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Nationalpark: Sebnitzer OB keilt gegen Umweltminister

Selbstverständlichkeiten beim Wegenetz würden als Erfolg verkauft, sagt OB Mike Ruckh. Für den Großen Zschand hingegen gebe es noch immer keine Lösung.

Streitthema Großer Zschand in der Sächsischen Schweiz: Der Weg ist wegen Baumsturzgefahr noch immer gesperrt.
Streitthema Großer Zschand in der Sächsischen Schweiz: Der Weg ist wegen Baumsturzgefahr noch immer gesperrt. © Mike Jäger

Wenige Tage nachdem Sachsens Umweltminister Wolfram Günther (Grüne) zum Freischneiden der Wege in der Sächsischen Schweiz zu Gast war, meldet sich der Sebnitzer Oberbürgermeister Mike Ruckh (CDU) mit scharfer Kritik zu Wort. Der Minister war vergangene Woche zum Auftakt von Baumfällarbeiten im Nationalpark zu Besuch. Nach dem Ende der Brutzeit werden dort jetzt abgestorbene Borkenkäfer-Fichten umgelegt.

Ruckh verweist darauf, dass beim Freischneiden der Wege im Nationalpark erst auf massiven Druck von Landrat, Bürgermeistern, Sächsischem Bergsteigerbund und Tourismusverbandes etwas vorwärtsging. Die Akteure aus der Sächsischen Schweiz hatten sich mit einem Brandbrief an den Ministerpräsidenten gewandt und ihn zum Ortstermin eingeladen.

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"Jetzt will man sich für Selbstverständlichkeiten und dem bloßen Nachkommen der eigenen Verkehrssicherungspflicht feiern lassen", erklärt Ruckh. "Dazu kann ich nur den Kopf schütteln."

Internes Ringen um Rettungswege

Tatsächlich werden in einem ersten Schritt zunächst tote Bäume entlang weiterer Rettungswege gefällt, damit diese im Notfall nicht blockiert sind. Pikanterweise wollte die Nationalparkverwaltung noch zu Jahresbeginn einige Wege aus dem Rettungswegekonzept herausstreichen lassen. Mehrere Routen, die aus ihrer Sicht nicht zwingend gebraucht würden, sollten nicht länger freigehalten werden. Der Sebnitzer Stadtrat hatte dieses Ansinnen per öffentlich gefasstem Beschluss abgelehnt.

Der Sebnitzer OB Mike Ruckh (li.) mit Landrat Michael Geisler (2. v. li.) und weiteren Bürgermeistern beim Termin mit Ministerpräsident Michael Kretschmer (grüne Jacke) im Nationalpark im Juni.
Der Sebnitzer OB Mike Ruckh (li.) mit Landrat Michael Geisler (2. v. li.) und weiteren Bürgermeistern beim Termin mit Ministerpräsident Michael Kretschmer (grüne Jacke) im Nationalpark im Juni. © Stadt Sebnitz

Verkehrssicherung an Rettungswegen heißt, dass alle toten Fichten links und rechts des Weges auf eine Baumlänge gefällt werden. Das entspricht etwa 30 Metern auf beiden Seiten. Es entstehen also breite Kahlschlagschneisen. Im Nationalpark müssen derartige Eingriffe naturschutzrechtlich genehmigt werden. An den wichtigsten Straßen und Wegen, etwa entlang der Kirnitzschtalstraße oder im hinteren Teil des Großen Zschands, haben derartige Fällungen in den vergangenen Jahren bereits stattgefunden.

Freischneiden von Wanderpfaden schon genehmigt

Neben den breiten Rettungswegen wird demnächst aber auch an einigen schmaleren Wanderpfaden vorsorglich gesägt, sodass diese gar nicht erst unpassierbar werden. Dies hatte der Sächsische Bergsteigerbund (SBB) gefordert. Für acht von zehn Wegen aus dem Stufenplan des SBB wurde dies von der Landesdirektion Sachsen kürzlich genehmigt, wie das Umweltministerium anlässlich von Wolfram Günthers Besuch in der Sächsischen Schweiz mitteilte.

Sachsens Umweltminister Wolfram Günther (Grüne, li.) mit Nationalparkchef Ulf Zimmermann beim Ortstermin zum Freischneiden der Wege am 24. August.
Sachsens Umweltminister Wolfram Günther (Grüne, li.) mit Nationalparkchef Ulf Zimmermann beim Ortstermin zum Freischneiden der Wege am 24. August. © Marko Förster

Die Bürgermeister seien bei dem Ortstermin wohl bewusst nicht eingeladen worden, mutmaßt der Sebnitzer OB Mike Ruckh. "Offensichtlich sollte das wohl ein Jubeltermin werden, bei dem berechtigte Kritik und Gespräche unerwünscht waren." Dabei gebe es in den Nationalparkgemeinden weiterhin offene Baustellen.

Großer Zschand noch immer gesperrt

Ein Streitthema ist die seit Monaten andauernde Sperrung im Großen Zschand. Dort habe es drei Tage nach dem Ministerbesuch ebenfalls einen Ortstermin mit der Nationalparkverwaltung gegeben. Laut Ruckh jedoch mit ernüchterndem Ergebnis: Es sei nichts passiert und es solle wohl auch nichts passieren. "Am liebsten soll die traditionelle Verbindung zum Zeughaus durch den Großen Zschand gleich ganz liquidiert werden – und der Sebnitzer Stadtrat soll dazu auch noch ja sagen", behauptet Ruckh. Dazu werde es nicht kommen.

Der Wegeabschnitt von der Neumannmühle in den Großen Zschand ist seit Jahresbeginn komplett gesperrt, weil tote Fichten herabzustürzen drohen. Es besteht Lebensgefahr. Ein Eingreifen sei dort aber nicht möglich, argumentiert die Nationalparkverwaltung, da dann seltene Pflanzen wie das Gelbe Veilchen und der Stängelumfassende Knotenfuß gefährdet seien. Der Große Zschand gehört zum Flora-Fauna-Habitat und unterliegt damit einer EU-Naturschutz-Richtlinie.

Die Stadt Sebnitz hatte der Sperrung bisher immer nur befristet zugestimmt und eine Lösung gefordert. "Das sind alles Themen, die man, wenn der Minister sich schon mal herablässt hierherzukommen, gern persönlich angesprochen hätte", sagt der Sebnitzer OB, der nur noch bis Ende September im Dienst ist und danach in die Energiewirtschaft wechselt. In Bürgermeisterkreisen werde Umweltminister Günther schon "das Phantom" genannt, weil man ihn nicht zu Gesicht kriege, erklärt Ruckh.

Mit ihrem öffentlichen Brandbrief im Frühjahr hatten sich Landrat Michael Geisler (CDU) und sieben Bürgermeister allerdings auch direkt an Ministerpräsident Michael Kretschmer (ebenfalls CDU) gewandt, nicht an den eigentlich für den Nationalpark zuständigen Umweltminister von den Grünen.

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Korrektur: In einer früheren Version des Text hieß es irrtümlich, dass das Gelbe Veilchen und der Stängelumfassende Knotenfuß streng geschützte Arten seien. Das ist nicht korrekt. Beide Pflanzen kommen aber in Sachsen äußerst selten vor und wachsen sonst nur im Hochgebirge. Wir haben den Abschnitt korrigiert.

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