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Wächst hier der größte Eiszapfen der Sächsischen Schweiz?

In der Gautschgrotte bei Hohnstein bahnt sich ein seltenes Naturschauspiel an. In der Vergangenheit lockte die Eissäule schon wagemutige Kletterer.

Gautschgrotte bei Hohnstein: Nur alle paar Jahre entsteht eine durchgehende Eissäule zwischen Überhang und Boden.
Gautschgrotte bei Hohnstein: Nur alle paar Jahre entsteht eine durchgehende Eissäule zwischen Überhang und Boden. © Mike Jäger

Wer den hoch über dem Polenztal gelegenen Halbenweg entlangwandert, kann die Gautschgrotte nicht verfehlen. Früher "Kaltes Loch" genannt, wurde der Platz nahe Hohnstein um 1881 nach dem Dresdner Heimatforschers Carl Friedrich Constantin Gautsch benannt.

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Es ist eine urwüchsige Szenerie: Überhängende Felswände und durch Wasser ausgespülter Sandstein bildeten einen imposanten Felskessel. In dessen Mitte plätschert und gluckst Wasser herab. Manchmal bildet sich regelrecht ein Wasserfall. In außergewöhnlich frostigen Wintern kann es passieren, dass dieser zu einer 22 Meter hohen Eissäule erstarrt. Das letzte Mal konnte im Winter 2012 das interessante Naturschauspiel beobachtet werden.

Auch die Bergsteiger waren auf die spektakulärste Eisklettermöglichkeit der Sächsischen Schweiz aufmerksam geworden. Um die Vereisung zu begünstigen, hatten sie Seile in die überhängende Wand gehängt, an denen das Wasser dann entlang laufen konnte, gefror und langsam zusammenwuchs, in der Art, wie sich Stalaktiten und Stalagmiten verbinden.

Der gewaltige Eiszapfen in der Gautschgrotte wurde im Winter 1986/87 zum ersten Mal erklettert. Mit der mangelhaften Ausrüstung damals war dies eine große Leistung. Aber einem älteren Herrn aus Hohnstein gefiel die Aktion gar nicht: »Seit 40 Jahren steht endlich mal wieder diese Säule, und dann kommen so ein paar Idioten und hacken sie kaputt!«, schalt er entrüstet.

In dem außergewöhnlichen Winter war der Zapfen in der Gautschgrotte eine mächtige Eissäule mit sechs Metern Durchmesser an der Peripherie. Das Eisklettern wurde damals nur von wenigen betrieben und das abgeschlagene Eis, weswegen die Kletterer kritisiert worden waren, wuchs über Nacht schnell wieder nach.

1997, als wieder ein dünner Zapfen bis zum Boden reichte, war es nur für ganz Unerschrockene bei erheblichem Risiko möglich, daran hochzusteigen. Die Ausrüstung hatte sich zwar verbessert, aber das Eis war in der Mitte lediglich armstark und nur das alte Kletterseil im Inneren der fragilen Säule wirke zur Stabilisierung.

Ob Kletterer die dritte Chance im Februar 2012 genutzt hatten, um die Eissäule zu erstiegen, ist nicht bekannt. Immerhin war da die Säule kompakt gewachsen und stabil.

Die Wetteraussichten in diesem Winter lassen hoffen, dass die eindrucksvolle Eissäule in der Gautschgrotte wieder entstehen könnte. Strenger Frost ist vorhergesagt, das Naturphänomen aus glashartem, weißblau-grün-glitzerndem Eis zum Erstarren zu bringen.

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