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Forststeig: Zum Saisonstart gibt's neue Designerhütten

Architekturstudenten haben außergewöhnliche Übernachtungsplätze im Wald entworfen. Wegen Corona verzögerte sich der Bau. Jetzt geht es los.

Von Katarina Gust
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Erinnert an einen Kokon: Der Entwurf von Leonard Faust wird etwas abgewandelt am "Zehrborn-Biwak" aufgebaut.
Erinnert an einen Kokon: Der Entwurf von Leonard Faust wird etwas abgewandelt am "Zehrborn-Biwak" aufgebaut. © Leonard Faust

Wer ausgefallene Übernachtungsmöglichkeiten sucht, wird in der Sächsischen Schweiz fündig. Ob in einer ausrangierten Antonov in Altendorf, in einem umfunktionierten Abwasserrohr oder Strandkorb in Königstein - die Auswahl an ungewöhnlichen Schlafplätzen ist groß. Dieses Jahr bekommt die Liste Zuwachs.

Dafür sorgen Studenten der Technischen Universität Dresden. Sie haben für den Forststeig Elbsandstein zwei neue Schutzhütten entworfen, in denen Wanderer übernachten können. Das Projekt begann bereits Ende 2020. Über das Wintersemester beschäftigten sich die Studenten an der Professur für Gebäudelehre mit dem Trekkingpfad, der auf rund 110 Kilometern durch die Sächsische und Böhmische Schweiz führt.

Unterwegs können Wanderer bereits an sechs Biwakplätzen zelten und in fünf Trekkinghütten nächtigen. Ein Angebot, das sich seit der Eröffnung des Forststeiges 2018 immer größerer Beliebtheit erfreut. Der Sachsenforst, der den Trekkingpfad initiiert hat und seitdem betreut, hat deshalb nach neuen Ideen für Waldübernachtungen gesucht.

Jury wählt aus 13 Entwürfen zwei Sieger aus

Um diese zu finden, wurde ein Wettbewerb unter den Dresdner Architekturstudenten gestartet. Sie sollten Übernachtungsplätze entwerfen, die aus natürlichen Materialien gebaut, wetterfest, transportabel und so klein wie möglich sind. Insgesamt vier Personen sollen darin Schutz finden, wenn das Wetter umschlägt und auch schlafen können.

Im Rahmen des Wettbewerbs wurden insgesamt 13 Entwürfe vorgelegt, aus denen eine Jury die besten zwei Vorschläge auswählte. Der Siegerentwurf von Studentin Luise Schuhmann ähnelt einer überdimensionalen "Futterkrippe". Unter deren Dach befindet sich ein Schlafboden, der Platz für vier Personen bietet. Ebenerdig gibt es eine lange Tafel, an der Wanderer Platz nehmen und picknicken können.

Auf Platz zwei landeten die beiden Entwürfe von Leonard Faust und Julia Hottenbacher. Ihre Schutzhütten erinnern an Kokons, die auf Stelzen stehen. Für den Forststein soll eine Mischung aus beiden Ideen entstehen.

Am "Zehrborn-Biwak" im hinteren Bielatal können Wanderer bisher nur zelten. Zum Saisonstart soll hier eine Schutzhütte stehen, in der bis zu vier Personen übernachten können.
Am "Zehrborn-Biwak" im hinteren Bielatal können Wanderer bisher nur zelten. Zum Saisonstart soll hier eine Schutzhütte stehen, in der bis zu vier Personen übernachten können. © Uwe Borrmeister/Sachsenforst
Geplant ist im Bielatal eine Hütte, die wie ein Kokon aussehen soll. Der Entwurf von Leonard Faust wird dafür als Grundlage genommen.
Geplant ist im Bielatal eine Hütte, die wie ein Kokon aussehen soll. Der Entwurf von Leonard Faust wird dafür als Grundlage genommen. © Leonard Faust
Genauso wie der Entwurf von Julia Hottenbacher, die sich in ihrem Entwurf ebenfalls an einem Kokon auf Stelzen orientiert.
Genauso wie der Entwurf von Julia Hottenbacher, die sich in ihrem Entwurf ebenfalls an einem Kokon auf Stelzen orientiert. © Julia Hottenbacher
An eine "Futterkrippe" erinnert der Entwurf von Luise Schuhmann.
An eine "Futterkrippe" erinnert der Entwurf von Luise Schuhmann. © Luise Schuhmann
Diese Schutzhütte, die zugleich Picknickplatz und Schlafboden ist, wird am "Quirl-Biwak" südlich von Pfaffendorf errichtet.
Diese Schutzhütte, die zugleich Picknickplatz und Schlafboden ist, wird am "Quirl-Biwak" südlich von Pfaffendorf errichtet. © Luise Schuhmann

"Zum diesjährigen Saisonstart sollen die Schutzhütten am Forststeig aufgebaut werden", kündigt Uwe Borrmeister, Leiter des Forstbezirkes Neustadt. Die "Futterkrippe" wird am Quirl-Biwak südlich von Pfaffendorf stehen. Der "Kokon" ist für das Zehrborn-Biwak im hinteren Bielatal unterhalb der Grenzplatte gedacht.

Geplant war der Aufbau der Schutzhütten ursprünglich schon im vergangenen Jahr. Von April bis September - also im Sommersemester - sollten Werksentwürfe erstellt werden, die die Grundlage für den späteren Bau sind. Dieser Schritt fiel jedoch aufgrund der Corona-Pandemie flach. Das Sommersemester fand für die Architekturstudenten ausschließlich online statt, Präsenzkurse gab es nicht und damit auch keine Werksentwürfe.

In diesem Winter soll das Projekt nun nachgeholt werden. Eine Gruppe neuer Studenten wird die Entwürfe weiterentwickeln und anpassen. "Im März soll dann der Bau erfolgen", kündigt Uwe Borrmeister an. Zehn Studenten und mehrere Lehrlinge des Sachsenforsts sollen sich zwei Wochen lang zusammentun und in den Lehrwerkstätten des Forstbezirkes aus den Entwürfen richtige Schutzhütten machen. Diese sollen anschließend zu den Biwaks am Zehrborn und Quirl transportiert und montiert werden.

Geht der Zeitplan auf, können die neuen Übernachtungsplätze bereits zum Saisonstart in Beschlag genommen werden. Am 2. April soll die fünfte Wandersaison am Forststeig beginnen. Zuvor, am 19. März, ist ein Aktionstag geplant, an dem Freiwillige den Forststeig in Ordnung bringen, Markierungen aufstellen und Wege freischneiden. Bis dahin herrscht Winterruhe auf dem Trekkingpfad.