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Wie wird das Kirnitzschtal sicherer?

Mehrere Radunfälle gab es hintereinander im idyllischen Tal. Vor allem für Auswärtige sind die Bahnschienen eine Herausforderung.

Bei diesem Unfall kürzlich auf der Kirnitzschtalstraße hatte die Radlerin Glück im Unglück.
Bei diesem Unfall kürzlich auf der Kirnitzschtalstraße hatte die Radlerin Glück im Unglück. © Marko Förster

Gleich drei schwere Radunfälle gab es innerhalb einer Woche im Kirnitzschtal, so passiert vor wenigen Tagen. Die Ursache: Die Radler sind entweder der Kirnitzschtalbahn  oder anderen Fahrzeugen ausgewichen, in den Schienen stecken geblieben oder haben ganz einfach nicht aufgepasst. 

Vor allem beim letzten Unfall hatte eine 55-jährige Urlauberin gerade so nochmal Glück gehabt. Sie befuhr mit mit ihrem Mann die Kirnitzschtalstraße in Richtung Hinterhermsdorf. In Höhe Botanischer Garten/Kreuzung Ostrauer Berg kam beiden die Kirnitzschtalbahn entgegen. Der Ehemann wich nach links aus. Die dahinter fahrende Ehefrau wollte ebenfalls ausweichen. Dabei fuhr sie offensichtlich in die linke Schiene und stürzte auf die Straße. Der Bahnfahrer leitete sofort eine Vollbremsung ein. Dennoch geriet die Frau unter die Bahn, wurde zum Glück nicht überrollt. Wie es den Unfallopfern heute geht, ist schwer zu sagen. Es handelte sich in allen Fällen um Urlauber, die die Region bereits wieder verlassen haben. 

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Dennoch bleibt das Problem. In diesem Sommer war das Kirnitzschtal nicht nur voller Autos. Auch der Radverkehr hat zugenommen. Allerdings haben sich wohl einige überschätzt. Denn in der Polizeistatistik erscheinen nur die Unfälle mit Verletzten und nicht die einfach nur mal so Gestrauchelten. Gibt es aber überhaupt Alternativen, damit das Kirnitzschtal auch für ungeübte Radfahrer sicherer wird?

Besonders kritisch ist es an den Haltestellen

Konrad Krause vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club kennt die Schwierigkeiten. "Selbst als routinierter Radfahrer fühle ich mich unsicher, wenn ich talaufwärts fahre, also mit den Schienen der Kirnitzschtalbahn", sagt er. Besonders kritisch sei es an den Haltestellen, wo sich die Weichen kreuzen. Da könnten Radfahrer, egal ob sie mit dem E-Bike oder einem normalen Rad unterwegs sind, hängen bleiben und in der Folge stürzen.

Sein Tipp: Die Gleise sollten möglichst rechtwinklig überquert werden. Das allerdings birgt im Kirnitzschtal wiederum neue Tücken. Normale Straßenbahnschienen haben eine größere Spurweite. "Im Kirnitzschtal ist es nur ein Ein-Meter-Gleis. Das fährt sich dann nochmal einen zacken schärfer als bei normalen Straßenbahngleisen", sagt der Experte. Fahrradfahrer sind praktisch gezwungen, zwischen den Schienen  zu fahren. Fahren links davon, könnten sie von Autos erfasst werden. Zwischen den Schienen sind sie einem erhöhten Fallrisiko ausgesetzt. Denn bei einem Schlenker könnten sich die Räder in den Schienen einklemmen. Entweder man fällt um oder steigt über den Lenker ab.

Warntafeln aufstellen und Schienen verlegen

Verkehrstechnische Alternativen gibt es es bislang nicht. Auch der Anbau eines Radweges im eh schon engen Tals ist wohl illusorisch. Dennoch wäre es auch aus Sicht von Konrad Krause vom Fahrradclub gerade im Kirnitzschtal an der Zeit, an die Sicherheit der Radfahrer zu denken. Und eben nicht nur zu denken. Immerhin sei das eine klassische Tourismusregion. Und in Verbindung mit dem Elberadweg sei das eine sehr schöne Radroute durch das Kirnitzschtal bis nach Tschechien in den Schluckenauer Zipfel, sagt er. Deshalb wäre sowohl aus politischer als auch aus touristischer Sicht ein Umdenken notwendig.

Aktuell beschäftigt sich eine Studie mit der Zukunft des Kirnitzschtales. Darin werden verschiedene Schwerpunkte untersucht, wie die Verlängerung der Kirnitzschtalbahn bis nach Hinterhermsdorf,  digitale Anzeigen zur Verfügbarkeit von Parkmöglichkeiten im Tal und auf Ausweichparkplätzen und entsprechender Ringverkehr mit Bussen. Aber auch die Radfahrer wolle man im Blick behalten, heißt es. Und da hat Konrad Krause schon eine Idee. "Wenn ich in die Wunschkiste greifen könnte, dann würde ich sagen, die Gleise der Kirnitzschtalbahn müssten in die Mitte gezogen werden", sagt er. Und er hofft, sollte es zu einer Verlängerung der Bahn kommen, dass dies zumindest ab dem Lichtenhainer Wasserfall mit beachtet werde.

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Das allerdings wäre wohl eher eine langfristige Alternative. Der Sebnitzer Ullrich Jentzsch, selbst auch mit dem Fahrrad unterwegs, hat eher eine kurzfristige Lösung. "Zu der nicht ungefährlichen Situation für Radfahrer im Kirnitzschtal wäre mein Vorschlag, an mehreren Stellen talaufwärts Warntafeln aufzustellen, die auf die entgegenkommende Bahn und auf die Gefahr des Überfahrens der Schiene hinweisen", schreibt er in seiner E-Mail an Sächsische.de. Für ortsunkundige Touristen komme die Situation mit der entgegenkommenden Bahn eben meist sehr überraschend. In anderen Bundesländern gibt es übrigens an besonders gefährlichen Stellen bereits dreieckige Warnzeichen, welche einen strauchelnden Radler abbilden. 

Letztlich fehlt hier noch eine konkrete Lösung. Deshalb Radfahrer: Vorsicht vor den Bahnschienen im Kirnitzschtal.

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