merken
PLUS Sebnitz

Pfarrer Alberts letzte Baustelle

Lauterbachs Pfarrer Wolfram Albert bereitet sich nach 35 Jahren im Kirchendienst auf den Ruhestand vor. Und das nicht ganz freiwillig.

Pfarrer Wolfram Albert bei der letzten Baubesprechung mit Planerin Ute Hilmes aus Schmölln im sanierten Pfarrhaus von Oberottendorf.
Pfarrer Wolfram Albert bei der letzten Baubesprechung mit Planerin Ute Hilmes aus Schmölln im sanierten Pfarrhaus von Oberottendorf. © Steffen Unger

Das Pfarrhaus in Oberottendorf ist schön geworden. Dort steckt viel Arbeit der Planer und Bauleute drin, einiges Geld, Spenden und vor allem viel Zeit der Vorbereitung. Und das war der Part von Pfarrer Wolfram Albert. Unter den Pfarrern zumindest rechts der Elbe ist er der "Baulöwe". Unter seiner Führung wurden in den letzten Jahren die Kirchen in Lauterbach und in Rückersdorf saniert und eben auch das Pfarrhaus in Oberottendorf. Unter seiner Führung wurden die evangelischen Kindergärten in Bühlau und Lauterbach um- und ausgebaut, Denkmäler erhalten, um nur einiges aufzuzählen.

Bauherr und Geistlicher zugleich und in beiden Funktionen nicht nur nah dran am Leben, sondern auch streitbar und vor allem ehrlich. Deshalb verlässt er nach über 35 Jahren Pfarrdienst in Lauterbach, 22 Jahren in Bühlau und 21 Jahren in Oberottendorf die Kirchgemeinde. Und das nicht ganz freiwillig. Die Kirchenstruktur im Raum Stolpen, Lauterbach, Neustadt Sebnitz und Hohnstein wird sich ab dem 1. Januar 2021 ändern. Die Kirchgemeinden schließen sich zu einem Kirchgemeindebund zusammen und in dieser neuen Struktur ist eine Neubesetzung der Pfarrstelle in Lauterbach nicht mehr vorgesehen. "Diese größeren Verwaltungseinheiten entsprechen nicht mehr meinem Verständnis von saisonorientierter Gemeindearbeit", sagt Pfarrer Wolfram Albert. 35 Jahre habe er in Lauterbach die Dinge selbst geregelt. Und wenn man dann einen Chef vorgesetzt bekäme, wäre das nicht mehr seine Kirche. Klare Ansage, klarer Schlussstrich.

City-Apotheken Dresden
365 Tage für Patienten da
365 Tage für Patienten da

Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

Unlängst abgeschlossen: die Sanierung der Kirche in Rückersdorf.
Unlängst abgeschlossen: die Sanierung der Kirche in Rückersdorf. © Archiv: Dirk Zschiedrich

Nicht jedermanns Freund sein

Sein Leitspruch ist "Ich möchte jedem Menschen, der zu mir kommt so gegenübertreten, als habe ich gerade auf ihn gewartet. " Und das hat er auch durchgezogen, hat sich viel Arbeit aufgeladen, oft mehr als er musste. Er hat auch seine Kirchgemeinde gefordert. Aber nie mehr, als er selbst zu leisten bereit gewesen wäre. Das zeichnet ihn aus, als Mensch, als Pfarrer als einer, der immer an vorderster Stelle für seine Gemeinde streitet und sich einsetzt. Das brachte ihm nicht nur die Anerkennung in der Kirchgemeinde, sondern auch unter Nichtchristen. Seine streitbare Art, immer seine eigene Meinung zu vertreten, sich nicht verbiegen zu lassen, hat nicht allen gefallen. Pfarrer Albert polarisiert zweifelsohne. Er will auch gar nicht jedermanns Freund sein. Eine Haltung, die offenbar seine Kirchgemeinde geprägt hat, wie auch Einwohner in den Orten Bühlau, Lauterbach und Oberottendorf. Längst wird dort nicht mehr nach Christ und Nichtchrist unterschieden. Die Grenzen verlaufen fließend. Dort, wo helfende Hände gebraucht werden, sind sie da.

Wolfram Albert ist Pfarrer im Anstellungsverhältnis, aus Überzeugung ohne Beamtenstatus. Kirchen und Amtsprivilegien vereinbaren sich für ihn nicht und er hält das auch konsequent auseinander.

Bestattungen als Königsdisziplin

Pfarrer Albert feiert in seiner Kirchgemeinde die normalen Gottesdienste, die außerordentlichen, Taufen, Trauungen, arbeitet mit Kindern und Jugendlichen, betreut die Gemeindekreise und Rüstzeiten. Er kümmert sich um den Pfarrwald, die Kindergärten und die Friedhöfe. Die Seelsorge und die Krankenbesuche sind dabei nicht vergessen. An den Sonntagen feiert er drei Gottesdienste jeweils in den Kirchen von Bühlau, Lauterbach und Oberottendorf. Seine Mitmenschen schätzen ihn auch als Trauerredner. Bestattungen seien seine Königsdisziplin, heißt es in seiner Kirchgemeinde.

Auch diese Einschätzung kommt wohl nicht von ungefähr. Er selbst betont immer wieder, wie wichtig ihm ein würdevoller Abschied sei, wenn ein Mensch die Augen für immer geschlossen hat. Denn dafür gibt es keine Wiederholung. Viele Menschen hat er in seinen 35 Jahren als Pfarrer oder Freund auf ihrem letzten Weg begleitet.

Ferne Länder und fremde Kulturen kennenlernen

Nicht nur Erinnerungen an ihn bleiben. Auch er sagt von sich, dass ihm viele Dinge in Erinnerung bleiben werden, seien es die Treffs der Jungen Gemeinde oder der Konfirmationsrüstzeiten weit weg von Sachsen, ebenso die Ausflugsreisen der Gemeinde in ferne Länder, um fremde Kulturen kennenzulernen.

Kurz nach der Wende baute er die Lauterbacher Rumänienhilfe mit vielen ABM-Stellen und Tonnen von Hilfsgütern mit eigener Transporttechnik auf. Mehrmals im Jahr reiste die Hilfsorganisation nach Rumänien mit Bekleidung, Technik und vielen mehr an Bord. Die Hilfsarbeit in dem Balkanstaat hat sich gewandelt. Man setzt auf Hilfe zur Selbsthilfe. Ein Verdienst der Lauterbacher, nicht zuletzt, weil auch sie nach diesem Motto arbeiten. Und nicht umsonst steht die Dankesrede seiner Kirchgemeinde unter folgender Überschrift: Alle sagten: "Das geht nicht". Dann kam einer, der das nicht wusste und hat es einfach gemacht.

Mal so fix verabschieden geht nicht

Sein letzter Arbeitstag in der Gemeinde wird der 4. Dezember sein. Dann nimmt er Urlaub und eigentlich wollte er danach bis zu seinem Ruhestand in die Arbeitslosigkeit gehen. Doch das ist als Pfarrer offenbar gar nicht so einfach, wenn gar unmöglich. Aus diesem Grund wird er noch weitere neun Monate als Seelsorger arbeiten, wegen der neuen Kirchenstruktur aber nicht mehr in Bühlau, Lauterbach und Oberottendorf. Er wird für die nächsten Monate das Kirchspiel Eschdorf/Dittersbach mit betreuen, bevor er danach mit 64 Jahren in den Ruhestand gehen kann. Und erst dann wird er mehr Zeit für seine riesige Fahrzeugsammlung haben, für den Garten, für seine ostfriesischen Blaukopfschafe und natürlich für seine Frau.

Mehr Nachrichten aus Sebnitz und Umgebung lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Pirna und Umgebung lesen Sie hier.

Den täglichen kostenlosen Newsletter können Sie hier bestellen.

Mehr zum Thema Sebnitz