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Raus aus dem Nationalpark - Hohnstein wagt den Vorstoß

Die Stadt braucht dringend neue Parkplätze. Jetzt soll ein Projekt in Waitzdorf konkret werden. Und ein weiteres in Hohnstein ist in Planung.

Von Anja Weber
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Der überwiegende Teil von Hohnsteins Gemeindegebiet unterliegt einem Schutzstatus. Viel Raum für Entwicklung ist da nicht.
Der überwiegende Teil von Hohnsteins Gemeindegebiet unterliegt einem Schutzstatus. Viel Raum für Entwicklung ist da nicht. © Steffen Unger

Viele Gemeinden in der Sächsischen Schweiz wollen sich auf Flächen weiterentwickeln, auf denen das derzeit nicht erlaubt ist - sie stehen unter Schutz. Ob ein kleines Wohngebiet am Randes einer Gemeinde, ein neuer Parkplatz oder die Erweiterung eins Hotelkomplexes, ein neuer Campingplatz. Es gibt viele Wünsche. In den letzten Jahren sind die meisten auf die lange Bank geschoben worden, weil der Schutzstatus die Umsetzung verhindert.

Im Frühjahr 2021 gab es jedoch eine Einigung im Nationalparkrat dazu. Der Landkreis will dem sächsischen Umweltministerium die Ausgliederung von 1.000 Flächen aus dem Landschaftsschutzgebiet oder dem Nationalpark Sächsische Schweiz vorschlagen. Das geht nicht von heute auf morgen, soll den Gemeinden oder auch Privatpersonen aber auf lange Sicht mehr Perspektiven bieten.

Landrat Michael Geisler (CDU) kündigte an, dass man in erster Linie bei konkreten Projekten ansetzen will. In Hohnstein sollen nun gleich zwei solche Vorhaben angegangen werden.

Die Stadt braucht Parkflächen, vor allem in gut besuchten Wandergebieten wie rund um Waitzdorf. An den Wochenenden und bei bestem Wanderwetter ist der kleine Ort zugeparkt, ebenso die Zufahrtsstraßen und auch die Rettungswege. Deshalb soll nun eines der jahrelang in der Schublade schmorenden Projekte konkret werden. Der Stadtrat von Hohnstein hat in seiner letzten Sitzung 2021 die Vergabe der Planungsleistungen für den Neubau eines Parkplatzes in Waitzdorf vergeben. 85 neue Stellplätze sollen am Ortseingang entstehen. Die Fläche dafür müsste jedoch aus dem Nationalpark ausgegliedert werden.

Schutzstatus für Ferienwohnungen aufheben

Neben dem Parkplatz in Waitzdorf soll noch ein zweites Projekt in Hohnstein selbst angegangen werden. Gastwirt Hendrik Lehmann vom Hotel "Zur Aussicht" will seinen Standort erweitern, zukunftssicher auch für seine Kinder entwickeln. Er will Ferienunterkünfte bauen.

Doch auch er hat ein Problem. Das Grundstück liegt im Landschaftsschutzgebiet. Bereits im Sommer 2021 hat er bei der Stadt einen Antrag auf Einleitung eines Bebauungsplanverfahrens gestellt. Mit dem Ziel, den bestehenden Hotel- und Restaurantkomplex "Zur Aussicht" durch den Bau von hochwertigen Übernachtungsmöglichkeiten zu ergänzen. Das Beherbergungsangebot der Stadt Hohnstein könnte so durch ein besonderes Segment erweitert werden.

Hendrik Lehmann will damit aber auch Hohnstein als Erholungsort beziehungsweise als Tourismusstadt weiter stärken. Da er selbst im Stadtrat sitzt und Ortsvorsteher von Hohnstein ist, weiß er, dass Tourismus für die Stadt wichtig und die einzige Einnahmequelle für Hohnstein und deren Einwohner ist.

Der Stadtrat stimmte diesem Antrag unlängst zu. Damit ist nun für dieses Projekt der Weg frei, um zunächst mit einem Bebauungsplan zu beginnen. Innerhalb dieses Verfahrens werden die sogenannten Träger öffentlicher Belange zur Stellungnahme aufgefordert. Das heißt, dass es auch hier letztlich darum geht, den Schutzstatus von dieser Fläche zu nehmen.

Mit dem Bebauungsplan werden zudem die technische und die verkehrliche Erschließung des Standortes gesichert, und es werden Maßnahmen und Flächen für den naturschutzrechtlichen Ausgleich festgelegt. Schließlich soll es ja ein Geben und Nehmen sein.

Nicht nur im Hohnsteiner Stadtrat ist man gespannt auf den Ausgang des Verfahrens.