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Sebnitz

Beliebte Wanderroute zerstört

Das Lieblingstal in Dürrröhrsdorf-Dittersbach ist ein idyllischer Ort und vor allem bei Dresdnern beliebt. Nach Baumfällarbeiten herrscht dort nun Chaos.

Tiefe Furchen ziehen sich durch das Lieblingstal. Dort wo einst Wanderwege waren.
Tiefe Furchen ziehen sich durch das Lieblingstal. Dort wo einst Wanderwege waren. © Rolf Eck

Der Schlamm ist knöchelhoch. In tiefen Furchen dazwischen steht Wasser. So sehen Wald- und Wanderwege immer häufiger aus. Das sorgt für Ärger, inzwischen auch im Lieblingstal in Dürrröhrsdorf-Dittersbach. Einem vor allem auch bei Dresdner beliebtes Wandergebiet. Denn hier wird nicht nur gewandert, sondern auch ein Stück Kunstgeschichte eingeatmet. Dafür hat Johann Gottlob von Quandt einst gesorgt. Der Kunstkenner und -mäzen mehrerer Maler der deutschen Romantik, versammelte berühmte Künstler seiner Zeit auf seinem Gut in Dittersbach und war sogar mit Goethe befreundet. Und er sorgte dafür, dass im Umfeld des Gutes eine Kulturlandschaft entstand. Ein Zeugnis davon ist das wildromantische Lieblingstal. Das Wandergebiet ist von der Landeshauptstadt schnell zu erreichen und Parkplätze gibt es in Dürrröhrsdorf-Dittersbach ebenfalls.

Auf seine Anregung hin, entstand eine familienfreundliche Rundwanderung mit Beginn am Markt von Dittersbach - die Straße "Zum Lieblingstal" und ein großer beschrifteter Stein weisen den Weg. Nur wenige Meter weiter leuchtet hell die 2006 wieder aufgebaute Hubertuskapelle. Sie diente ursprünglich vermutlich als Ruheplatz mit Aussicht auf sein nahes Anwesen. Auf dem Weg begegnet der Wanderer dann noch vielen weiteren zum Teil verwunschen wirkenden Bauten. Auch das macht den Weg so reizvoll und beliebt.

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Rolf Eck aus Döbeln machte sich vor wenigen Tagen mit seiner Familie auf den Weg durch das Lieblingstal. Doch was er da entdecken musste, ließ ihm die Haare zu Berge stehen. Ein großer Abschnitt des einst schönen Wanderwegs komplett zerstört und zwar von der Teufelsbrücke kommend kurz vor der Überquerung der Dittersbacher Straße.

Wege wieder in Ordnung bringen

Hier waren unlängst Forstarbeiter zu Gange, wie andernorts auch. Allerdings werden nach den Forstarbeiten die Wege wieder hergerichtet. Nicht so im Lieblingstal. Besagter Abschnitt ist eigentlich unpassierbar. Tiefe Rinnen im Erdreich, zum Teil liegen noch große Wurzeln auf dem Weg. Auch die einstigen Ruheplätze um die Bänke sind nicht mehr begehbar.

"Wanderwege werden durch die Forstmitarbeiter ausschließlich als Wirtschafts- und Fahrwege betrachtet, was sie definitiv nicht sind", schimpft Rolf Eck. Wenn es sich um öffentliche Flächen und Wälder handelt, welche von durch Steuergelder finanzierte Mitarbeiter „gepflegt“ und bearbeitet werden, müssten die Wege in einen begehbaren Zustand rückversetzt werden. Damit hat er ja prinzipiell auch Recht.

Was nach Beendigung von Straßenbauarbeiten selbstverständlich erscheint, wird seit Jahren in den Wäldern mitunter anders praktiziert. "Ich habe als Steuerzahler nicht nur die Forstangestellten zu finanzieren, sondern auch das Recht, öffentliche Wanderwege in Naherholungs- und Wandergebieten als solche benutzen zu können", sagt er. Dazu kommt, dass die Teufelsbrücke wurde 2006 mit EU-Geldern saniert, der Weg im Anschluss daran wurde jetzt in einem nicht mehr begehbaren Zustand hinterlassen.

Auch die Ruheplätze sind als solche nicht mehr erkennen.
Auch die Ruheplätze sind als solche nicht mehr erkennen. © Rolf Eck

Noch ist der Boden zu nass

Noch ist unklar, ob es sich bei besagten Waldstück tatsächlich um Wald handelt, für den der Staatsbetrieb Sachsenforst zuständig ist. Das wird noch geprüft. Generelle Praxis ist es aber, dass nach Forstarbeiten die Wald- oder auch Wanderwege wieder hergerichtet werden. Experten sagen aber auch, dass das Wetter mitspielen muss. Bislang gab es nur wenige trockene Tage, die sind aber Voraussetzung, um die Wege wieder zu planieren. Durch den langanhaltenden Regen im Winter, der ja für den Wald unbezahlbar ist, sind natürlich auch die Wege entsprechend durchnässt gewesen.

Je nässer, umso größer sind die Schäden durch die Forstmaschinen und bei Nässe ist es schwierig, einen Waldweg wieder herzustellen, sagen die Experten. Und die haben auch einen Tipp parat. Bei Wanderungen sowieso, aber auch bei Spaziergängen durch Wald und Flur immer gutes Schuhwerk anziehen. Schlammpartien oder Wasserpfützen machen sich dann nur noch bei der Schuhreinigung bemerkbar. Und man ist auf alles vorbereitet. Auch auf komplett zerstörte Waldwege.

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