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Sächsische Schweiz: Spezialmaschine sägt durchs Fichtenmikado

Der Nationalpark hat einen Schreitbagger angefordert, um Wanderwege frei zu schneiden. Vorerst ist es nur ein Testlauf.

Schreitbagger im Borkenkäferwald der Sächsischen Schweiz. Der Nationalpark testet, ob die Technik hierzulande einsetzbar ist.
Schreitbagger im Borkenkäferwald der Sächsischen Schweiz. Der Nationalpark testet, ob die Technik hierzulande einsetzbar ist. © Mike Jäger

Mit besonderer Technik rücken Spezialisten gerade den Borkenkäferfichten in der Sächsischen Schweiz auf den Leib. In der Richterschlüchte kämpft sich ein Schreitbagger durch das Chaos aus umgestürzten, toten Bäumen. Der grün markierte Wanderweg zwischen Großem Zschand und Großem Winterberg gehört zu den Wegen im Nationalpark, die seit Monaten unpassierbar sind. Für Wanderer ist es hier lebensgefährlich. Jederzeit können weitere Bäume umbrechen.

Mit einer im Greifer integrierten Motorsäge schneidet der Bagger die langen Stämme entzwei. Der Fahrer sitzt dabei geschützt in einer verstärkten Kabine, die bis zu acht Tonnen abhält, sollte eine Baumkrone auf das Fahrzeug stürzen. Der Schreitbagger ist kleiner und wendiger als ein Harvester. Mit speziellen Stützbeinen, Pratzen genannt, arbeitet er sich auch schmale und besonders steile Pfade empor. Die Pratzen klammern sich in beinahe jeden Hang.

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Die Nationalparkverwaltung hat dafür ein Spezialunternehmen aus Nordrhein-Westfalen beauftragt. Ähnliche Schreitbagger waren auch schon im extrem borkenkäfergeplagten Harz im Einsatz und haben dort die toten Fichten umgesägt. Bei Wanderern, Bergsteigern und Touristikern in der Sächsischen Schweiz dürfte das für Hoffnung sorgen. Der Sächsische Bergsteigerbund (SBB) hatte den Einsatz solcher Spezialtechnik zum Freischneiden der Wege gefordert.

Nationalpark dämpft Erwartungen

Der Nationalpark dämpft jedoch die Erwartungen. Vorerst handelt es sich bei den Arbeiten nur um einen Testlauf. "Der Test soll zeigen, ob die Maschine unter den konkreten Geländebedingungen im Nationalpark Sächsische Schweiz einsetzbar ist", sagt Nationalparksprecher Hanspeter Mayr.

Bei der Bewertung spielen auch der Naturschutz und die Effektivität eine Rolle - also welche Spuren die Maschine im Wald hinterlässt und wie schnell sie tatsächlich vorankommt. Denn der Einsatz des Spezialgeräts ist teuer. Erst nach der Gesamtauswertung werde entschieden, ob weitere Aufträge sinnvoll und finanzierbar sind, erklärt Beke Hielscher, Betriebsleiterin bei der Nationalparkverwaltung.

Zudem handele es sich bei dem aktuell laufenden Maschineneinsatz ausschließlich um Unterhaltungsarbeiten an den Wanderpfaden, erklärt der Nationalpark. Das heißt, es wird nicht in größerem Maße links und rechts des Wegs vorsorglich freigeschnitten, sondern zunächst nur das weggesägt, was den Weg direkt versperrt.

Noch kein vorsorgliches Freischneiden

Nur deshalb können die Arbeiten schon jetzt stattfinden. Für größere vorsorgliche Aktionen, wie sie der Bergsteigerbund in einem Stufenplan gefordert hatte, muss noch die gesetzlich festgelegte Brut- und Aufzuchtperiode abgewartet werden. Sie endet am 15. August. Zudem ist eine naturschutzrechtliche Genehmigung durch die Landesdirektion Sachsen nötig. Für sieben Wege aus dem Stufenplan des SBB wird das derzeit von der Behörde geprüft.

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