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Mit dem Mountainbike die Natur zerstört?

Ein 38-jähriger Radsportler aus Dresden soll bei einer Tour in der Sächsischen Schweiz Schäden im Wald angerichtet haben. Das Bußgeld akzeptiert er nicht.

Radfahren in der Natur: Nicht überall ist das erlaubt.
Radfahren in der Natur: Nicht überall ist das erlaubt. © privat

Von Friederike Hohmann

Martin D. aus Dresden liebt die Natur, besonders die unberührte. Wie er auf seiner Homepage schreibt, ist er seit Jahren regelmäßig mit seinem Mountainbike und nur dem nötigsten Gepäck dort unterwegs, wo es am schönsten ist. Die Touren unternimmt er gerne mit Freunden, seine Kamera ist immer dabei. Die schönsten Fotos teilt er auf Instagram und Flickr.

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„Auf der Suche nach wilden fordernden Trails“, wie er es online formuliert, geht es dabei vor allem über Stock und Stein. Für ausgetretene Pfade interessieren er und seine Freunde sich bei ihren waghalsigen Touren nicht. Dass man dabei aber schnell mit dem Gesetz in Konflikt geraten kann, mussten Martin D. und zwei seiner Mountainbike-Freunde im vergangenen August erfahren - bei einer Radtour am Kleinhennersdorfer Stein in der Sächsischen Schweiz.

Hier hält sich auch Lutz Winkler regelmäßig auf, der beim Referat Forst im Umweltamt des Landratsamtes in Pirna tätig ist. Das Gebiet um den Kleinhennersdorfer Stein bei Gohrisch kennt er gut. Bei Wanderungen am Wochenende ärgert er sich regelmäßig über Mountainbiker, die dort auf Fußwegen oder querfeldein fahren. Wenn es im Gelände rasant bergab geht, würden sie mit ihren breiten Reifen beim scharfen Bremsen tiefe Spuren in der Natur hinterlassen.

Verstoß gegen das Waldgesetz

An diesem Tag im August 2020 war Lutz Winkler unterwegs am Kleinhennersdorfer Stein. Dabei kamen ihm drei Männer mit Mountainbikes auf einer Böschung entgegen. Früher gab es dort einen Zugang zu einem Klettersteig. Wegen der starken Erosion in diesem Bereich wurde dieser aber schon vor Jahren gesperrt und verlegt.

Die Begegnung mit dem Forstexperten hatte für die drei Radfahrer ein juristisches Nachspiel. Denn nach dem Waldgesetz des Freistaates dürfen Fußwege in Wäldern nicht mit dem Rad befahren werden. Winkler zeigte die Radler deshalb an. Für den Verstoß gegen das Sächsische Waldgesetz gab es daraufhin einen Bußgeldbescheid, den das Landratsamt in Pirna erstellte. Dass der Kleinhennersdorfer Stein ein Naturdenkmal ist und im Landschaftsschutzgebiet liegt, spielte darin gar keine Rolle. Auch wurde den Bikern lediglich Fahrlässigkeit unterstellt. Dennoch gingen die drei Männer gegen die Bescheide, die eine Strafe von jeweils 80 Euro vorsehen, in Widerspruch.

Vorsätzlich oder fahrlässig geradelt

Der Widerspruch von Martin D. liegt als erster auf der Richterbank. Es werden Fotos von dem von den Bikern befahrenen Pfad gezeigt. Die Bilder aus der Akte haben jedoch nicht die beste Qualität. Dennoch ist sich Richter Jürgen Uhlig sicher: „Das ist nie und nimmer ein Weg.“ Außerdem hält er das Verhalten von Martin D. nicht nur für fahrlässig, sondern für vorsätzlich.

Er rät ihm, den Widerspruch zurückzuziehen, da er in seinem Urteil statt zum erhofften Freispruch durchaus auch zu einer härteren Strafe kommen kann. D.'s Anwalt aber besteht darauf, dass sein Mandant nur auf richtigen Wegen fuhr. Er hält Martin D. für unschuldig.

Bevor der Richter ein Urteil fällt, möchte er sich selbst noch ein Bild von der Situation machen und beraumt einen Ortstermin am Kleinhennersdorfer Stein für Mitte April an. Hier soll Martin D. zeigen, welchen Weg er mit dem Mountainbike nahm. Lutz Winkler ist als Zeuge eingeladen und wird von seinen Beobachtungen im August berichten.

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