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Beginnt das Gaststätten-Sterben?

Der Ratskeller Dohna ist zu, bevor er richtig geöffnet war. Er startete in einer schweren Zeit - für alle Gastronomen. Wer wird Corona überleben?

Axel Klein ist Geschäftsführer der Dehoga Sachsen, er glaubt an die Branche und kämpft für sie.
Axel Klein ist Geschäftsführer der Dehoga Sachsen, er glaubt an die Branche und kämpft für sie. © (c) Christian Juppe

Die Schwächsten erwischt es als Erste. Die Betreiber vom Dohnaer Ratskeller waren neu in der Branche. Sie starteten im Mai vergangenen Jahres verspätet, nachdem der Lockdown den ersten Termin verhindert hatte. Die jungen Leute waren engagiert, doch in Corona-Zeiten zu beginnen und durchzuhalten, die Chance war gering.

Nach einem halben Jahr geschlossener Gaststätten geht aber auch gestandenen Häusern die Luft aus. Ist das jetzt der Anfang der Pleitewelle, was lässt hoffen und was könnte helfen? Sächsische.de im Gespräch mit Axel Klein, dem Chef der Dehoga Sachsen, dem Interessenvertreter der Hoteliers und Gastwirte, über die Situation in der Sächsischen Schweiz.

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Wie viele Gaststätten werden dem Ratskeller Dohna noch folgen, Herr Klein?

Das ist schwer zu sagen, es schwankt und hängt von vielen Faktoren ab. Ein entscheidender sind die Beschlüsse der Landesregierung zur Außengastronomie im Mai. Wir hoffen sehr auf das Himmelfahrtswochenende und Pfingsten. Bei uns sind die Menschen besser aufgehoben, als wenn sie sich irgendwo anders treffen. Die Gaststätten sind seit November zu und die Inzidenzen gehen hoch und runter, es kann also nicht mit uns zu tun haben.

Aber auch Pfingsten und Himmelfahrt retten die Gastronomen jetzt nicht von heute auf morgen ...

Es wird nicht leichter, das ist klar. Einen Hoffnungsschimmer gibt es mit der Verlängerung der Mehrwertsteuersenkung nun bis Ende nächsten Jahres. Das ist schon entscheidend, hilft Unternehmen und muss prinzipiell entfristet werden. Inzwischen gibt es auch einige wenige, bei denen das Außer-Haus-Geschäft richtig gut läuft. Was wir brauchen, ist dringend eine Öffnung.

Wann wird sich zeigen, ob die große Insolvenzwelle bei den Gastronomen und Hoteliers rollt oder ob sie verhindert werden kann?

Schon sehr bald. Ab 1. Mai gilt wieder die Insolvenzantragspflicht. Sie war mehrfach ausgesetzt worden. Die Insolvenz ist bei den vielen kleinen Familienbetrieben auch in der Sächsischen Schweiz aber nicht das einzige Indiz.

Warum?

Diese Familienbetriebe haben oftmals in den vergangenen Monaten ihre Altersvorsorge verloren. Da die Leute in ihren eigenen Objekten arbeiten, ist damit Eigentum vernichtet worden.

Das Arbeiten in den eigenen Objekten hat einen Vorteil, man muss keine Miete zahlen. Aber auch dieser Vorteil ist irgendwann aufgebraucht. Was dann?

Trotzdem haben gleichzeitig viele auch kleinere Gaststätten und Beherbergungsbetriebe in den vergangenen Monaten renoviert. Das haben wir an vielen entsprechenden Förderanträgen gemerkt. Das ist ein gutes Zeichen.

Oftmals klagen ja aber auch besonders die kleinen Familienbetriebe, dass es irgendwann keine Nachfolger gibt. Das war schon vor Corona so und dürfte nun nicht leichter werden, auch für größere Häuser.

Der Generationenwechsel war schon immer ein Problem, das sich nun mit Corona natürlich potenziert. Hier wird es in Zukunft sicher noch mehr Mut und vor allem auch Unterstützung unsererseits und vonseiten des Staates brauchen.

Würden Sie jemandem raten, in diesen Zeiten in der Gastronomie bzw. im Gastgewerbe neu zu starten oder einen Beruf in dieser Branche zu lernen?

Heute ist es sicher schwer, aber der Bedarf ist da und wird wieder da sein. Ich bin nach wie vor von der Branche überzeugt. Die Ausbildung ist sehr gut und möglich. Die Betriebe, die ausbilden, haben sich gekümmert. Was fehlt, ist oft die Information. Dazu dient unsere Veranstaltung am 9. Mai im Dresdner Hotel Bellevue.

Leute, die in der Branche tätig sind, aber seit Monaten in Kurzarbeit sind, suchen sich andere Jobs. Wird das das nächste Problem, wenn die Gaststätten wieder öffnen?

Viele haben die Zeit bisher für Schulungen, Qualifizierungen genutzt. Aber es könnte noch zu einem Problem werden, wenn wir nicht ganz schnell öffnen dürfen.

Geschäftsreisende dürfen ja aktuell beherbergt werden. Wie viele Häuser in der Sächsischen Schweiz machen das?

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Genaue Zahlen haben wir da nicht, aber wir gehen so von etwa zwei Drittel aus. Auch hier nutzen auffällig viele kleinere Häuser diese Möglichkeit. Vielleicht, weil das Verhältnis von Aufwand und Nutzen da günstiger ist, als wenn in großen Häusern wenig Übernachtungen gebucht werden.

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