merken
PLUS Sebnitz

Farbe bekennen beim Händewaschen

Fehlende Handhygiene ist nicht nur im Klinik-Alltag ein Risiko, wie Corona zeigt. Ein Start-up und die Klinik Sebnitz tun etwas dagegen.

Robert Hellmundt (li.) und Alexander Döpel (Mitte) demonstrieren ihre Erfindung.
Robert Hellmundt (li.) und Alexander Döpel (Mitte) demonstrieren ihre Erfindung. © Steffen Unger

Sie bezeichnen sich selbst als Kultur- und Kreativpiloten,  Alexander Döpel und Robert Hellmundt, die beiden Gründer des Start-ups Heyfair aus Jena. Mit ihrer Entwicklung  Soapi Coach, zu Deutsch Seifen-Trainer, gehen sie eines der größten Probleme des Gesundheitssystems an: die Handhygiene. Patienten stecken sich mit gefährlichen Keimen an, die übertragen werden vom Klinikpersonal, anderen Patienten und Besuchern. Der Grund ist, sie haben sich die Hände nicht richtig desinfiziert. 

Da Handhygiene den Kliniken enorm wichtig ist, haben die drei sächsischen Asklepios-Kliniken in Radeberg, Hohwald und Sebnitz mit dem jungen Unternehmen einen Kooperationsvertrag geschlossen. Jetzt wurde die Zusammenarbeit und die Soapi-Coach-Trainingsmethode in der Sächsische Schweiz Klinik in Sebnitz erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. 

njumii – Das Bildungszentrum des Handwerks
Erfolg ist mein Ziel. Wissen mein Weg.
Erfolg ist mein Ziel. Wissen mein Weg.

njumii ist der Ausgangsort für individuelle Karrieren. Im Handwerk. Im Betrieb. Im Mittelstand. In der Selbstständigkeit.

Die Methode ist recht einfach: Mit einem Produkt können die Heyfair-Leute Defizite beim Händewaschen sichtbar machen. Soapi Coach ist eine spezielle Handcreme. Sie macht das Entfernen von Keimen beim Händewaschen sichtbar und zeigt durch lila Färbung, wo immer noch Keime verbleiben würden. So werden mögliche Fehler beim Händewaschen sichtbar gemacht. Durch die Technik des Einfärbens der Hände beim Waschen und Desinfizieren werden zwar keine Keime, Bakterien oder Viren sichtbar. Dafür aber gereinigte und ungereinigte Stellen. 

Und das funktioniert so: 

  • Erster Schritt: Die Hände mit der violetten Creme einfärben, also wie beim Waschen mit Seife. Alle Stellen müssen bedeckt sein.

  • Zweiter Schritt: Die Hände mit Seife waschen.

  • Dritter Schritt:  Die Hände prüfen. Farbrückstände zeigen, wo noch Keime sind.

Beim Thema Hygiene spielt den Gründern Corona sprichwörtlich in die Hände. "Kontaktbeschränkungen und umfassende Hygienemaßnahmen gehören nicht nur für uns im Klinikbetrieb zu den gültigen Standards. Denn richtiges Händewaschen ist unter anderem unerlässlich, um sich wirksam vor Infektionskrankheiten wie Corona zu schützen", sagt Klinik-Geschäftsführerin Tina Winkler. 

Bis zu 90 Prozent aller Erreger werden über die Hände von Mensch zu Mensch übertragen. Die hygienische Händedesinfektion gilt darum als unerlässlicher Baustein beim Schutz vor Infektionen – wenn sie denn gelingt. Unter Anwendung konventioneller Desinfektionsmittel wird das Händewaschen  zu oft fehlerhaft durchgeführt, zum Beispiel weil nicht alle Hautpartien benetzt werden können oder zu wenig Desinfektionsmittel verwendet wird. 

Der Test: Zuerst die gewaschenen Hände eincremen.
Der Test: Zuerst die gewaschenen Hände eincremen. © Steffen Unger

Für ihr Start-up haben die beiden Gründer einige Studien durchgeführt und Statistiken analysiert. Demnach steht fest: Jeder vierte Mensch in Deutschland wäscht sich die Hände ohne Seife, jeder fünfte schäumt sich die Hände unter fließenden Wasser ein. Damit ist die Seife gleich wieder weg. Und nur jeder fünfte wäscht sich die Hände 20 Sekunden lang.  Die Folge: Keime werden weitergegeben und Menschen werden krank.

Kurse auch in Schulen

Danach werden sie mit Seife und Wasser abgespült. Bleiben Cremeflecken, dann noch mal ab zum Händewaschen.
Danach werden sie mit Seife und Wasser abgespült. Bleiben Cremeflecken, dann noch mal ab zum Händewaschen. © Steffen Unger

Soapi Coach muss nun nicht jeden Tag angewendet werden. Denn, wie der Name schon sagt, es ist eine Trainingsmethode. Sie richtet sich an alle Berufsgruppen, die im Gesundheitswesen tätig sind. Weitere Kranken- und Pflegeeinrichtungen planen bereits die kontinuierliche Schulung von Mitarbeitern, Patienten und Besuchern mit dieser Methode. Außerdem haben schon  Bildungseinrichtungen, die Lebensmittelindustrie und Reedereien ihr Interesse bekundet. Ein erster Kurs für Sebnitzer Schüler findet  übernächste Woche an der Grundschule Schandauer Straße in Sebnitz statt.

Der Asklepios-Konzern bietet an, alle Sebnitzer Grundschulen kostenfrei im Umgang mit Handhygiene zu schulen. Dazu gehen Klinik-Mitarbeiter in die Einrichtungen. Bei Bedarf können sich dafür weitere Schulen oder auch Kindertagesstätten in der Sebnitzer Klinik anmelden.

Mehr Nachrichten aus Sebnitz lesen Sie hier.

Den täglichen kostenlosen Newsletter können Sie hier bestellen. 

Mehr zum Thema Sebnitz