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Gefährliche Eiskolosse im Elbsandstein

Noch zaubert die Natur Eisvorhänge in der Sächsischen Schweiz. Das Tauwetter wird die eisigen Schönheiten jetzt zerstören. Nicht ohne Folgen.

Nationalparkführer Heiko Hesse gelang dieser Schnappschuss an einer Eiswand bei Hinterhermsdorf.
Nationalparkführer Heiko Hesse gelang dieser Schnappschuss an einer Eiswand bei Hinterhermsdorf. © Heiko Hesse

Ob im Polenztal, im Sebnitztal, bei Hohnstein und Hinterhermsdorf oder auch im Kirnitzschtal. Überall wachsen aufgrund der noch kalten Nächte die Eisvorhänge immer dichter. Die Gebilde werden imposanter denn je, auch wegen ihres intensiven Farbspiels. Doch schon bei einigen ist zu sehen, dass das Wasser nur noch darüber rinnt und nicht gefriert. Und deshalb wird die eisige Pracht jetzt gefährlich.

Wer also etwa hoffte, dass die Eiszapfen in der Gautschgrotte doch zusammenwachsen werden, hat sich getäuscht. In diesem Jahr ist das nicht gelungen. Grund dafür ist, dass der Wasserzulauf ziemlich stark war und deshalb breitflächig über den Felsvorsprung gesickert ist. Letztmalig wurde im Winter 2012 ein durchgehender Zapfen mit einer Höhe von 22 Metern bestaunt. Damals allerdings war das Wasser gleich einem Rinnsal über den Felsvorsprung nach unten getropft und hatte für den Riesenzapfen gesorgt. Jetzt scheint allerdings ein Engel emporzusteigen.

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Da das Eis in der Gautschgrotte auf breiter Fläche gewachsen ist, reicht es nicht für einen Riesenzapfen.
Da das Eis in der Gautschgrotte auf breiter Fläche gewachsen ist, reicht es nicht für einen Riesenzapfen. © Mike Jäger

Eisige Schönheit ist nicht von Dauer

Bereits jetzt gluckst es an einigen Stellen solcher eisiger Vorhänge gewaltig. Und deshalb könnte es in den nächsten Tagen gefährlich werden, wenn man zu dicht an solche eisigen Gebilde herantritt oder sich gar darunter stellt. Es gilt also auch hier, wenn auch nicht wegen Corona: Abstand halten.

Der Schmilkaer Bergsteiger und Fels-Experte Mike Jäger beobachtet die Bewegungen in der Gautschgrotte inzwischen eher misstrauisch. "Durch das Wasser kann es passieren, dass das Eis oben vom Fels, wo es wie festgeklebt angewachsen ist, wegreißt und der Zapfen wegen des enormen Eigengewichtes zusammenbricht", sagt er. Und das wiederum ist für Wanderer kreuzgefährlich. Zumindest zur Gautschgrotte würden derzeit Heerscharen pilgern, um das Naturschauspiel zu beobachten. "Die Menschen stehen unter dem Eisfall zum Fotografieren und sich der Gefährdung gar nicht bewusst", sagt Jäger. Experten warnen generell davor, solchen Eisgebilden angesichts steigender Temperaturen zu nahe zu kommen. Wegen der eisigen Massen, die an manchen Felsen hängen, wie zum Beispiel auch im Kirnitzschtal, kann man sich ausrechnen, mit welcher Wucht die eisigen Kolosse dann nach unten stürzen.

Vorsicht ist aber nicht nur vor den Eisvorhängen im Elbsandsteingebirge geboten. Schneelast und immer länger werdende Eiszapfen an manchen Dächern lassen diese ebenfalls gefährlich werden für Fußgänger und Kraftfahrer.

Übrigens sind dafür die Eigentümer der Gebäude verantwortlich, da für diese die Verkehrssicherungspflicht besteht und sie für eventuelle Schadensersatzansprüche aufkommen müssen. Wenn die Eiszapfen zu groß und schwer werden oder sich an unzugänglichen Stellen befinden, kann man mit dem Entfernen auch die Feuerwehr beauftragen. Hauseigentümer sollten aber wissen, dass solche Einsätze kostenpflichtig sind. Geregelt ist das im Sächsischen Brandschutzgesetz. Hauseigentümer können aber auch private Unternehmen beauftragen. die Eiszapfen zu entfernen. Nur weg muss sie eben, die eisige Gefahr von oben.

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