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Warum Neustadt expandieren muss

Die Einwohnerzahlen in der Stadt schrumpfen. Es sterben mehr Leute, als geboren werden. Da hilft nur eines. Frisches Blut.

Neustadt in Sachsen ist strategisch günstig gelegen. Wer neue Einwohner anlocken will, muss für die aber auch Platz zum Wohnen haben.
Neustadt in Sachsen ist strategisch günstig gelegen. Wer neue Einwohner anlocken will, muss für die aber auch Platz zum Wohnen haben. © Steffen Unger

Der Blick in die Einwohnerstatistik von Neustadt in Sachsen lässt die Krise erahnen.  Das gesamte Gemeindegebiet hat einen massiven Verlust an Einwohnern zu beklagen. Nicht das alle von Neustadt wegziehen. Aber: Die Anzahl der Todesfälle übertrifft bei weitem die Geburten. "Die Überalterung in der Bevölkerung ist besorgniserregend", sagt Bürgermeister Peter Mühle (NfN). Wie auch in anderen Städten wirkt das Wendephänomen nach. Es fehlen praktisch diejenigen, die in den Wendejahren generell dem Osten den Rücken gekehrt haben.

Im vergangenen Jahr wurden in Neustadt 163 Sterbefälle beurkundet. Dem gegenüber gab es nur 85 Geburten. Und auch mit Blick auf die Altersstruktur geht man in Neustadt davon aus, dass dieses Missverhältnis auch noch eine Weile anhalten wird. Bedingt ist das hier unter anderem auch durch die vielen Plätze in Pflegeeinrichtungen und betreutem Wohnen. Aber eben nicht nur. 

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Die Anzahl der Kinder und Jugendlichen bis zum 18. Lebensjahr beträgt 1.839 Personen. Bezogen auf den Anteil der Gesamtbevölkerung macht diese Gruppe gerade einmal 15 Prozent aus, die der über 60-Jährigen dagegen 40 Prozent.  Derzeit wohnen in Neustadt mit Ortsteilen 12.286 Einwohner. Zum Vergleich: Im Jahr 2016 waren es noch 12.524 und im Jahr 2011 gar noch 13.240. 

Wo derzeit gebaut wird

Ziel ist, die Bevölkerungsstruktur stabil zu halten. Ein Hauptschwerpunkt sei dabei die Schaffung von weiteren Arbeitsplätzen. "Wir haben bereits eine große Anzahl an Arbeitsplätzen. Uns fehlt aber noch so etwas wie ein Technologiezentrum", sagt der Bürgermeister. Da aufgrund der Überalterung die Geburtenflaute weiter anhalten wird, setzt man in Neustadt verstärkt auf Zuzug. Die territorial günstige Lage kann das beflügeln. So ist man schnell von Dresden aus in Neustadt und von Neustadt auch schnell auf der Autobahn. Und nicht zuletzt sind auch die Wege in die Oberlausitz kurz.  Dieses gesamte Potenzial will die Stadt abschöpfen. Deshalb wurden in den letzten fünf Jahren gleich mehrere Wohngebiete entwickelt. Die Stadt bedient sich verschiedener Erschließungsträger.

An der Berghausstraße/Schillerstraße wurde in einem ersten  Bauabschnitt ein Areal mit zehn Parzellen erschlossen. Davon sind acht bereits belegt und bebaut. In einem zweiten Bauabschnitt, der seit September 2020 freigegeben ist, entstehen sechs Parzellen, wovon bereits drei belegt sind.

Für eines der größten neuen Wohngebiete an der Heinrich-Hertz-Straße wurde am 9. Oktober der erste Spatenstich gesetzt. Hier stehen künftig 45 Bauparzellen zur Verfügung. Erste Verträge mit Bauherren sind bereits abgeschlossen. Das besondere an dem Areal ist, dass es ein Mischgebiet ist. Das heißt, auf einigen Flächen ist Wohnen und Arbeiten unter einem Dach möglich, solange es sich um nicht störendes Gewerbe handelt.  

Mit der Erschließung im neuen Wohngebiet an der Heinrich-Hertz-Straße in Neustadt wurde begonnen.
Mit der Erschließung im neuen Wohngebiet an der Heinrich-Hertz-Straße in Neustadt wurde begonnen. © Steffen Unger

Was noch geplant ist

Ein Ziel der Stadtentwicklung ist es, weitere attraktive Wohnstandorte in Neustadt zu schaffen. Ideen gibt es da bereits einige. Vorgesehen ist unter anderem, dass im Rahmen des Programmes Stadtumbau Ost an der Heinrich-Heine-Straße die noch aus DDR-Zeiten stammenden Wohnblöcke 86 bis 102 durch die Wohnungsgenossenschaft Neustadt abgerissen werden. Die Blöcke verzeichnen einen Leerstand von über 30 Prozent. Bei den noch verbliebenen Mietern sorgte das zwar für Ärger.  Der Vermieter hält aber an den Plänen fest, da er kaum Chancen auf Neuvermietung sieht. Den Noch-Mietern werden andere Wohnungen zur Verfügung gestellt. An gleicher Stelle soll ein Wohngebiet in moderner Form entstehen. Da es über eine Infrastruktur mit Wasseranschluss und über Heizkanäle verfügt, kann es leichter umgebaut werden. Wenn sich ein Investor findet, könnte an der Heinrich-Heine-Straße demzufolge ein neues Wohngebiet mit Mietwohnungen oder Eigenheimen entstehen. 2023 will die Wohnungsgenossenschaft das Areal an einen möglichen Investor verkaufen. 

© SZ Grafik

In Sachen Mietwohnungsbau könnte sich auch an der Berghausstraße etwas tun. Der Erschließungsträger denkt darüber nach, in den Mietwohnungsbau zu investieren. Etwa sechs bis acht Wohnungen könnten so entstehen. Geht der Plan auf, wäre dann dieses gesamte Wohngebiet voll. Die sich noch darin befindlichen kleinen städtischen Grundstücke sollen in Ruhezonen verwandelt werden. Da soll es demnächst noch Gespräche mit Anwohnern geben. Mehr Flächen stehen dann nicht mehr zur Verfügung. deshalb sei es Aufgabe, auch darüber hinaus Möglichkeiten für weitere Wohngebiete auszuloten.

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