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Sächsische Schweiz: Der beste Sommer aller Zeiten

Im Juli verzeichnete die Sächsische Schweiz einen neuen Rekord an Übernachtungen. Das Erzgebirge hat dagegen Einbußen.

Und das in Corona-Zeiten: So sah es im Juli auf der Bastei aus.
Und das in Corona-Zeiten: So sah es im Juli auf der Bastei aus. © Steffen Unger

In den Serpentinen auf dem Pirnaer Sonnenstein stauen sich die Autos, die Parkplätze an der Bastei sind voll. Die Hotels, Pensionen und Campingplätze erleben gerade den besten Sommer aller Zeiten.

Wie das Statistische Landesamt Sachsen mitteilte, meldeten die gewerblichen Herbergsbetriebe im Juli dieses Jahres 264.223 Übernachtungen in der Sächsischen Schweiz. So viele gab es noch nie zuvor in einem Monat. Die kleinen privaten Unterkünfte sind da noch nicht mal mit eingerechnet. "Für den August und September könnte es ähnlich aussehen", erklärt der Geschäftsführer des Tourismusverbands Sächsische Schweiz, Tino Richter. Das sei jedenfalls die Resonanz von Mitgliedern. Genaue Zahlen gibt es immer erst mit sechswöchiger Verzögerung.

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Einzige Ausnahme in Sachsen

Darauf haben die Inhaber und Beschäftigten nach dem Corona-Lockdown im Frühjahr gewartet. Im Juli lagen die Übernachtungszahlen 14,4 Prozent über denen des Vorjahres, die auch schon Rekord waren.

Die Ausfälle vom Frühjahr sind damit aber noch längst nicht ausgeglichen. Für den Vergleichszeitraum von Januar bis Juli steht weiter ein Minus von 24,4 Prozent zu Buche. Zwar konnten die Unternehmen dank der Kurzarbeits-Regelungen Personalausgaben sparen, die Fixkosten liefen aber größtenteils weiter.

Die Tourismusregion Sächsische Schweiz bildet in Sachsen allerdings die einzige Ausnahme. In allen anderen Regionen konnte im Juli noch nicht das Vorjahres-Niveau erreicht werden. Insbesondere der Städte-Tourismus in Dresden, Leipzig und Chemnitz hat enorm zu kämpfen. Der Rückstand liegt hier weiter bei knapp 50 Prozent.

© SZ

Erzgebirge fehlt gute Verkehrsanbindung

Nicht ganz so negativ sieht es im Tourismusverband Erzgebirge aus, zu dem auch Teile des hiesigen Landkreises gehören. Die Übernachtungszahlen liegen in den ersten sieben Monaten des Jahres 33,9 Prozent unter denen von 2019. Auch im Juli konnte bei einem Minus von 12,3 Prozent nichts entscheidend aufgeholt werden. Das ist dennoch ein gutes Ergebnis im Vergleich der sächsischen Tourismusregionen. Neben der Sächsischen Schweiz war nur die Oberlausitz (- 4,9 %) besser, wie aus Daten des Statistischen Landesamtes hervorgeht.

"Beherberger und auch Freizeiteinrichtungen sind aktuell mit der Lage zufrieden. Generell ist nach dem Lockdown ein positiver Trend erkennbar", heißt es vom Tourismusverband Erzgebirge. Hinweise, dass Vermieter aufgeben mussten oder Mitgliedsunternehmen in der Existenz bedroht sind, seien nicht bekannt.

Im Rad-Tourismus sind die Zahlen sogar gestiegen.  Auf dem Stoneman Miriquidi Mountainbike, einem 162 Kilometer langen Parcours durchs Erzgebirge, und auch auf der Straße konnten die Zahlen vom letzten Jahr bereits jetzt übertroffen werden, heißt es. Und das trotz des verspäteten Starts in die Saison. Da sind Steigerungsraten von mehr als 30 Prozent beachtlich. Offenbar sind Freiluftaktivitäten bei Urlaubern gerade sehr beliebt.

Der August wird sogar noch als der besucherstärkere Monat in diesem Sommer angesehen. "Besonders stark frequentiert waren die Regionen wie Altenberg, Gebiete im südwestlichen Erzgebirgskreis, die Region um Wolkenstein und Thermalbad Wiesenbad, Neuhausen sowie der Kurort Oberwiesenthal", heißt es vom Verband.

Kleine Quartiere gut ausgelastet

Dass das Erzgebirge nicht ganz so gut in der Statistik wegkommt, führt der Verband auf eine Besonderheit zurück. Die Zahlen des Statistischen Landesamtes beziehen sich auf die gewerblichen Übernachtungen, das heißt, auf Einrichtungen mit mehr als zehn Betten. "Im Erzgebirge ist der Anteil von Klein- und Kleinstvermietern mit weniger Betten relativ hoch", erklärt der Verband.

Deshalb seien die Regionen auch nur bedingt vergleichbar. Dass die Sächsische Schweiz etwas besser dasteht, habe mit der Nähe zu Dresden und der damit guten Verkehrsanbindung zu tun. Vor allem die ländlichen Gebiete sind im Erzgebirge benachteiligt. "Hier betrachten wir unser gesamtes Verbandsgebiet – welches sich über drei Landkreise erstreckt – teilweise als schlecht an den ÖPNV angebunden." Andererseits ist das Erzgebirge das größte Tourismusgebiet in Sachsen und habe aufgrund seiner flächenmäßigen Ausdehnung den Vorteil, dass eine bessere Besucherlenkung möglich ist.

Urlauber bleiben länger

Das Plus im Juli in der Sächsischen Schweiz geht insbesondere auf die Rekordergebnisse in Bad Schandau, Königstein und Pirna zurück. Hier gibt es Zuwachsraten um die 20 Prozent auf ohnehin schon hohem Niveau. Von den 23 Kommunen im Tourismusgebiet Sächsische Schweiz hatten im Juli lediglich Bad Gottleuba-Berggießhübel und Stadt Wehlen einen nennenswerten Rückgang der Übernachtungszahlen gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen.

Das Elbsandsteingebirge profitiert nicht nur davon, dass sich mehr Menschen als je zuvor für dieses Urlaubsgebiet entscheiden. Die Gäste bleiben oftmals auch länger. Das war jedenfalls in Pirna, Kurort Rathen, Königstein, Lohmen, Rosenthal-Bielatal und Stolpen festzustellen.

Woher die Touristen kommen, die für die Rekordwerte sorgen, ist für die einzelnen Tourismusregionen noch nicht ermittelt worden. Die Zahlen für Sachsen zeigen allerdings einen klaren Trend: Es sind größtenteils Deutsche, die im eigenen Land Urlaub machen. "Was wir bisher wissen, gab es eine verstärkte Nachfrage aus Bayern", erklärt Tino Richter.

Winterbelebung ist Chance zum Aufholen

Wegen der enormen Nachfrage konnte es sich die Sächsische Schweiz sogar leisten, die Werbe-Maßnahmen etwas zurückzufahren. Auf dem Erfolg ausruhen wolle man sich aber keinesfalls. Dazu gäbe es keine Veranlassung. Die Budgets wurden nur etwas aufgespart, um sie für die Winterwerbung einzusetzen. "Es gibt aber keinen grundlegenden Strategie-Wechsel", erklärt Richter. Im Fokus stehe weiterhin der deutsche Markt. Im Oktober ist eine Plakat-Kampagne in Thüringen geplant.

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Die Aktivitäten im Winter auszubauen, sei auch eine Chance, wieder etwas aufzuholen, so Richter. Die Zahl der Partner sei dabei gewachsen, unter anderem in Rosenthal-Bielatal. "Die Region kommt jetzt auch in den Winterwanderkalender", erklärt Richter.

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