merken
PLUS Sebnitz

Nationalpark plant Hubschraubereinsatz

Aus der Kirnitzschklamm in der Sächsischen Schweiz sollen tote Bäume per Hubschrauber ausgeflogen werden. Die dortige Kahnfahrt kann vorher starten.

An der Oberen Schleuse: Revierförster Matthias Protze, Beke Hielscher vom Sachsenforst, OB Mike Ruckh und Nationalparkchef Ulf Zimmermann (v.l.).
An der Oberen Schleuse: Revierförster Matthias Protze, Beke Hielscher vom Sachsenforst, OB Mike Ruckh und Nationalparkchef Ulf Zimmermann (v.l.). © Stadt Sebnitz

Die abgestorbenen Borkenkäferfichten an der Oberen Schleuse bei Hinterhermsdorf sollen tatsächlich per Hubschrauber geborgen werden. Was Nationalparkleiter Ulf Zimmermann kürzlich bereits im Sebnitzer Stadtrat angekündigt hatte, wurde nun laut Auskunft der Stadt bei einem Ortstermin in der Kirnitzschklamm nochmals bekräftigt. "Die Kosten von rund 120.000 Euro wird der Freistaat Sachsen tragen, wurde uns versichert", sagt der Sebnitzer Oberbürgermeister Mike Ruckh (CDU), dafür sei er sehr dankbar.

Das Gelände gilt als extrem schwierig. Die Kirnitzsch fließt hier an der Grenze zwischen Sachsen und Böhmen durch eine enge Klamm, an deren Rändern Sandsteinfelsen in die Höhe ragen. Die Stadt Sebnitz betreibt auf dem angestauten Fluß die Kahnfahrt auf der Oberen Schleuse, eine seit 1879 bestehende Touristenattraktion, die jährlich bis zu 50.000 Besucher anzieht.

VARO Direct
Grüner heizen, Haushaltskasse entlasten
Grüner heizen, Haushaltskasse entlasten

Kunden von VARO Energy Direct können jetzt im Rahmen einer besonderen Aktion viel Geld beim Brennstoffeinkauf sparen.

Wie fast überall in der Hinteren Sächsischen Schweiz sind auch an den steilen Felshängen am Oberlauf der Kirnitzsch die Fichten durch den Borkenkäfer abgestorben. Sie brechen nun in sich zusammen und drohen in die Klamm zu stürzen, durch die in der Sommersaison die Kähne fahren. Gefällt werden können sie nur von Spezialisten mit Klettertechnik.

Keine Kahnfahrt bei starkem Wind

Nicht weniger herausfordernd ist die Bergung des Holzes aus der Klamm. Dies soll nun aus der Luft geschehen. Am Seil hängend könnten die toten Fichten aus der engen Klamm ausgeflogen werden. Laut Auskunft der Stadt Sebnitz soll das in einer ein- bis zweiwöchigen Fällaktion passieren - allerdings erst im August. Eher darf der Hubschrauber über dem Nationalpark nicht fliegen, weil bis dahin die Brutzeit der Vögel andauert. Besonders seltenen Arten wie dem Wanderfalken und dem Uhu gilt dieser Schutz im Nationalpark Sächsische Schweiz.

Schwieriges Gelände: Die Kähne fahren durch die enge Kirnitzschklamm mit steilen Felswänden.
Schwieriges Gelände: Die Kähne fahren durch die enge Kirnitzschklamm mit steilen Felswänden. © Archivfoto: Steffen Unger

Um zunächst die akut gefährlichsten Bäume zu fällen waren die Forstarbeiter auf der deutschen Seite des Grenzflusses Kirnitzsch in den vergangenen Tagen schon im Einsatz. Auf tschechischer Seite stehen noch Fällungen aus, auch diese sollen aber demnächst folgen. Das Sebnitzer Rathaus gibt sich optimistisch: "Eine Eröffnung der Kahnfahrt auf der Oberen Schleuse in Hinterhermsdorf zu Himmelfahrt scheint möglich", erklärt OB Ruckh. Es werde alles getan, um eine sichere Kahnfahrt auf der Oberen Schleuse zu gewährleisten.

Dazu gehört auch, dass Kahnfahrten in der kommenden Saison nur bei entsprechendem Wetter stattfinden werden. Bei starkem Wind werden die Kähne am Steg bleiben müssen, kündigt Ruckh an. "Wir leben hier von der Natur, also müssen wir auch Einschränkungen durch die Natur akzeptieren." Daran sei nichts zu ändern.

Saisonstart erst nach dem Corona-Lockdown

Starten kann die Saison für Kahnfahrt auf der Oberen Schleuse ohnehin erst dann, wenn die Corona-Schutzbestimmungen es erlauben - also nach dem zu erwartenden Lockdown. Im vergangenen Jahr konnte der Fahrbetrieb pandemiebedingt ebenfalls erst zu Himmelfahrt Mitte Mai starten, anstatt traditionell zu Ostern. Der Nachfrage tat das keinen Abbruch. Aufgrund des großen Touristenansturms im Sommer 2020 in der Sächsischen Schweiz blieben die Zahlen trotz verkürzter Saison und Abstandsregeln auf den Kähnen nicht hinter den Vorjahren zurück.

Weiterführende Artikel

Totholz bedroht die Obere Schleuse

Totholz bedroht die Obere Schleuse

Abgestorbene Fichten stürzen in die Klamm der bei Touristen beliebten Kahnfahrt in Hinterhermsdorf. Der Nationalpark erwägt sogar einen Hubschraubereinsatz.

Offen ist derzeit noch, ob sich auch die tschechische Nationalparkverwaltung an der geplanten Hubschrauber-Aktion im August beteiligt. Neben etwa 30 akut gefährdeten Bäumen auf böhmischer Seite, die noch vor Saisonbeginn gefällt werden sollen, stehen dort weitere etwa 170 Fichten, deren Zustand sich im Laufe des Jahres kritisch entwickeln wird. An dem Ortstermin am 14. April konnten die tschechischen Kollegen coronabedingt nicht teilnehmen. Zumindest die Grenzgewässerkommission hat bereits ihr Okay gegeben, wie Tomáš Salov vom Nationalpark Böhmische Schweiz bereits zuvor erklärte.

Mehr Nachrichten aus Sebnitz und Hinterhermsdorf lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Sebnitz