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Razzia nach Sprengstoffanschlägen

Gegen sieben Tatverdächtige wird ermittelt. Sie sollen in der Sächsischen Schweiz für 13 Explosionen und Schäden von 230.000 Euro verantwortlich sein.

Gesprengt Ende August: Toilettenhäuschen und Parkautomat auf dem Parkplatz Nasser Grund im Kirnitzschtal.
Gesprengt Ende August: Toilettenhäuschen und Parkautomat auf dem Parkplatz Nasser Grund im Kirnitzschtal. © Marko Förster

Wochenlang hallten immer wieder mächtige Donnerschläge durch die Sächsische Schweiz. Dass es sich dabei längst nicht um harmlose Böllereien handelt, wird jetzt durch die Reaktion der Behörden deutlich: Mit 67 Beamten in Sachsen und weiteren Polizisten in Bayern rückte die Polizei am Donnerstagmorgen parallel zu mehreren Razzien an. Insgesamt elf Wohnungen und Häuser wurden dabei durchsucht: acht Wohnungen in der Sächsischen Schweiz, eine in Leipzig sowie zwei nicht näher benannte Objekte in Kamenz sowie im bayerischen Mühlhausen.

Das Verfahren richtet sich gegen sieben deutsche Jugendliche und junge Erwachsene, darunter fünf Männer im Alter von 18, 19, 20, 20 und 22 Jahren sowie zwei Frauen, eine 27 Jahre, die jüngste gerade 17 Jahre alt. Sechs der Tatverdächtigen wohnen in der Sächsischen Schweiz, ein Mann ist laut Staatsanwaltschaft in Leipzig gemeldet. Ihnen wird das Herbeiführen mehrerer Sprengstoffexplosionen vorgeworfen.

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In insgesamt 13 Fällen sollen sie in wechselnden Konstellationen im Juli und August in Bad Schandau, Sebnitz, Langburkersdorf, Hohnstein und Neustadt verschiedene Objekte mit illegaler Pyrotechnik in die Luft gesprengt haben. 

In Langburkersdorf hatten Unbekannte den Werbeaufsteller der Fischzucht Ermisch gesprengt: eine 500 Kilogramm schwere Forelle aus Beton.
In Langburkersdorf hatten Unbekannte den Werbeaufsteller der Fischzucht Ermisch gesprengt: eine 500 Kilogramm schwere Forelle aus Beton. © privat

Die Serie begann in der Nacht auf den 24. Juli mit einer Sprengattacke auf eine Fahrschule in Bad Schandau. Neben dem Briefkasten wurde dabei das Glas der Eingangstür zerstört, auch der Schulungsraum und vor dem Haus geparkte Fahrzeuge bekamen Treffer ab.

Gut zwei Wochen später knallte es zudem in Langburkersdorf. Dem Werbeaufsteller der Fischzucht Ermisch, einer fünf Meter langen Forelle aus Beton, wurde bei einem Anschlag der Kopf weggesprengt. Im selben Zeitraum traf es zwei von Anwohnern aufgestellte lebensgroße Stoffpuppen im Hohnsteiner Ortsteil Lohsdorf sowie einen Zigarettenautomaten am Lichtenhainer Wasserfall im Kirnitzschtal. Dort zersplitterte zudem eine Scheibe.

Am 30. August flogen dann ein Parkautomat und ein Toilettenhäuschen am Parkplatz Nasser Grund im Kirnitzschtal in die Luft sowie ein weiteres Mobilklo an einer Straßenbaustelle bei Ottendorf.

Das sind nur die Attacken, die von der Polizei bislang öffentlich bestätigt worden sind. Passiert ist noch deutlich mehr. Die Ermittler beziffern den Gesamtschaden auf mindestens 230.000 Euro. Welche weiteren Sprengstoffanschläge den Verdächtigen zur Last gelegt werden, will die Staatsanwaltschaft Dresden auch auf Nachfrage von Sächsische.de vorerst nicht preisgeben. "Das ist Täterwissen", sagt Oberstaatsanwalt Jürgen Schmidt. Man habe deshalb ganz bewusst nicht alle Fälle öffentlich gemacht.

Die Polizei kam den mutmaßlichen Tätern am 30. August auf die Spur: Nachts um 2.15 Uhr hörten Polizisten einen Knall aus dem Kirnitzschtal und sahen einen Lichtblitz aufzucken. Da waren gerade der Parkautomat und das Toilettenhäuschen am Nassen Grund in die Luft geflogen. Kurz darauf konnten die Beamten ganz in der Nähe einen Skoda und drei junge Männer stellen. Das Auto war einer Streife kurz vorher in hohem Tempo entgegen gekommen. Mittlerweile hat sich die Zahl der Beschuldigten auf sieben erhöht.    

In der Nacht zum 9. August flog am Lichtenhainer Wasserfall im Kirnitzschtal ein Zigarettenautomat in die Luft.
In der Nacht zum 9. August flog am Lichtenhainer Wasserfall im Kirnitzschtal ein Zigarettenautomat in die Luft. © Marko Förster

Bei den Hausdurchsuchungen am Donnerstag haben die Ermittler große Mengen Pyrotechnik sichergestellt. Laut Angaben der Staatsanwaltschaft handelt es sich um mehrere Kisten. Daneben wurden Mobiltelefone, Speichermedien sowie eine Schein-Stabhandgranate aus Holz beschlagnahmt.

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Haftbefehle gegen die Beschuldigten wurde nicht beantragt, da derzeit keine Haftgründe nach der Strafprozessordnung vorliegen, erklärt die Staatsanwaltschaft. Die Ermittlungen dauern weiter an und werden voraussichtlich noch einige Zeit in Anspruch nehmen. "Es handelt sich um einen schweren Verbrechenstatbestand", sagt Oberstaatsanwalt Jürgen Schmidt. Für jede einzelne Explosion sieht das Strafgesetzbuch bei einer Verurteilung eine Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr vor. 

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