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Diskussion um Video aus der Sächsischen Schweiz

Im neuen Video des Nationalparks sind auch Aufnahmen eines Ortes zu sehen, der nicht betreten werden darf. Der Nationalpark liefert eine Erklärung.

Bilder aus der Kernzone: Diesen Teil des Nationalparks darf niemand betreten.
Bilder aus der Kernzone: Diesen Teil des Nationalparks darf niemand betreten. © Screenshot

Mit einem vor wenige Tagen auf Youtube veröffentlichten Video wirbt der Nationalpark Sächsische Schweiz um mehr Rücksicht auf die im Wald lebenden Tiere. Die Botschaft des Clips: Wanderer sollen im Elbsandsteingebirge auf den markierten Wegen bleiben, um den Wildtieren in dem viel besuchten Gebiet ihre Rückzugsräume zu lassen. Der Film liefert damit eine Erklärung dafür, warum das Wegegebot im Nationalpark existiert und warum in dessen Kernzone die nicht markierten alten Wege nicht begangen werden dürfen.

In dem Film sind auch Aufnahmen aus eben dieser besonders geschützten Kernzone zu sehen. Das hat Kritik hervorgerufen, namentlich von der IG Stiegen- und Wanderfreunde, einer Vereinigung, die sich für den Erhalt des Wegenetzes einsetzt und in Arbeitseinsätzen kaputte Wanderpfade instand setzt, deren Mitglieder in der Vergangenheit allerdings auch schon mit fragwürdigen Aktionen in Erscheinung getreten sind, wie der Veröffentlichung von Wandertipps über verbotene Routen oder dem eigenmächtigen Freischneiden von Pfaden im Nationalparkgebiet.

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Im neuen Video des Nationalparks haben die Stiegenfreunde nun eine aus ihrer Sicht fragwürdige Szene entdeckt. Für einige Sekunden ist ein felsenumrahmtes Flusstal zu sehen. Es handelt sich um eine Stelle in der Kirnitzschklamm, die innerhalb der Kernzone liegt und zu der kein offiziell gekennzeichneter Weg führt. Dieser Teil der Klamm darf also nicht betreten werden.

Die IG Stiegen- und Wanderfreunde sieht darin ein "Beispiel für die Missachtung der eigenen Regeln durch die Nationalparkverwaltung Sächsische Schweiz", wie Arndt Noack im Namen der Interessengemeinschaft an Sächsische.de schreibt. Es sei ihm völlig unverständlich, wieso Wanderer dort eine Gefahr für die Natur darstellen sollten, ein Kamerateam aber nicht.

Alte Dokumentarfilm-Aufnahmen wiederverwendet

Die Nationalparkverwaltung hat eine Erklärung für die Bilder. Es handelt sich demnach nicht um aktuelle Aufnahmen, sondern um eine Szene, die schon 2010 für einen Dokumentarfilm des NDR gedreht wurde. Damals war ein spezialisierter Tierfilmer in der Sächsischen Schweiz zu Gast, der bei seiner Arbeit von einem Ranger begleitet wurde, wie Hanspeter Mayr vom Nationalpark erklärt.

Die Aufnahmen hätten per artenschutzrechtlicher Ausnahmeregelung stattgefunden, zeitlich begrenzt unter Auflagen und außerhalb der Brut- und Aufzuchtzeit der Tiere. "Derartige Aufnahmen sind Ausnahmen, die wir seither nicht mehr in Anspruch genommen haben", sagt Nationalparksprecher Mayr.

Das Wiederverwenden solcher vorhandenen Aufnahmen spare der Natur unnötige Störungen und dem Nationalpark Zeit und Geld. Damit erklärt die Nationalparkverwaltung auch die Herkunft der professionellen Tieraufnahmen in dem Video. Sie zeigen unter anderem Feuersalamander, Wanderfalken und einen Luchs. Die Bilder wurden ebenfalls vom damaligen Dreh recycelt oder - im Falle des Luchses, der in der Sächsischen Schweiz allenfalls als Durchzügler vorkommt - angekauft.

Nationalpark will Video überarbeiten

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Dennoch nimmt der Nationalpark die Kritik an und will das Video noch einmal überarbeiten. Die Szene aus dem nicht zugänglichen Teil der Kirnitzschklamm soll dann nicht mehr zu sehen sein. "Dies widerspricht unseren Grundsätzen und wir werden in einer überabeiteten Version den Ausschnitt ersetzen", sagt Sprecher Hanspeter Mayr. Auf Youtube hat sich die Nationalparkverwaltung inzwischen für die Hinweise bedankt. Auch bei Arndt Noack von den Stiegenfreunden, der eine vermeintliche Mitarbeiterin des Nationalparks zuvor in einem Kommentar mit den Worten "Saudämliche Argumentation, Frau Digitaltante" bedachte.

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