat er in Alben sortiert, viele andere lagern noch in Kisten. Wertvolle Schätze, geschichtliche Zeugnisse bleiben so erhalten, wie zum Beispiel Postkarten von der ehemaligen Gaststätte Hochbuschkuppe in Sebnitz oder der Buttermilchmühle im Sebnitztal.

Dietmar Eger bei einem Auftritt zur Einkaufsnacht in Neustadt.
Dietmar Eger bei einem Auftritt zur Einkaufsnacht in Neustadt. © Steffen Unger

Ein Macher und aufrechter Mensch

Den Stolpnern ist Thomas Scholle vor allem als Geologe und als Organisator der Aktionen rund um den Tag des offenen Denkmals bekannt oder auch von Aktionen des Gewerbevereins, wie dem Büchermarkt oder dem jährlichen Weihnachtsmarkt oder dem Tag des Geotops.

Thomas Scholle beim legendären Büchermarkt, welcher immer anlässlich des Weihnachtsmarktes in Stolpen veranstaltet wurde.
Thomas Scholle beim legendären Büchermarkt, welcher immer anlässlich des Weihnachtsmarktes in Stolpen veranstaltet wurde. © SZ-Archiv

Er war rühriger Ehrenamtler. Als solcher wurde er bereits in der Stadt Stolpen zum Neujahrsempfang vor einiger Zeit ausgezeichnet. Im Januar letzten Jahres war er zum Neujahrsempfang des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier nach Berlin in das Schloss Bellevue eingeladen. Eine hohe Auszeichnung für einen Menschen, der bekannt dafür ist, nicht lange zu reden, sondern zu machen, der selbst mit anpackt. Und für einen, der kein Blatt vor den Mund nimmt. Er war ein aufrechter und vor allem geradliniger Mensch. Wenn er etwas versprochen hatte, darauf konnte man sich verlassen.

Dr. Thomas Scholle war ein hochgeschätzter und anerkannter Wissenschaftler und Geologe. Seine Ausgrabungen und Entdeckungen gingen weit über die Tore von Stolpen hinaus. Am 1. November ist er nach längerer Krankheit im Alter von 58 Jahren gestorben.