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Sächsische Schweiz: Aufs Klo, nur wo?

Wanderungen boomen in der Corona-Zeit, auch im Elbsandsteingebirge. Weil Gasthäuser zu sind, kommt es jedoch zur Not mit der Notdurft. Erste Hilfe ist in Sicht.

Wo bitte geht's zum Papststein? Und zur Toilette? Auf dem Wanderparkplatz bei Gohrisch soll bis Ende Juli eine Waldtoilette gebaut werden.
Wo bitte geht's zum Papststein? Und zur Toilette? Auf dem Wanderparkplatz bei Gohrisch soll bis Ende Juli eine Waldtoilette gebaut werden. © Steffen Unger

Raus in die Natur und den Stress hinter sich lassen. Ein Trend, der durch die Corona-Pandemie noch verstärkt wurde. Wandern boomt mehr denn je, auch in der Sächsischen Schweiz. An den vergangenen Wochenenden quollen die Wanderparkplätze im rechts- und linkselbischen Teil des Elbsandsteingebirges teilweise über.

Mehr Ausflügler bedeuten gleichzeitig auch mehr menschliche Bedürfnisse. Der Abstecher in die Natur kann deshalb schnell eine unangenehme Wendung nehmen, wenn plötzlich die Blase oder der Darm drückt und kein stilles Örtchen für die Notdurft in der Nähe bereitsteht. Gasthäuser und Bergbauden sind in solch einer Situation oft Rettung in der Not. Angesichts der Corona-Situation und den einhergehenden Beschränkungen sind derzeit aber nicht nur viele Gaststätten geschlossen, sondern auch deren Toiletten. Ein echtes Problem - für Wanderer und auch die Natur.

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Hinterlassenschaften schädigen Natur

Das kennt der Tourismusverband Sächsische Schweiz. "Nicht nur Essen und Trinken sind ein Grundbedürfnis, sondern auch der Gang zu einer öffentlichen Toilette", sagt Geschäftsführer Tino Richter. Solange die Gastronomie offen war und ihre Sanitäreinrichtung zur Verfügung gestellt hat, hätten Wanderer meist einen Ort gefunden, sich für das menschliche Bedürfnis zurückzuziehen. Durch die corona-bedingt geschlossenen Gasthäuser hätte sich das Problem jedoch verschärft.

Viele Touristen würden in der Not in den Wald gehen. Mit unappetitlichen Folgen. Die menschlichen Hinterlassenschaften seien das eine, Taschentücher oder Feuchttücher das andere. "Dieses Material liegt Ewigkeiten herum und schädigt die Natur", sagt Richter. Im ungünstigsten Fall kann es bis zu fünf Jahre dauern, bis Papiertaschentücher vollständig verrottet sind.

Umso wichtiger sei für den Tourismusverband eine entsprechende Toiletten-Infrastruktur. Eine Übersicht für Wanderer und Ausflügler, wo es öffentliche Sanitäreinrichtungen gibt, gäbe es bislang nicht. Ein Schritt dahin werde aber gemacht. Laut Richter würde der Verein Landschaf(f)t Zukunft zusammen mit dem Landratsamt an einer Studie arbeiten und die vorhandenen Parkplätze erfassen. In dem Zusammenhang werde ebenfalls festgehalten, an welchen Parkplätzen es bereits Toiletten gibt. "An großen Parkplätzen sollte das künftig ein Muss sein, nicht nur als Service für unsere Gäste", meint Tino Richter.

Am Wanderparkplatz an der Fähre in Schmilka gibt es öffentliche Toiletten. An vielen anderen Stellen in der Sächsischen Schweiz sind diese Mangelware.
Am Wanderparkplatz an der Fähre in Schmilka gibt es öffentliche Toiletten. An vielen anderen Stellen in der Sächsischen Schweiz sind diese Mangelware. © Steffen Unger

Forststeig-Toiletten dienen als Vorbild

Je nach Standort müsse man über eine stationäre oder Interimslösungen nachdenken. Mit Interimslösungen sind mobile Toiletten gemeint, wie sie zum Beispiel auch Dixi oder Toi Toi bereitstellen. Das sei jedoch nur in der allergrößten Not eine Option. "Denn diese blauen Plastikhäuschen passen leider gar nicht in unsere tolle Landschaft", äußert sich Richter.

Viel lieber würde er naturnahe Toiletten favorisieren, wie sie bereits am Forststeig genutzt werden. Die Trekkingroute im linkselbischen Teil der Sächsischen und Böhmischen Schweiz, die sich wegen ihrer 110 Kilometer Länger vor allem an Mehrtageswanderer richtet, hat an den Biwakplätzen und Trekkinghütten sogenannte Komposttoiletten, die in der Saison von April bis Oktober genutzt werden. Für Richter ist das ein "guter Weg, weil umweltverträglich", wie er sagt.

Neue Waldtoiletten im Bielatal und am Papststein

Noch in dieser Saison soll in zwei beliebten Wandergebieten das Toiletten-Problem gelöst werden. Dafür will der Sachsenforst sorgen. Auf den beiden Parkplätze an der Ottomühle im Bielatal und am Papststein zwischen Gohrisch und Papstdorf sollen je eine umweltfreundliche Waldtoilette aufgebaut werden. "Wir wollen das als Pilotprojekt testen", sagt Uwe Borrmeister, Leiter des Forstbezirkes Neustadt. In der Vergangenheit sei bereits mehrfach über den Bedarf gesprochen worden. Der Sachsenforst, der den Parkplatz an der Ottomühle betreut, will darauf nun reagieren. Und gleichzeitig testen, ob damit angesichts des hohen Besucheraufkommens Verschmutzungen der umliegenden Naturflächen zu vermeiden sind. Denn diese gäbe es im Bielatal und am Papststein vermehrt.

So könnten die neuen Waldtoiletten für das Bielatal und den Papststein aussehen: Naturnah und mit dezenter Holzoptik.
So könnten die neuen Waldtoiletten für das Bielatal und den Papststein aussehen: Naturnah und mit dezenter Holzoptik. © Sachsenforst

Bei den Waldtoiletten handelt es sich um sogenannte Trockentrenntoiletten, die eine umweltfreundliche Entsorgung möglich macht. Die Anlage sei zudem barrierefrei. Das Häuschen werde mit Lärchenholz verkleidet. "Das System wurde bereits erfolgreich an acht Standorten im Nationalpark Hainich umgesetzt", sagt Borrmeister. Es ist der bislang einzige Nationalpark in Thüringen.

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Je Standort wird der Sachsenforst rund 15.000 Euro pro Waldtoiletten investieren. Die Vorbereitungen und Planungen dazu seien bereits größtenteils abgeschlossen. Voraussichtlich bis Ende Juli soll der Bau abgeschlossen sein.

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