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Bergwacht ist immer häufiger im Einsatz

In diesem Jahr starben bisher drei Menschen am Fels in der Kletterregion Sächsische Schweiz. Bringen mehr Ringe mehr Sicherheit?

Die Bergwacht muss immer häufiger zu Unfällen in der Sächsischen Schweiz ausrücken.
Die Bergwacht muss immer häufiger zu Unfällen in der Sächsischen Schweiz ausrücken. © Marko Förster

Pirna. Fast kein Wochenende vergeht, ohne dass ein Kletter- oder Wanderunfall in der Sächsischen Schweiz gemeldet wird. Erst vor gut einer Woche stürzte ein 27-Jähriger beim Klettern ab. Der Mann wollte gemeinsam mit einem weiteren Kletterer über den Alten Weg auf den Klettergipfel Große Hunskirche am Papststein steigen. Von der großen Plattform aus nahm der 27-Jährige als Vorsteiger den Ausstieg der Südwand in Angriff. Dort stürzte er dann in die Tiefe. Auch eine gelegte Schlinge konnte den Aufprall auf die vier Meter tiefer befindliche Felsterrasse nicht verhindern. Er wurde mit einem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus nach Dresden geflogen.

Gleich zu zwei Einsätzen wurde die Bergwacht am gestrigen Mittwoch gerufen. Zwei Frauen konnten aus misslicher Lage befreit werden. Sie brauchten beim Wandern medizinische Hilfe. Eine Frau war gestürzt, die andere hatte unterwegs gesundheitliche Probleme bekommen. Und das sind nur Beispiele.

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Meistens Wanderunfälle

In diesem Jahr ist die Bergwacht Sächsische Schweiz bisher 88-mal zu Unfällen und Abstürzen in der Sächsischen Schweiz gerufen worden, wobei 70 Prozent der Einsätze Wanderunfälle waren. Bei 20 Prozent der Alarmierungen handelte es sich um Kletterunfälle und zehn Prozent machten Vermisstensuche, Orientierungslosigkeit und Hilfeleistung im Gebirge aus. Das teilt Christoph Weber, Bereitschaftsleiter der DRK Bergwacht Sebnitz und Koordinator der Bergrettung Sächsische Schweiz/Osterzgebirge, auf Anfrage von Sächsische.de mit.

Besonders tragisch ist, dass sich in diesem Jahr bereits drei tödliche Kletterunfälle ereigneten.

Weber hat Vergleichszahlen. Während im Jahr 2019 die Bergwacht zu insgesamt 124 Einsätzen gerufen wurde, waren es 2020 bereits 126. "In diesem Jahr wird diese Zahl wohl nochmals überschritten werden. Eine steigende Tendenz ist somit erkennbar", ordnet Weber ein.

Wie schon erwähnt, sind Wanderunfälle am häufigsten. "Sie entstehen durch Wegrutschen, Stolpern über Wurzeln sowie Umknicken beim Herunterlaufen am Berg. Das führt dann zu Knieverletzungen, Sprunggelenksfrakturen oder auch Schulterverletzungen, je nachdem, wie man fällt", erläutert Weber. Oftmals sind auch mangelnde Ausrüstung, unzureichende Vorbereitung bezüglich Orientierung und Routenplanung oder die Unterschätzung der Weglängen und Geländeanforderungen Ursachen für die Unfälle.

Mehr Sicherheit durch mehr Ringe am Fels?

Bei den Kletterunfällen handelt es sich in den meisten Fällen um sogenannte Vorstiegsstürze. Das bedeutet, der Kletterer, der zuerst hochklettert, sichert sich lediglich mit Schlingmaterialien gegen den Absturz ab. Seine eigene Sicherung ist also eher sporadisch. Besonders in den leichteren Klettertouren gibt es nur wenige fest installierte Sicherungsringe, was das Risiko für den Vorsteiger erhöht, so Weber.

Bei der Frage, ob mehr Sicherungsringe schützen würden, ist der Experte skeptisch. "Die Sächsische Schweiz ist ein traditionelles Klettergebiet. Das heißt, es gilt die Festlegung, dass Sicherungsringe mindestens drei Meter Abstand haben müssen. Würden mehr Sicherungsringe in dichteren Abständen verankert und damit diese Festlegung missachtet, würde dies die Umwidmung zum Sportklettergebiet bedeuten. Das wiederum würde vermutlich deutlich mehr Kletterer und somit auch höheres Risiko bedeuten", so Weber. Außerdem hat er den Naturschutz im Blick. "Mehr Ringe sind ein starker Einschnitt am Fels, der zu einer Schädigung des Gesteins führen kann", stellt der Fachmann fest.

Niemand sollte seine Kräfte überschätzen

Um Unfälle möglichst zu vermeiden, hat der Koordinator der Bergrettung gleich mehrere Tipps parat.

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Gleich zu zwei Einsätzen wurde die Bergwacht am Mittwoch gerufen. Zwei Frauen konnten aus misslicher Lage befreit werden.

  • Vor allem Wanderer sollten sich vorher über die genaue Routen- und Wegesituation informieren und sich nicht auf Online-Karten ihres Smartphones verlassen. Denn in der Sächsischen Schweiz ist kein flächendeckender Empfang vorhanden.
  • Wichtig sind natürlich auch angepasste wetterfeste Kleidung sowie festes Schuhwerk.
  • Die Kletterer sollten sich bewusst sein, dass sie in einem traditionellen Klettergebiet unterwegs sind, das heißt, sie müssen eigenhändig textile Schlingen legen. Der Sandstein ist aber weicher als zum Beispiel Granit oder Kalkstein, deshalb müssen diese Schlingen mit besonderer Sorgfalt gelegt werden.
  • Jeder Kletterer sollte sich vorab über den Schwierigkeitsgrad der Route informieren und seine persönliche Leistungsgrenze kennen. Niemand darf seine Kräfte am Felsen überschätzen. Das kann tödlich enden.
  • Wichtig sind ausreichende Verpflegung und reichlich Getränke.
  • Wird Hilfe der Bergwacht benötigt, ist diese über die Notrufnummer 112 anzufordern. Gebietsfremde können ihren Standort am nächsten Wegweiser erfahren. An der Rückseite eines jeden Wegweisers ist eine gelbe Standortnummer angegeben, die man unbedingt bei einem Notruf angeben sollte.
  • Selbsthilfeboxen sind in den Klettergebieten, aber auch an stark frequentierten Wanderwegen angebracht. Sie enthalten ein Sortiment von Erste-Hilfe-Material sowie Transportmittel (Klapptragen und Einwegdecken). Sie können bei Bedarf von jedem benutzt werden. Es wird erwartet, dass die Trage wieder zurückgebracht wird. Wenn dies nicht möglich sein sollte, ist unbedingt der DRK Kreisverband Sebnitz (Tel. 035971 7470) zu informieren.

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