merken
PLUS Pirna

Nackt durch die Sächsische Schweiz

Weg mit den Klamotten. Martin Nitsche aus Dohna ist Mitglied der Sächsischen Naturisten. Bei seinen Wandertouren stößt er nicht immer auf Toleranz.

Martin Nitsche wandert am liebsten nackt durch die Sächsische Schweiz.
Martin Nitsche wandert am liebsten nackt durch die Sächsische Schweiz. © privat

Den Wind auf der Haut spüren und sich frei fühlen, das macht für FKK-Anhänger die Faszination des Nacktwanderns aus. So empfindet auch Martin Nitsche, der dem Freundeskreis Sächsischer Naturisten seit 2018 vorsteht. Mit Sächsische.de sprach er über das außergewöhnliche Hobby, Toleranz, Vorbehalte und Pläne der Gruppe.

Herr Nitsche, waren Sie in diesem Jahr schon nackt unterwegs?

Anzeige
Kunst ist nicht verhandelbar
Kunst ist nicht verhandelbar

Der Palais Sommer - Ein fairer Arbeitgeber

Ja, zusammen mit einem Freund haben wir Ende März zwei schöne Tagestouren gemacht. Damals konnte man sich noch mit einem anderen Hausstand treffen. Wir waren im Bielatal unterwegs und den Tag darauf an den Schrammsteinen. Das Wetter hatte gepasst, so dass wir völlig nackt gehen konnten, bis auf die Schuhe und dem Rucksack auf dem Rücken.

Bestimmt sind Sie dabei auch anderen begegnet. Wie ist deren Reaktion?

Also, im Bielatal waren wir fast alleine. Aber an den Schrammsteinen herrschte ordentlich Betrieb. Die Reaktionen der anderen Wanderer und Spaziergänger auf uns ist immer unterschiedlich. Manche laufen vorbei und schmunzeln. Andere nehmen uns gar nicht wahr, wiederum andere gucken weg. Wir erleben oft, dass Kinder offener als die Erwachsenen sind. Häufig fragen sie die Eltern, warum wir nackt wandern. Dann müssen die Eltern erklären, dass wir das schön finden. Manchmal reagieren die Kinder auch damit, dass sie sich ebenfalls ausziehen möchten. In dem Fall schmunzeln wir dann.

Sind Sie auch schon mal von anderen angefeindet worden?

Ja, aber das kommt wirklich sehr selten vor. Es sind dann auch eher Anpöbelungen, in Form von Macho-Sprüchen. Wir lassen uns aber nicht provozieren, sondern gehen einfach weiter. Selbst im katholisch geprägten Westfalen, wo befreundete Nacktwanderer laufen, ist bisher kein Bauer mit der Mistgabel hinterher gekommen. Die Toleranz wächst.

Dennoch ist der Naturismus ein Reizthema, das polarisiert. Können Sie verstehen, dass es auch Menschen gibt, die den Anblick nackter Wanderer ablehnen?

Ja, denn Nacktheit ist leider immer noch ein Tabuthema und wird fälschlicherweise oftmals mit Sexualität in Verbindung gebracht. Ich betone erneut: Wir sind keine Exhibitionisten, sondern möchten in Ruhe die Natur genießen. Wir wollen auch niemanden überzeugen, aber freuen uns über Toleranz, die wir auch anderen entgegenbringen.

Was ist so toll daran, ohne Kleidung zu wandern?

Es ist der direkte Kontakt zur Natur. Wind, Sonne, aber auch mal einen Schauer spürt man viel intensiver. Schließlich ist die Haut ja unser größtes Organ. Und es ist auch schön, wenn man nach einer anstrengenden Wanderung an einem heißen Tag zum Beispiel gleich in die Kirnitzsch springen kann, ohne sich erst auszukleiden.

Wenn nicht gerade Corona ist, laufen Sie in der Gruppe. Könnten Sie sich persönlich vorstellen, auch alleine loszugehen?

Letztes Jahr habe ich zum ersten Mal die Erfahrung gemacht, wie es ist, auch allein durch den Wald zu wandern. Vorher dachte ich immer, dass dies noch ein Stück mehr Überwindung kostet, da man in einer Gruppe auch etwas Schutz vor eventuellen Kommentaren genießt. Doch zu meinem Erstaunen begegnete ich bei meine Touren über den Malerweg im vergangenen Jahr nur Menschen, mit denen ich auch ins Gespräch kam und so deren Fragen beantworten konnte. Es waren gute Begegnungen.

Sie gehen nicht nur nackt wandern...

Richtig, wir radeln auch nackt und paddeln ohne Bekleidung. Der Freundeskreis der Naturisten besteht aus rund 25 Mitgliedern, die aus der Pirnaer Region, aber auch aus der Dresdner Ecke und von weiter her kommen. Frauen und Männer. Beruflich sind wir ein bunter Mix. Unter anderem gehören Selbstständige, Rentner, Logistiker, Erzieher und Ingenieure unserer Gruppe an.

Welche Pläne hat der Freundeskreis in diesem Jahr?

Weiterführende Artikel

Sächsische Schweiz: Wo am besten parken?

Sächsische Schweiz: Wo am besten parken?

Kein freier Stellplatz, ärgerliche Knöllchen - ein Ausflug mit dem Auto kann stressig werden. Erstmals gibt es für die Region eine Übersicht aller legalen Parkplätze.

Sächsische Schweiz: Kulturgarten für Königstein

Sächsische Schweiz: Kulturgarten für Königstein

An der Elbpromenade ist ein neuer Verweilort für Einheimische und Touristen geplant. Hier soll der Durst nach Bier gestillt werden - und auch der nach Kultur.

Sächsische Schweiz: Wohin mit dem Wohnmobil zu Himmelfahrt?

Sächsische Schweiz: Wohin mit dem Wohnmobil zu Himmelfahrt?

Die Campingplätze dürfen nicht öffnen. Trotzdem sind bereits viele Caravans unterwegs. Hier ein paar Tipps.

Sächsische Schweiz: Wie viele Wege bleiben offen?

Sächsische Schweiz: Wie viele Wege bleiben offen?

Einige Routen sind freigesägt, doch für viele Wanderwege im Nationalpark fällt die Prognose düster aus. Bei den Touristikern wächst die Sorge.

Das hängt natürlich auch von den aktuellen Corona-Verordnungen ab. Aber vom 15. bis zum 23. Juli laden wir wieder zu den Naturisten-Tagen in der Sächsischen Schweiz ein. Zahlreiche Wanderungen und Ausflüge sind geplant. Im vergangenen Jahr kamen zu den Naturisten-Tagen rund 50 Teilnehmer, elf davon aus dem Ausland.

Mehr Nachrichten aus Pirna und der Sächsischen Schweiz lesen Sie hier.

Den täglichen kostenlosen Newsletter können Sie hier bestellen.

Mehr zum Thema Pirna