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Elbsandstein bekommt erste Waldtoilette

Am Papststein und an der Ottomühle wird für Wanderer ein stilles Örtchen gebaut. Das Pilotprojekt hilft, wenn die Not groß ist - und kommt ganz ohne Wasser aus.

Platz da für die Trockentoilette: 4,5 Tonnen wiegt der Betonkoloss, der am Papststein in die Erde kommt.
Platz da für die Trockentoilette: 4,5 Tonnen wiegt der Betonkoloss, der am Papststein in die Erde kommt. © Steffen Unger

Ausflüge in die Natur sind schön, können jedoch schnell unangenehm werden. Meistens dann, wenn die Blase oder der Darm drückt und es weit und breit keine Möglichkeit gibt, dem menschlichen Bedürfnis Erleichterung zu schaffen. In der Sächsischen Schweiz soll die Not mit der Notdurft in diesem Jahr ein Stück weit gelöst werden.

Der Sachsenforst hat dafür in zwei beliebten Wandergebieten ein Pilotprojekt gestartet. An den beiden Parkplätzen an der Ottomühle im Bielatal und am Papststein zwischen Gohrisch und Papstdorf wird je eine umweltfreundliche Waldtoilette aufgebaut.

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Wer am Papststein unterwegs ist, muss sich ab September keine Gedanken um ein stilles Örtchen machen. Gegenüber dem Wanderparkplatz wird eine Toilette gebaut.
Wer am Papststein unterwegs ist, muss sich ab September keine Gedanken um ein stilles Örtchen machen. Gegenüber dem Wanderparkplatz wird eine Toilette gebaut. © Steffen Unger

Am Papststein brachte vor wenigen Tagen ein Schwerlasttransporter samt Kran die Waldtoilette an ihren Platz - besser gesagt den Unterbau. Der Standort dafür befindet sich direkt am Fuß des Felsens, gegenüber dem großen Wanderparkplatz. Ein Picknickplatz mit Tisch und Bänken befand sich hier bislang. Sitzen soll man künftig auch wieder, aber eben auf einem Klosett - einer sogenannten Trockentrenntoilette.

Wer muss, kann nicht spülen

Deren Herzstück ist ein Basisbehälter aus Beton mit passender Bodenplatte. Damit dieser gut steht, ist Maßarbeit gefragt. Etwa 4,5 Tonnen bringt der Behälter auf die Waage, der per Kran zentimetergenau in die Baugrube gelassen wird. Darauf wird die Bodenplatte gelegt. Obendrauf wird später ein kleines Häuschen aus Lärchenholz gebaut, in dem sich die eigentliche Toilette befindet.

Außen Lärchenholz, innen eine Trockentoilette: So sollen die neuen Waldtoiletten in der Sächsischen Schweiz aussehen.
Außen Lärchenholz, innen eine Trockentoilette: So sollen die neuen Waldtoiletten in der Sächsischen Schweiz aussehen. © Sachsenforst

Wer diese benutzt, wird sich wundern. Denn mit einem klassischen WC hat die Waldtoilette kaum etwas gemein - außer der Keramikschüssel. Denn sie kommt ganz ohne Wasser aus. In der Praxis bedeutet das: Wer einmal muss, kann danach weder spülen noch sich die Hände waschen. Was ungewöhnlich und unappetitlich klingen mag, hat einen Grund. Und zwar einen ganz praktischen.

Bis zu 8.000 Toilettensitzungen

In Trockentoiletten und deren Behältern sammelt sich durch das eingesparte Wasser eine deutlich kleinere Menge an "Hinterlassenschaften" an. Im Vergleich zu einem klassischen WC könnten dadurch etwa 95 Prozent der Menge eingespart werden. Die Waldtoilette am Papststein und an der Ottomühle könne nun mindestens 8.000 Mal benutzt werden, ohne dass der Behälter ausgepumpt werden muss.

"Wir rechnen damit, die Trockentoiletten zweimal pro Jahr zu entleeren", sagt Uwe Borrmeister, Leiter des Forstbezirkes Neustadt, der die beiden Wanderparkplätze betreut. Ob das genügt, wird die Praxis zeigen. Rein rechnerisch wird der Parkplatz am Papststein pro Jahr von etwa 10.000 Autos angesteuert. Wenn man pro Gefährt mit mindestens zwei Wanderern rechnet, macht das bereits 20.000 Personen aus. Dazu kommen die Ausflügler, die den öffentlichen Nahverkehr nutzen oder zu Fuß unterwegs sind.

Interessante Zahlen gibt es auch zur menschlichen Notdurft. Etwa 50 Kilogramm Kot scheidet man durchschnittlich pro Jahr aus. Wer es noch genauer will, kommt pro Tag auf 1,5 Liter Urin und etwa 140 Gramm Kot. So viel zur nüchternen Statistik. Zurück zur Praxis.

Die neuen Waldtoiletten in der Sächsischen Schweiz verzichten zwar auf Wasser, unangenehme Gerüche müssen Wanderer dennoch nicht fürchten. Das verspricht die zuständige Baufirma Holzapfel und Konsorten mit Sitz in Weimar, die die Trockentrenntoiletten liefert. Andernfalls würden lästige Insekten angelockt, die sich in der Waldtoilette einnisten.

Entlüftung hilft gegen Insekten

Um das zu verhindern, wird die Toilette ununterbrochen entlüftet. Schlechte Luft wird per stetigem und feinem Sog in die Schüssel und den Behälter abgeleitet. Das funktioniert automatisch. Der Strom für die Entlüftung wird mit einer eigenen Photovoltaikanlage auf dem Häuschendach oder über einen Anschluss ans Stromnetz bereitgestellt. Welche Variante am Papststein und an der Ottomühle zum Einsatz kommt, steht noch nicht fest. Und wenn bei der Benutzung durch menschliches Fehlverhalten doch mal etwas daneben geht oder gar in der Schüssel "hängen" bleibt? Dann gibt es in den Waldtoiletten eine übliche Toilettenbürste, die in einem Wasserbehälter steht.

Das Bielatal gehört zu den beliebtesten Wanderregionen in der Sächsischen Schweiz. Auf dem Parkplatz an der Ottomühle können Wanderer noch in dieser Saison ihre Notdurft verrichten - und müssen dafür nicht mehr in den Wald.
Das Bielatal gehört zu den beliebtesten Wanderregionen in der Sächsischen Schweiz. Auf dem Parkplatz an der Ottomühle können Wanderer noch in dieser Saison ihre Notdurft verrichten - und müssen dafür nicht mehr in den Wald. © Steffen Unger

Noch in dieser Wandersaison sollen die Waldtoiletten freigegeben werden. "Voraussichtlich Anfang September", sagt Uwe Borrmeister. Der Sachsenforst investiert rund 15.000 Euro in jedes stille Örtchen. Bei den beiden Pilotstandorten soll es perspektivisch nicht bleiben. Am Papststein und der Ottomühle wird getestet, ob angesichts des hohen Besucheraufkommens Verschmutzungen der umliegenden Naturflächen vermeidet werden können. Wenn dem so ist, könnten weitere Waldtoiletten folgen. Das System ist deutschlandweit bereits im Einsatz, unter anderem im Nationalpark Hainich in Thüringen.

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