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Toter von der Bastei war bekannter Hotelier

Drei Monate nach dem schrecklichen Fund ist klar, wer im Juni unterhalb der Basteibrücke starb. Jetzt wurde Thomas Rieß beerdigt.

Der 60-jährige Thomas Rieß wurde am 20. Juni unterhalb der Basteibrücke gefunden. Er hinterlässt tief bestürzte Angehörige und Freunde.
Der 60-jährige Thomas Rieß wurde am 20. Juni unterhalb der Basteibrücke gefunden. Er hinterlässt tief bestürzte Angehörige und Freunde. © Marko Förster

Er lebte für seine Gäste und die Sächsische Schweiz, war über zwei Jahrzehnte Chef vom Strandhotel in Stadt Wehlen und kippte sogar die Kurtaxe von Dresden: Thomas Rieß. Als am Morgen des 20. Juni unterhalb der Basteibrücke ein lebloser Mann gefunden wurde, wusste noch niemand, dass er es ist. Am 4. September wurde Rieß auf dem Wehlener Friedhof beigesetzt. Die Staatsanwaltschaft hat eine Straftat ausgeschlossen. Auf dem Grabstein steht als Todesdatum der 19. Juni.

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Der Tod des 60-Jährigen hinterlässt tief bestürzte Angehörige und Freunde. Der Name von Thomas Rieß und seinem Vater Günter sind eng mit der Sächsischen Schweiz verbunden. Die Familie hatte nach der Wende das 1972 enteignete Wehlener Strandhotel zurückbekommen. Rieß Vater und Sohn zogen von Bonn nach Wehlen und investierten rund drei Millionen Euro in den Umbau. Im Herbst 1992 öffnete das Hotel wieder. Das Hotel war seit 1936 in Familienbesitz. Rieß' Vater, der gelernte Optiker, hatte es 1960 von seinen Eltern geerbt. Thomas Rieß managte das Hotel, zu dem auch der Wehlener Hof gehörte. Sein Vater war die graue Eminenz.

Dresden erfolgreich verklagt

Rieß junior spielte in seiner Kindheit gern Fußball, war sozial engagiert, leitete Jugendfreizeiten. Er legte das Fachabitur ab, absolvierte eine Lehre zum Reisekaufmann. Als großer Musikliebhaber machte er sich 1988/89 selbstständig und eröffnete einen CD-Laden „Capricorn Disc“ in Köln.

Von 1999 bis zum Hochwasser 2002 hatte Thomas Rieß auch den Schillergarten in Dresden. Rieß setzte sich nach der Flutkatastrophe dafür ein, dass an die Hoteliers der Region Gelder für den Wiederaufbau flossen und machte die Medien auf dessen Lage aufmerksam. Durch Förderungen konnte er das Wehlener Hotel sanieren und wiedereröffnen. 2005 übernahm Rieß den Gutshof Hauber in Dresden. 2013 setzte das nächste Elbe-Hochwasser auch seinem Hotel wieder zu, sodass er es 2014 verkaufte und den Gutshof in Dresden weiter betrieb. Bis zu seinem Tod. In der Corona-Pause verschönerte er die Gaststätte, noch im Frühjahr dieses Jahres wurden die Stühle neu bezogen.

Rieß wurde 2014 vielen bekannt, als er mit Unterstützung des Hotel- und Gaststättenverbandes Degoha gegen die eingeführte Kurtaxe in Dresden klagte. Das Sächsische Oberverwaltungsgericht in Bautzen erklärte die Satzung für die Kurtaxe für unwirksam.

Thomas Rieß fühlte sich als Hotelier im Gutshof Hauber wohl. Hier begrüßte er die Gäste persönlich und gab ihnen Tipps. Am 1. September wurde das Hotel mit neuem Betreiber wieder eröffnet. Seine Werbung "Sächsisch, freundlich, niveauvoll, denn was gut ist, sollte erhalten bleiben" klingt nach einer Hommage an Thomas Rieß.

Noch viele Pläne gehabt

Er hatte erkannt, dass in jeder Krise eine Chance steckt. Seine sächsische Heimat liebte er über alles. Wenn er Zeit hatte, ging er früh morgens auf Wanderung. Er hatte immer Pläne, war begeisterungsfähig und setzte neue Dinge um. Freunde erzählen, er sei sehr rührig gewesen. Sie bewunderten ihn dafür, dass er den Kopf so gut wie nie in den Sand steckte.

Auch für dieses Jahr hatte Thomas Rieß noch zahlreiche Pläne. Er wollte die Beete umgestalten, eine Blumenwiese, einen Kräutergarten anlegen und ein Solardach installieren lassen und freute sich auf die diesjährige Saison. Umso unerklärlicher der plötzliche Tod. (mit SZ/sab)

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Anmerkung der Redaktion: Bei dem aktuellen Fall ist noch unklar, ob es sich um einen tragischen Unfall oder einen Suizid handelt. Aufgrund der hohen Nachahmerquote berichten wir in der Regel nicht über das Thema Suizid, außer es erfährt durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Wenn Sie selbst unter Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Selbstmordgedanken leiden oder Sie jemanden kennen, der daran leidet, können Sie sich bei der Telefonseelsorge helfen lassen. Sie erreichen sie telefonisch unter 0800 1110111 und 0800 1110222 oder im Internet auf www.telefonseelsorge.de. Die Beratung ist anonym und kostenfrei, Anrufe werden nicht auf der Telefonrechnung vermerkt.

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