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Pirna

Hoffnung auf viele Uhus im Nationalpark

In der Sächsischen Schweiz sind dieses Jahr viele Jungtiere geschlüpft. Bei den Wanderfalken sieht es hingegen schlecht aus. Eine Zwischenbilanz der Vogelbrut.

Uhu-Junge an einem Felsen: Der Artenschutzexperte in Nationalpark hofft, dass alle geschlüpften Tiere auch ausfliegen.
Uhu-Junge an einem Felsen: Der Artenschutzexperte in Nationalpark hofft, dass alle geschlüpften Tiere auch ausfliegen. © Mike Jäger

Zu Beginn des Sommers kann die Nationalparkverwaltung in der Sächsischen Schweiz einen ersten Überblick über die Bruterfolge der Vögel in dem Naturschutzgebiet geben. Besonders der Uhu, der Schwarzstorch und der Wanderfalke stehen im Elbsandsteingebirge im Fokus. Ulrich Augst, der Artenschutz-Experte der Nationalparkverwaltung, gibt einen Überblick.

Beim Uhu, der größten Eulenart, konnten in diesem Jahr in der Nationalparkregion Sächsische Schweiz zwölf besetzte Reviere feststellt werden - so viele wie seit langem nicht. „Das ist ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren“, sagt Vogelexperte Augst. Sechs dieser Reviere befanden sich im vorderen Teil des Nationalparks um Lohmen, Wehlen, Rathen und Hohnstein, vier im hinteren Teil um das Kirnitzschtal und zwei weitere im angrenzenden Landschaftsschutzgebiet.

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In acht dieser Reviere konnte Ulrich Augst die Uhu-Weibchen aus sicherer Entfernung mit dem Fernglas bei der Brut beobachtet. Drei Uhu-Paare haben ihren Nachwuchs leider aufgegeben. In den übrigen Nestern sitzen allerdings insgesamt mindestens acht Jungvögel. „Wenn diese alle ausfliegen, gibt es eine solche Menge junger Uhus wie letztmalig 1984“, sagt Augst.

Sorge um den Wanderfalken

Deutlich negativer fällt die Bilanz bei den seltenen Wanderfalken aus. Im Frühjahr 2020 hatten erstmals seit mehreren Jahren wieder etwas mehr Wanderfalken die Sächsische Schweiz zur Brut ausgewählt. Diese Zeit fiel damals mit dem ersten Corona-Lockdown zusammen, in dem deutlich weniger Menschen im Elbsandsteingebirge unterwegs waren. Umso größer war die Hoffnung auf eine Erholung des Bestands.

„Dieser positive Trend setzte sich leider in diesem Jahr nicht fort“, sagt Ulrich Augst. Der aktuelle Bestand der Wanderfalken hat sich wieder um ein Paar auf nun 13 verringert. Zwölf der 13 Wanderfalken-Paare hatten Eier gelegt. Acht Bruten − also deutlich mehr als die Hälfte − wurden aber leider bereits aufgegeben.

Junge Wanderfalken: Ihre Zahl ging in diesem Frühjahr in der Sächsischen Schweiz erneut zurück.
Junge Wanderfalken: Ihre Zahl ging in diesem Frühjahr in der Sächsischen Schweiz erneut zurück. © Mike Jäger

Auf der linkselbischen Seite im Landschaftsschutzgebiet sitzen aktuell nur an einem von zwei Plätzen zwei fast flügge Jungvögel im Nest. „Was an den verbleibenden Nestern noch passieren kann, bleibt ungewiss“, erklärt Augst. Die pfeilschnellen Jäger bevorzugen die frei stehenden Felswände in der Sächsischen Schweiz zur Brut. Jedes Jahr werden deshalb eine ganze Reihe von Klettergipfeln zu Horstschutzzonen erklärt. Sie dürfen dann von Bergsteigern nicht begangen werden, um die Vögel nicht zu stören.

„Unser Wanderfalken-Bestand hat leider erneut einen Tiefstand bei den Jungvogelzahlen zu verzeichnen“, sagt Ulrich Augst. Die Ursachen bleiben zunächst unbekannt. Nachdem die Tiere Anfang der 1970er-Jahre in der Sächsischen Schweiz ausgestorben waren, wurden sie Anfang der 1990er-Jahre im Nationalpark erfolgreich wieder angesiedelt. Seit 2009 konnten Ulrich Augst und seine Kollegen durchgängig zwischen 17 und 20 Brutpaare in der Sächsischen Schweiz zählen. Seit 2016 geht die Zahl der ausfliegenden Jungvögel jedoch zurück.

Scheuer Schwarzstorch

Für einen anderen gefiederten Waldbewohner sind die Monitoring-Ergebnisse hingegen bislang nicht eindeutig: den Schwarzstorch. „Schwarzstörche sind aufgrund ihrer Scheu auch für Artenschützer die am schwierigsten zu beobachtenden Brutvögel im Nationalpark, ohne die Brut zu stören“, erläutert Augst.

So konnten zwar in einem der Nester drei junge Schwarzstörche sicher erkannt werden. In einem zweiten Nest ist zurzeit jedoch noch nicht klar, ob die Elterntiere dort noch brüten, oder ob sie schon kleine Jungvögel unter ihren Flügeln verstecken.

Schwarzspecht profitiert von Borkenkäfern

Während die Borkenkäferplage und ihre Folgen in der Sächsischen Schweiz für viele Diskussionen sorgt, gibt es auch einen Gewinner dieser Entwicklung. Es ist der Schwarzspecht, der unter anderem Borkenkäfer zu seinem Nahrungsspektrum zählt.

Bei der Kontrolle der über 600 bekannten Schwarzspecht-Höhlenbäume im Nationalpark wurden 62 Höhlen vom Schwarzspecht bewohnt vorgefunden. "Das sind abermals fünf mehr als im Vorjahr", sagt Augst. Im Vergleich zum Beginn der regelmäßigen Überprüfung vor vier Jahren hat sich die Anzahl der Schwarzspechte sogar nahezu verdoppelt. Darüber hinaus konnten die Artenschützer des Nationalparks auch 13 Bruten des Rauhfußkauzes feststellen.

Appell an Einhaltung der Schutzzonen

Die Vogelbrut und die Aufzuchtzeit der Wildtiere ist im Nationalpark Sächsische Schweiz noch bis um 15. August gesetzlich geschützt. Während dieser für die Tiere sensiblen Phase dürfen keine größeren Waldarbeiten im Nationalpark erfolgen, das gilt auch für das Umsägen von abgestorbenen Bäumen entlang der von Totholz versperrten Wanderwege.

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Auch die ausgewiesenen Horstschutzzonen sollten unbedingt beachtet werden, appelliert die Nationalparkverwaltung. Manche der Horstplätze im Landschaftsschutzgebiet werden sogar ehrenamtlich von Kletterern bewacht. Umso wichtiger sei es, dass die dort angebrachten Schilder an Ort und Stelle bleiben und nicht verdreht werden. „Das Überleben dieser Tierarten in der Sächsischen Schweiz steht auf dem Spiel“, sagt Ulrich Augst. (SZ)

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