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Sturzflut zerstört den Lichtenhainer Wasserfall

Nur noch als kleines Rinnsal plätschert der sonst spektakuläre Wasserfall in die Tiefe. Gastwirtin Elisabeth König wirbt für den Wiederaufbau und hat einen Rettungsplan.

Elisabeth König, Gastwirtin vom Lichtenhainer Wasserfall hat wieder eine Idee - dieses Mal für den Wiederaufbau der zerstörten Stauanlage.
Elisabeth König, Gastwirtin vom Lichtenhainer Wasserfall hat wieder eine Idee - dieses Mal für den Wiederaufbau der zerstörten Stauanlage. © Steffen Unger

Bis auf Weiteres wird die Stauanlage am Lichtenhainer Wasserfall nicht gezogen werden - steht auf einer kleinen hölzernen Tafel daneben geschrieben. Grund ist das Unwetter was am 17. Juli 2021 auch das Kirnitzschtal getroffen hat. Dieses Mal so hart, das die komplette Stauanlage am Lichtenhainer Wasserfall zerstört wurde. Sie ist einfach weg. Stattdessen klafft dort ein Loch und daneben plätschert der Lichtenhainer Dorfbach hinab. "Auch schön, aber irgendwie anders. Etwas fehlt hier." Worte die Gastwirtin Elisabeth König seitdem häufig hört von Touristen, die die Anlage noch vor ihrer Zerstörung kennen.

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In den letzten Wochen habe sie viel Zuspruch erfahren, aber auch Bedauern bemerkt. "Es kommen tatsächlich viele Gäste wegen des Wasserfalls zu uns, weil sie so etwas noch nicht gesehen haben. Und wer nichts von dem Unwetter gehört hat, weiß nicht, dass er zerstört wurde. Deshalb sind eben auch viele traurig", sagt Elisabeth König. Lange überlegen musste sie nicht. Schon am Tag nach dem Unwetter als sie den Schaden begutachtet hatte, stand für sie fest: "Die Stauanlage wird wieder so aufgebaut. Unser Planer sitzt schon darüber", sagt sie. Ob er nun ganz genauso aussehen wird, steht noch nicht fest. Auf jeden Falls soll er aber wieder gezogen werden können.

Schließlich gibt es den Wasserfall schon lange. 1812 wurde er erstmals erwähnt. Offenbar war er den Leuten damals nicht gewaltig genug. Jedenfalls wurde 1830 der Bach mit einem aufziehbaren Wehr angestaut. Ein Lichtenhainer Bürger bekam das Amt des Wasserfallziehers, der in der Rindenhütte daneben einen Ausschank unterhielt und gegen ein Trinkgeld die Stauanlage für einige Minuten öffnete. So ist es in der Chronik des Lichtenhainer Wasserfalls nachzulesen. Wie auch in einer Broschüre. Die hat Elisabeth König aus Anlass des 120-jährigen Jubiläums in Auftrag gegeben. Immerhin befindet sich die Gaststätte seit vier Generationen in Familienbesitz. Die Feier zur Geschäftsübernahme ihres Ururgroßvaters fand am 5. Juni 1901 statt. 120 Jahre Familientradition konnten dieses Jahr nicht gefeiert werden. Als Dankeschön an Wegbegleiter und treue Gäste war die Broschüre gedacht. Jetzt erfüllt sie noch einen ganz anderen Zweck.

Dieses Foto entstand im März 2021. Wenn die Stauanlage oberhalb gezogen wird, stürzt das Wasser über die Felsen hinab. Genau dieser Teil ist zerstört.
Dieses Foto entstand im März 2021. Wenn die Stauanlage oberhalb gezogen wird, stürzt das Wasser über die Felsen hinab. Genau dieser Teil ist zerstört. © Marko Förster

Was bei der Frauenkirche klappt, geht auch im Kirnitzschtal

Elisabeth König ist bekannt für ihre Ideen. Klar das ihr auch jetzt wieder etwas eingefallen ist, und zwar zur Rettung des Wasserfalls. "Ich habe mit dem Verleger der Broschüre gesprochen und wir haben das so geregelt, dass ich sie hier verkaufe. Der Erlös wird für den Wiederaufbau genutzt", sagt sie. Und das ist noch nicht alles. Für fünf Euro gibt es jetzt hübsch mit einer Urkunde verpackt, einen Stein vom zerstörten Wasserfall. Bei der Frauenkirche habe das funktioniert, warum nicht auch im Kirnitzschtal. Das Geld von den verkauften Souvenir-Steinen kommt ebenfalls dem Wiederaufbau zugute. Und dann sind ja auch die Spenden. Ihrem Aufruf sind inzwischen schon einige gefolgt, Gäste, Bekannte aber auch fremde Leute. "Ich freue mich natürlich über so viel Resonanz", sagt sie. 8.000 Euro sind so schon zusammengekommen. Und dann gibt es noch Zuschüsse vom Freistaat aus dem Hochwasser-Wiederaufbauprogramm. Wie viel sie bekommen wird, weiß sie aber noch nicht.

Etwa 250.000 Euro wird der Wiederaufbau kosten. So müssen unter anderem die Schlamm- und Sandmassen aus dem Staubecken gebaggert werden. Außerdem muss ein neuer Vorfluter aufgebaut werden, damit der Dorfbach auch in das Staubecken laufen kann, um dort angestaut werden kann. Erst dann kann auch das Wehr wieder traditionell geöffnet werden. Außerdem muss die Wassertreppe für den Überlauf neu aufgebaut werden. Das ist wichtig, damit das überschüssige Wasser an der Seite kontrolliert ablaufen kann. Bis dahin wird es noch eine Weile dauern.

Generell ist die Gastwirtin aber mit der Saison zufrieden. Es seien nicht so viele Leute wie 2020 gekommen. "Es läuft wieder so wie die Jahre vorher. Jetzt kommen wieder Gäste, die sich mit der Sächsischen Schweiz identifizieren und uns nicht als Ersatz für Malle sehen", sagt Elisabeth König. Trotzdem hat sie einige Sorgenfalten. Der Durchlass direkt vor ihrem Gasthaus müsste noch ausgebaggert werden. Die Straßenmeisterei hat damit entlang des Kirnitzschtals schon angefangen. Solange der Durchlass noch mit Geröll verstopft ist, kann kein Wasser mehr abfließen, zumindest nicht in solch hohen Mengen wie am 17. Juli 2021.

Bankverbindung: König, Elisabeth und Rainer, comdirect bank AG,
IBAN: DE05 2004 1133 0770 9736 00,
Verwendungszweck: Wasserfallanlage

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