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Designer-Hütten für den Forststeig

Wieder einmal entwerfen TU-Studenten Schutzhütten für die Trekkingroute im Elbsandstein. Die SZ zeigt die Pläne und sagt, was daraus wird.

Hier geht´s zur Waldübernachtung: Schilder wie diese weisen am Forststeig den Weg.
Hier geht´s zur Waldübernachtung: Schilder wie diese weisen am Forststeig den Weg. © Archivfoto: Norbert Millauer

Wanderwege gibt es in der Sächsischen Schweiz viele. Einer hat sich in den vergangene Jahren vom Geheimtipp zum absoluten Besucherliebling entwickelt. Gemeint ist der Forststeig Elbsandstein - eine rund 110 Kilometer lange Trekkingroute durch die Sächsische und Böhmische Schweiz. Vor allem Mehrtageswanderer sind auf dem abgelegenen Pfad, der sich fernab von Siedlungen und Straßen über insgesamt 13 Tafelberge schlängelt, unterwegs. Wer das Abenteuer antritt, kann unterwegs in fünf Trekkinghütten und auf sechs Biwakplätzen naturnah übernachten.

© Sachsenforst

Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 8.600 Übernachtungsgäste am Forststeig gezählt. Das waren 50 Prozent mehr als noch 2019. Und das, obwohl die Saison wegen der Corona-Pandemie später begann und früher endete. Auf den Boom will der Sachsenforst nun reagieren.

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An zwei Biwaks sollen neue Hütten aufgebaut werden. Konkret geht es um das "Quirl-Biwak" südlich von Pfaffendorf unweit vom Quirl sowie das "Zehrborn-Biwak" im hinteren Bielatal unterhalb der Grenzplatte. Beide wurden erst im vergangenen Jahr eröffnet.

Das 2020 eröffnete Zehrborn Biwak am Forststeig Elbsandstein im hinteren Bielatal. Studenten der TU Dresden entwerfen für dieses Biwak eine neue Schutzhütte.
Das 2020 eröffnete Zehrborn Biwak am Forststeig Elbsandstein im hinteren Bielatal. Studenten der TU Dresden entwerfen für dieses Biwak eine neue Schutzhütte. © Uwe Borrmeister/Sachsenforst

An den Biwaks können Wanderer im mitgebrachten Zelt campieren. Vor Ort steht zudem eine überdachte Sitzgruppe aus Holz. Mehr Schutz vor Wind und Wetter gibt es nicht. Das soll sich mit den neuen Hütten ändern. Denn darin soll nicht nur gepicknickt werden können. Die Hütte soll auch Platz für eine Notübernachtung für bis zu vier Personen bieten.

Wie die neuen Hütten aussehen sollen? Mit dieser Frage beschäftigen sich Studenten an der Professur für Gebäudelehre an der Technischen Universität Dresden. Insgesamt 13 von ihnen nehmen im aktuellen Wintersemester an einem Seminar teil, das sich auch um den Forststeig dreht. Ihre Aufgabe ist es, die neuen Schutzhütten zu entwerfen.

Studenten der TU Dresden konkurrieren mit ihren Ideen

Diese sollen aus natürlichen Materialien gebaut, wetterfest, transportabel und so klein wie möglich sein. Das sind die Bedingungen, die der Sachsenforst an die angehenden Architekten gestellt hat. Zwei der 13 Entwürfe sollen am Ende nicht nur auf dem Papier, sondern tatsächlich umgesetzt werden. Welche das sind, das entscheidet einen achtköpfige Jury, die aus Architekten und Vertretern des Sachsenforsts besteht. Ende April sollen die Sieger bekannt gegeben werden.

"Wir wollen den Forststeig mit den zwei neuen Schutzhütten attraktiver gestalten und bereichern", sagt Uwe Borrmeister, Leiter des Forstbezirkes Neustadt. Dass das gelingen kann, haben TU-Studenten bereits 2015 gezeigt. Damals kooperierte der Sachsenforst zum ersten Mal mit der Fakultät für Architektur - mit dem gleichen Ziel. Ein Jahr später wurden zwei individuell designte Schutzhütten am Forststeig aufgebaut. Nach fünf Jahren wird die Kooperation mit der TU Dresden nun fortgeführt.

Welche Entwürfe dieses Jahr das Rennen machen, steht zwar noch nicht fest. Sächsische.de durfte die Studenten jedoch bei ihrer Arbeit begleiten.

Das sind die Entwürfe für den Elbsandstein

Eine Sternwarte mitten im Wald - auf dieser Idee basiert der Entwurf von Markus Kirchner. Die Schutzhütte ist durch eine Klappe verschlossen, die gleichzeitig als Vordach fungiert und damit Wanderer von Regen schützt. Im Innern gibt es zwei Schlafbereiche auf zwei Ebenen. Von dort reicht der Blick über Klappen in Richtung Himmel. Hingucker ist ein rundes Fenster mit einer drehbaren Öffnung aus Holz, die an einen Mond erinnert.
Eine Sternwarte mitten im Wald - auf dieser Idee basiert der Entwurf von Markus Kirchner. Die Schutzhütte ist durch eine Klappe verschlossen, die gleichzeitig als Vordach fungiert und damit Wanderer von Regen schützt. Im Innern gibt es zwei Schlafbereiche auf zwei Ebenen. Von dort reicht der Blick über Klappen in Richtung Himmel. Hingucker ist ein rundes Fenster mit einer drehbaren Öffnung aus Holz, die an einen Mond erinnert. © Markus Kirchner
Wie ein Kokon ist die Schutzhütte von Leonard Faust aufgebaut. Die vier dreieckigen Seitenflächen lassen sich wie bei einer Blüte öffnen. Unter den Klappen können Wanderer regensicher sitzen oder Hängematten aufspannen. In dem Tetraeder gibt es zudem zwei Ebenen: Eine zum Sitzen, eine zum Schlafen.
Wie ein Kokon ist die Schutzhütte von Leonard Faust aufgebaut. Die vier dreieckigen Seitenflächen lassen sich wie bei einer Blüte öffnen. Unter den Klappen können Wanderer regensicher sitzen oder Hängematten aufspannen. In dem Tetraeder gibt es zudem zwei Ebenen: Eine zum Sitzen, eine zum Schlafen. © Leonard Faust
Auf den ersten Blick eine ganz normale Hütte. Der Entwurf von Anna Vöck besticht jedoch durch Details. In dem Haus befindet sich neben den geforderten Schlafplätzen ein Meditationsraum, in dem Wanderer die Eindrücke des Tages verarbeiten können. An den Außenwänden sind weitere Sitzbänke montiert. Die Schiebetür erinnert an den japanischen Baustil.
Auf den ersten Blick eine ganz normale Hütte. Der Entwurf von Anna Vöck besticht jedoch durch Details. In dem Haus befindet sich neben den geforderten Schlafplätzen ein Meditationsraum, in dem Wanderer die Eindrücke des Tages verarbeiten können. An den Außenwänden sind weitere Sitzbänke montiert. Die Schiebetür erinnert an den japanischen Baustil. © Anna Vöck
An einen Hochstand angelehnt ist der Entwurf von Anne-Sophie Schoß. Auf der knapp acht Meter hohen Baumhaus-Konstruktion verteilen sich auf mehreren Ebenen sogenannte Schlafkapseln, die per Schiebetür verschlossen werden können. Wanderer können von den verschiedenen Plattformen zudem einen neuen Ausblick in de Wald genießen.
An einen Hochstand angelehnt ist der Entwurf von Anne-Sophie Schoß. Auf der knapp acht Meter hohen Baumhaus-Konstruktion verteilen sich auf mehreren Ebenen sogenannte Schlafkapseln, die per Schiebetür verschlossen werden können. Wanderer können von den verschiedenen Plattformen zudem einen neuen Ausblick in de Wald genießen. © Anne-Sophie Schoß
Drei mal drei Meter groß ist die Schutzhütte, die Katharina Sauerbier entwickelt hat. Im Inneren gibt es Etagenbetten und einen Tisch, der an Seilen befestigt ist. Unter dem schrägen Dach ist Stauraum für Rucksäcke vorgesehen.
Drei mal drei Meter groß ist die Schutzhütte, die Katharina Sauerbier entwickelt hat. Im Inneren gibt es Etagenbetten und einen Tisch, der an Seilen befestigt ist. Unter dem schrägen Dach ist Stauraum für Rucksäcke vorgesehen. © Katharina Sauerbier
Eins werden mit dem Wald - das soll die Schutzhütte von Chiara Schmidt. Ihr Entwurf steht auf Stelzen. Ein Teil der Wände lässt sich durch einen Schiebemechanismus öffnen. Im Innern gibt es klappbare Holzelemente, die zugleich Tisch und Bett sein können. Langfristig soll die Natur die Hütte zurückerobern. Dafür sollen an den Stelzen Bäume gepflanzt werden, die - wenn sie groß genug sind - die Hütte einmal tragen können.
Eins werden mit dem Wald - das soll die Schutzhütte von Chiara Schmidt. Ihr Entwurf steht auf Stelzen. Ein Teil der Wände lässt sich durch einen Schiebemechanismus öffnen. Im Innern gibt es klappbare Holzelemente, die zugleich Tisch und Bett sein können. Langfristig soll die Natur die Hütte zurückerobern. Dafür sollen an den Stelzen Bäume gepflanzt werden, die - wenn sie groß genug sind - die Hütte einmal tragen können. © Chiara Schmidt
"Ruhelauscher" nennt Jakob Brinkmann seine Schutzhütte. Die Konstruktion besteht aus Dreischichtplatten, die einfach ineinander gesteckt werden können. Zwei Trichter, die das Thema "Hören" ausdrücken sollen, dienen als Schlafkojen. Der Eingang ist überdacht und damit regensicher.
"Ruhelauscher" nennt Jakob Brinkmann seine Schutzhütte. Die Konstruktion besteht aus Dreischichtplatten, die einfach ineinander gesteckt werden können. Zwei Trichter, die das Thema "Hören" ausdrücken sollen, dienen als Schlafkojen. Der Eingang ist überdacht und damit regensicher. © Jakob Brinkmann
Wie eine überdimensionale "Futterkrippe" kommt der Entwurf von Luise Schuhmann daher. An einer etwa 3,50 Meter langen Tafel können Wanderer Platz nehmen. Über zwei Leitern geht es hinauf zum geschützten Schlafboden, der viel Stauraum für Rucksäcke bietet.
Wie eine überdimensionale "Futterkrippe" kommt der Entwurf von Luise Schuhmann daher. An einer etwa 3,50 Meter langen Tafel können Wanderer Platz nehmen. Über zwei Leitern geht es hinauf zum geschützten Schlafboden, der viel Stauraum für Rucksäcke bietet. © Luise Schuhmann
Ein weiteres Tetraeder hat Julia Hottenbacher als Schutzhütte entworfen. Im Bauch des Objektes gibt es drei Schlafplätze. Zusätzlich dazu können Hängematten aufgehängt werden. Per Leiter können Wanderer zudem bis zu einer Luke in der Spitze steigen und den Ausblick genießen.
Ein weiteres Tetraeder hat Julia Hottenbacher als Schutzhütte entworfen. Im Bauch des Objektes gibt es drei Schlafplätze. Zusätzlich dazu können Hängematten aufgehängt werden. Per Leiter können Wanderer zudem bis zu einer Luke in der Spitze steigen und den Ausblick genießen. © Julia Hottenbacher

Die Entwürfe der Studenten will der Sachsenforst in einer Ausstellung zeigen. Vermutlich soll diese Ende April in Pirna stattfinden, kündigt Uwe Borrmeister an. In dem Rahmen sollen auch die beiden Gewinner gekürt werden.

Deren Entwürfe werden dann im Sommersemester mit lokalen Firmen umgesetzt und aufgebaut. Im Spätsommer könnten die neuen Schutzhütten dann an den beiden Biwaks am Quirl und an der Grenzplatte eröffnet werden.

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