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Nationalpark schneidet Malerweg frei

Im Kampf gegen den Borkenkäfer in der Sächsischen Schweiz kommt auch schweres Gerät zum Einsatz. Das ist aber nicht überall möglich.

Harvester im Nationalpark: Die schweren Maschinen können nur auf breiten Wegen arbeiten.
Harvester im Nationalpark: Die schweren Maschinen können nur auf breiten Wegen arbeiten. © Nationalpark/Hanspeter Mayr

In der Hinteren Sächsischen Schweiz legen Waldarbeiter aktuell mit dem Harvester die abgestorbenen Fichten um. Im Bereich des Arnsteins, gelegen im Kirnitzschtal nahe der Straße nach Ottendorf, konnte dadurch in der vergangenen Woche auch ein Teil des Malerwegs wieder freigeschnitten, wie die Nationalparkverwaltung mitteilt. Der Nationalpark erhält dabei Unterstützung vom Staatsbetrieb Sachsenforst, der die schweren Holzerntemaschinen bereitstellt.

Bei der freigeschnittenen Abschnitt handelt es sich um einen Teil der 5. Etappe des Malerwegs, einem Aushängeschild für den Wandertourismus in der Sächsischen Schweiz. Der ausgeschilderte Weg führt auf insgesamt 116 Kilometern durch das gesamte Elbsandsteingebirge. Weitere Abschnitte, etwa am Pohlshorn, sind aber weiterhin unpassierbar. Dort empfiehlt der Tourismusverband Sächsische Schweiz eine Umleitung, die aktuell auf der Website des Verbands beschrieben ist.

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Derartige Eingriffe mit Harvestern sind allerdings nur auf ausreichend breiten Wegen möglich, wo die Maschine fahren kann, ohne größere Schäden anzurichten, erklärt Thomas Rother, Leiter des Forstbetriebs beim Sachsenforst. Schmalere Wanderwege, die derzeit durch umgestürzte Bäume unpassierbar sind, könnten so nicht bearbeitet werden.

Arbeit mit der Motorsäge zu gefährlich

Das manuelle Sägen wiederum ist zu gefährlich. „Ein Freischneiden dieser Wege unter Einsatz von Motorsägen ist hier aufgrund der extrem gefährlichen Arbeitsbedingungen nicht möglich“, sagt Rother. „Anders als im Harvester sind Waldarbeiterinnen und Waldarbeiter mit der Motorsäge nicht in einer Kabine vor plötzlich herunterfallenden Ästen und Kronenteilen geschützt, die schwere bis tödliche Verletzungen nach sich ziehen können.“

Malerweg im Bereich des Arnstein: Auf diesem Abschnitte wurde der für den Tourismus bedeutendste Wanderweg in der Sächsischen Schweiz freigeschnitten. Anderswo gilt eine Umleitung.
Malerweg im Bereich des Arnstein: Auf diesem Abschnitte wurde der für den Tourismus bedeutendste Wanderweg in der Sächsischen Schweiz freigeschnitten. Anderswo gilt eine Umleitung. © Nationalpark/Jörg Weber

Die akut bruchgefährdeten Bäume werden vom Harvester so abgeschnitten, dass möglichst ein naturnahes Bild entsteht. Die Stubben bleiben auf unterschiedlichen Höhen stehen, ganz so wie es auch bei einem natürlichen Zusammenbruch der Bäume passiert. Die abgesägten Stämme verbleiben meist als Teil des natürlichen Kreislaufes im Wald.

Freischneiden unmittelbar am Weg ganzjährig erlaubt

Die Landesdirektion Sachsen habe laut Mitteilung des Nationalparks zuvor klargestellt, dass das Freischneiden der Wege und die Fällung von unmittelbar angrenzenden bruchgefährdeten Bäume naturschutzrechtlich ganzjährig zulässig ist. Um die Wege dauerhaft freizuhalten und ein Zubrechen schon vorab zu vermeiden, müssten jedoch Korridore von bis zu 30 Metern rechts und links der Wege gesägt werden. "Derartige umfangreichere Maßnahmen sind im Nationalpark verboten", erklärt die Nationalparkverwaltung. Sie könnten dem Artenschutz zuwider laufen und nach den Vorgaben des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura-2000 unzulässig sein.

Nationalparkchef Ulf Zimmermann wirbt weiterhin um Verständnis für die aktuelle Situation. Man versuche, die Einschränkungen so gering wie möglich zu halten. Derzeit gelten knapp 30 Kilometer von insgesamt 400 Kilometern Wanderwege im Nationalpark als unpassierbar. Das seien 2,5 Kilometer weniger als vergangene Woche. Es besteht weiterhin eine erhöhte Baum- und Kronenbruchgefahr. Das Betreten des Waldes erfolgt auf eigene Gefahr.

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