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Sächsische Schweiz: Der Wald brennt noch immer

Im unwegsamen Gelände im Nationalpark Sächsische Schweiz fehlt es an Löschwasser. Warum kommt kein Hubschrauber zu Hilfe?

Mit Hacke und Spaten haben Ranger und Feuerwehrleute das Feuer eingedämmt. Der Humusboden brennt aber weiter.
Mit Hacke und Spaten haben Ranger und Feuerwehrleute das Feuer eingedämmt. Der Humusboden brennt aber weiter. © Marko Förster

Seit mindestens fünf Tagen brennt es im Nationalpark Sächsischen Schweiz. Der Waldbrand am hinteren Ende des Großen Zschands, unmittelbar vor der tschechischen Grenze, wurde am Sonnabend entdeckt. Zwei Dutzend Feuerwehrleute plus Mitarbeiter der Nationalparkwacht waren das Wochenende über mit Hacken, Spaten und Löschrucksäcken im Einsatz, um dem Feuer beizukommen. Gänzlich löschen konnten sie den Brand jedoch nicht. 

Der Brandort befindet sich auf einem schwer zugänglichen Riff zwischen dem Klettergipfel Schwarzschlüchteturm und dem Grenzweg. Die etwa 40 mal 40 Meter umfassende Fläche liegt mitten in der Kernzone des Nationalparks. Es führt kein Weg dorthin, die Einsatzkräfte müssen einen 45-minütigen Fußmarsch durch steiles Gelände bewältigen, um an die Stelle zu gelangen.    

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Schon am Wochenende haben Feuerwehrleute und Ranger einen Graben rings um den glimmenden und rauchenden Waldboden gezogen. Das soll ein Ausbreiten des Brandes verhindern. Die jeweils 20 Liter Wasser auf dem Rücken reichten zum kompletten Löschen jedoch nicht aus. Die Feuerwehrleute mussten wieder abziehen.

Schnürsenkel fangen vor Hitze Feuer

Am Mittwochvormittag brennt der Boden noch immer. "Durch die Maßnahmen der Feuerwehr und Nationalparkverwaltung hat sich der Bereich aber nicht weiter ausgeweitet", erklärt Kreisbrandmeister Karsten Neumann. Zwei Mitarbeiter der Nationalparkwacht beobachten, dass die um die Brandstelle gezogenen Wundstreifen erhalten bleiben. Außerdem inspiziert täglich die Bad Schandauer Feuerwehr die Einsatzstelle. 

Die Bedingungen für die Feuerwehrleute vor Ort seien extrem kräftezehrend. So beschreibt es Nationalparkchef Ulf Zimmermann. "Die Einsatzkräfte sind teilweise nur zehn Minuten auf der Fläche, dann beginnen ihre Schnürsenkel zu brennen und sie müssen die Arbeit abbrechen", sagt er. Im Boden stecke eine enorme Hitze. 

"Problematisch ist gegenwärtig eine kleine Schlucht, in welcher eine sehr starke Humusauflage brennt und wo die Gefahr besteht, dass sich der Brand auf darunterliegende Bereiche ausweitet", sagt Kreisbrandmeister Neumann. Für den Laien mögen die Bilder des Brandes vielleicht wenig dramatisch aussehen, weil keine Bäume lichterloh in Flammen stehen. Dennoch birgt er eine erhebliche Gefahr. 

Tausende tote Fichten im Großen Zschand

Die Glut frisst sich unterirdisch durch den Waldboden, der zentimeterdick aus Nadeln und Pflanzenmaterial besteht. Ein starker Windstoß kann die Flammen anfachen. Im Großen Zschand stehen Tausende tote Fichten. Wenn das Feuer auf die durch den Borkenkäfer abgestorbenen Bäume übergreift, ist eine Katastrophe beinahe unausweichlich.

Die einzige Möglichkeit, ausreichend Löschwasser in das abgelegene Gelände zu transportieren, ist also der Luftweg. Ein Hubschrauber könnte Wasser über dem brennenden Waldboden abwerfen oder zumindest in einem Behälter nahe an den Brandort heranfliegen.

Doch einen passenden Hubschrauber zu bekommen, ist offenbar schwierig. Kreisbrandmeister Karsten Neumann hat dazu am Montag mit mehreren Betreibern telefoniert. "Aufgrund fehlender technischer Ausstattung und für den Einsatzauftrag nicht optimal dimensionierter Maschinen konnte am Dienstag noch kein Anbieter mit der Leistung beauftragt werden", erklärt Neumann. Laut Nationalparkchef seien einige Hubschrauber in Wartung. 

Die zur Verfügung stehenden Hubschrauber öffentlicher oder privater Betreiber seien nicht automatisch optimal für die Anforderungen des Einsatzes ausgestattet. Ebenso müssten sich die Besatzungen mit den fliegerischen Herausforderungen vertraut machen und die Einsatztaktik mit ihnen abgesprochen werden. Dazu habe es umfangreiche Abstimmungen gegeben. 

Die blieben bisher jedoch ohne Erfolg. Vom Tisch ist der Hubschraubereinsatz damit noch nicht. Eine dem Brandumfang entsprechende Luftunterstützung werde weiterhin geprüft, erklärt der Kreisbrandmeister. 

Spekulationen zur Brandursache

Hilfe könnte unterdessen auch von anderer Seite kommen. "Wir hoffen, dass es zeitnah regnet", sagt Ulf Zimmermann. Jeder Tropfen würde die Situation weiter entspannen. Sollte sich der Brand in den kommenden Stunden und Tagen weiter ausbreiten, dann arbeite man bereits an einem Plan B - unabhängig von einem Löschhubschrauber. "Dann müssen wir das über Bodentruppen lösen", sagt der Leiter der Nationalparkverwaltung.

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Unklar ist indes, was den Waldbrand ausgelöst hat. Zimmermann geht davon aus, dass das Feuer durch reine Fahrlässigkeit verursacht wurde. Ob durch eine weggeworfene Zigarette oder ein illegales Feuer: "Die genaue Brandursache wird sich kaum mehr ermitteln lassen", ist er überzeugt. Ausschließen könne man zumindest eine natürliche Ursache wie einen Blitzschlag. Sollte das Feuer tatsächlich durch Menschenhand verursacht worden sein, dann vermutet Zimmermann, dass es keine Ortsfremden waren. Das Gebiet am Großen Zschand sei so abgelegen - weit weg von bekannten Wegen - dass dort wohl nur Ortskundige unterwegs gewesen seien. 

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