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Designerhütten für den Forststeig

TU-Studenten haben Schutzhütten für die Trekkingroute im Elbsandstein entworfen. Zwei der teils ausgefallenen Ideen werden noch dieses Jahr verwirklicht.

Wandern und Übernachten am Forststeig Elbsandstein. In einem "Kokon" wie diesem soll das bald möglich sein.
Wandern und Übernachten am Forststeig Elbsandstein. In einem "Kokon" wie diesem soll das bald möglich sein. © Fotomontage SZ: Privat/Julia Hottenbacher

Der Forststeig Elbsandstein bekommt Zuwachs. An der rund 110 Kilometer langen Trekkingroute, die durch die Sächsische und Böhmische Schweiz führt, sollen noch in diesem Jahr zwei neue Schutzhütten gebaut werden. Darin können bis zu vier Wanderer übernachten, die mehrere Tage auf dem Forststeig unterwegs sind.

Auf dem abgelegenen Pfad, der sich abseits von Dörfern und Straßen durch die Natur schlängelt, kann bislang in fünf Trekkinghütten schlafen oder auf sechs Biwakplätzen in einem eigenen Zelt campieren. Die Zahl dieser Übernachtungsplätze will der Sachsenforst, der den Forststeig betreut, weiter erhöhen.

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Bei diesem Projekt haben sich die Forstexperten Hilfe geholt - von Studenten der Professur für Gebäudelehre der Technischen Universität Dresden. Insgesamt 13 angehende Architekten haben sich im vergangenen Wintersemester mit dem Thema beschäftigt und Entwürfe erarbeitet. Die Maßgabe an sie: Die Schutzhütten sollen aus natürlichen Materialien gebaut, wetterfest, transportabel und so klein wie möglich sein. Außerdem sollten vier Wanderer darin übernachten können.

Jury siebt aus 13 Entwürfen aus

Bereits im März hatten die Studenten ihre Ideen in einer mehrstündigen Videokonferenz vorgestellt und die Fragen der achtköpfigen Expertenjury beantwortet. Nun kam das Preisgericht erneut zusammen - dieses Mal ohne die Studenten. Insgesamt vier Stunden lang wurde darüber diskutiert, welche der 13 Entwürfe das größte Potenzial haben. Denn die besten zwei Ideen sollen am Forststeig tatsächlich als Schutzhütte aufgebaut werden.

In einer ersten Runde suchte die Jury neun Entwürfe aus, die eine zweite Chance bekommen sollten. Von vier Ideen verabschiedete man sich, darunter einem etwa zehn Meter hohen Turm mit Schlafboxen auf unterschiedlichen Ebenen. Bei einem Bau dieser Größe kamen den Forstexperten nicht nur im Hinblick auf die Sicherheit Zweifel. Auch die Standsicherheit und Unterhaltung bringe Probleme mit sich. Aussortiert wurde auch der Entwurf einer quadratischen Schutzhütte, die im Inneren mit Etagenbetten und einem höhenverstellbaren Tisch an Seilen ausgestattet ist. Hier bemängelte die Jury die wenige Kreativität und fehlende Funktionalität.

In der zweiten Runde wurden weitere Entwürfe abgewählt. Darunter die Idee einer nachhaltig wachsenden Hütte. Dieser Vorschlag sah eine Hütte auf Stelzen vor, um die junge Bäume gepflanzt werden. Die Stämme und Äste sollen später - wenn sie stark genug sind - die Hütte als Konstruktion tragen bzw. gleich selbst bilden. Ein Haus aus Bäumen sozusagen. Den Nachhaltigkeits-Gedanken fand die Jury einzigartig und lobte ihn heraus. Dennoch schaffte es der Entwurf nicht bis ins Finale.

"Futterkrippe" überzeugt mit Funktionalität

In der letzten Runde blieben noch fünf Entwürfe übrig, aus denen die Jury die zwei besten küren sollte. Wer das Rennen machte, zeichnete sich schnell und deutlich ab. Auf Platz eins landet die überdimensionale "Futterkrippe" von Luise Schuhmann. Unter deren Dach befindet sich ein Schlafboden mit Platz für vier Personen sowie Stauraum für deren Rucksäcke und Gepäck. Über Leitern kommt man in diese obere Etage. Herzstück der "Futterkrippe" ist eine rund 3,50 Meter lange Tafel, an der Wanderer Platz nehmen und picknicken können. Dieser Bau, der Geselligkeit und Funktionalität vereint, überzeugte die Jury ausnahmslos. "Diese Hütte kann man gleich so hinstellen, ohne Änderungen am Entwurf", sagte Franziska Käuferle von der Professur für Gebäudelehre und Entwerfen. Einzig sei noch u klären, ob der Schlafbereich einen Rausfallschutz braucht. Sicherheit geht eben vor.

Den zweiten Platz teilen sich gleich zwei Entwürfe, der von Leonard Faust und Julia Hottenbacher. Der Grund: Beide Ideen ähneln sich. Beide stellen sich im Wald eine Art Kokon auf Stelzen vor. Eine Mischung aus beiden soll am Forststeig aufgestellt werden.

Das sind die Sieger-Entwürfe

Platz 1: Luise Schuhmann nahm für ihrem Entwurf eine "Futterkrippe" als Vorbild und kombiniert Geselligkeit mit Funktionalität.
Platz 1: Luise Schuhmann nahm für ihrem Entwurf eine "Futterkrippe" als Vorbild und kombiniert Geselligkeit mit Funktionalität. © Luise Schuhmann
Platz 1: Herzstück der überdimensionalen "Futterkrippe" ist eine rund 3,50 Meter lange Tafel zum Picknicken, über Leitern geht es auf den Schlafboden, auf dem vier Personen Platz haben.
Platz 1: Herzstück der überdimensionalen "Futterkrippe" ist eine rund 3,50 Meter lange Tafel zum Picknicken, über Leitern geht es auf den Schlafboden, auf dem vier Personen Platz haben. © Luise Schuhmann
Platz 2: Leonard Faust stellt sich seine Schutzhütte als aufgeständerten Kokon vor. Die vier dreieckigen Seitenflächen lassen sich wie bei einer Blüte öffnen.
Platz 2: Leonard Faust stellt sich seine Schutzhütte als aufgeständerten Kokon vor. Die vier dreieckigen Seitenflächen lassen sich wie bei einer Blüte öffnen. © Leonard Faust
Platz 2: Unter den Klappen können Wanderer regensicher sitzen oder Hängematten aufspannen. In dem Tetraeder gibt es zwei Ebenen: eine zum Sitzen, eine zum Schlafen.
Platz 2: Unter den Klappen können Wanderer regensicher sitzen oder Hängematten aufspannen. In dem Tetraeder gibt es zwei Ebenen: eine zum Sitzen, eine zum Schlafen. © Leonard Faust
Und nochmal Platz 2: Julia Hottenbacher hat ein Tetraeder als Schutzhütte entworfen. In deren Bauch gibt es drei Schlafplätze. Zusätzlich können Hängematten befestigt werden.
Und nochmal Platz 2: Julia Hottenbacher hat ein Tetraeder als Schutzhütte entworfen. In deren Bauch gibt es drei Schlafplätze. Zusätzlich können Hängematten befestigt werden. © Julia Hottenbacher
Und nochmal Platz 2: Per Leiter können Wanderer zu einer Luke in der Spitze steigen und den Ausblick genießen.
Und nochmal Platz 2: Per Leiter können Wanderer zu einer Luke in der Spitze steigen und den Ausblick genießen. © Julia Hottenbacher

Wo "Futterkrippe" und "Kokon" aufgebaut werden, steht bereits fest. Die Designerhütten sollen am "Quirl-Biwak" südlich von Pfaffendorf sowie am "Zehrborn-Biwak" im hinteren Bielatal unterhalb der Grenzplatte realisiert werden. Bei den Details haben nun die zuständigen Revierförster ein Wörtchen mitzureden. Denn sie kennen das Gebiet am besten und wissen, welche Konstruktion wo am besten geeignet ist.

"Wir sind froh über die Zusammenarbeit mit der TU Dresden", sagt Uwe Borrmeister, Leiter des Forstbezirkes Neustadt. Bereits 2015 hatten beide Partner einen Wettbewerb gestartet. Ein Jahr später wurden die ersten beiden Schutzhütten am Forststeig gebaut. Nun könne das Erfolgsprojekt weiter gehen. Voraussichtlich im September könnten die Entwürfe fertig nachgebaut und an ihren finalen Platz transportiert werden.

Einmalige Chance für Studenten

Dafür ist nun eine neue Gruppe von Studenten der Dresdner Universität zuständig. Sie werden in enger Absprache mit dem Forst die Entwürfe bei Bedarf noch anpassen und so umsetzen, dass sie die Ansprüche genau erfüllen. "Für unsere Studierenden ist das eine einmalige Chance", sagt Franziska Käuferle. Bei vielen Projekten würden die Entwürfe auf dem Papier bleiben, hier werden sie in die Realität umgesetzt. Ob die Hütten angenommen werden, entscheiden am Ende die Wanderer

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