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Totholz bedroht die Obere Schleuse

Abgestorbene Fichten stürzen in die Klamm der bei Touristen beliebten Kahnfahrt in Hinterhermsdorf. Der Nationalpark erwägt sogar einen Hubschraubereinsatz.

Ein Bild aus besseren Tagen. Bevor die Kähne wieder fahren können, müssen abgestorbene Fichten aus der Klamm.
Ein Bild aus besseren Tagen. Bevor die Kähne wieder fahren können, müssen abgestorbene Fichten aus der Klamm. © Steffen Unger

Immer pünktlich zum Karfreitag haben sich jahrelang die ersten Touristen durch die wildromantische Kirnitzschklamm bei Hinterhermsdorf gondeln lassen. Die Kahnfahrt auf der Oberen Schleuse ist eine der Attraktionen der Hinteren Sächsischen Schweiz, Ostern startet der Betrieb traditionell in die Saison. In diesem Jahr war das nicht der Fall, und die Corona-Pandemie mit den daraus folgenden Einschränkungen für Tourismusbetriebe ist nur einer der Gründe.

Der zweite Grund ist die aktuell angespannte Lage in den Wäldern des Nationalparks Sächsische Schweiz. Der Borkenkäfer hat die Fichten großflächig zum Absterben gebracht, jetzt brechen die Bäume reihenweise um. Das Gebiet um Hinterhermsdorf ist aktuell besonders davon betroffen, zwischen dem Dorf und der tschechischen Grenze sind zahlreiche Wanderwege unpassierbar, darunter auch der Schleusenhornweg am Hermannseck, der zur klassischen Runde nach einer Kahnfahrt gehört.

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Doch auch an der Oberen Schleuse selbst droht Gefahr durch herabstürzende Fichten. An den steilen Felshängen links und rechts der angestauten Kirnitzsch stehen jeweils rund 30 abgestorbene Bäume, die akut absturzgefährdet sind, erklärt Jens Willmuth, Geschäftsführer der kommunalen Tourismus- und Dienstleistungsgesellschaft Sebnitz (TDS), die die Kahnfahrt für die Stadt Sebnitz betreibt. Flussabwärts sind die ersten bereits umgebrochen.

Gefährliche Fichten sollen vor Saisonstart raus

Die akut gefährlichen Fichten müssen noch vor dem Saisonstart raus, darüber sind sich alle Beteiligten einig. Die Frage ist nur, wie das in dem schwierigen Gelände technisch machbar ist. Hinzu kommt, dass die Aktion länderübergreifend koordiniert werden muss. Die Grenze zwischen Deutschland und Tschechien verläuft genau in der Mitte des Flusses. Ein Teil der toten Bäume steht auf tschechischer Seite, ein anderer auf deutscher. Hinzu kommen laut einem Gutachten des Nationalparks Böhmische Schweiz rund 170 weitere abgestorbene Bäume, die schrittweise später beseitigt werden sollen.

"Der Standort ist extrem", sagt Tomas Salov vom Nationalpark Böhmische Schweiz. "Die Bäume befinden sich auf steilen Felsenhängen, die Arbeiten müssen von Spezialisten vorgenommen werden, die mit Klettertechnik vertraut sind." In den meisten Fällen würden die Stämme beim Fällen wohl in die Klamm stürzen, weil eine Sicherung im Hang schlicht nicht möglich ist, befürchtet der Sprecher des Nationalparks auf tschechischer Seite.

Nationalpark prüft Hubschraubereinsatz

Genau dieses Abstürzen der gefällten Fichten in die Klamm würde man von deutscher Seite gern vermeiden, denn die Bäume könnten Schaden an dem Biotop anrichten und müssten dann aufwendig beräumt werden. Die Lösung wäre ein Hubschrauber. Diese Variante hat der Leiter des Nationalparks Sächsische Schweiz, Ulf Zimmermann, kürzlich in einer Sitzung des Sebnitzer Stadtrats ins Spiel gebracht, sie werde geprüft. Ein solcher Hubschraubereinsatz würde rund 120.000 Euro kosten.

Ob die toten Bäume tatsächlich per Hubschrauber ausgeflogen werden, gilt unter Insidern allerdings als fraglich. Zu groß wären wohl die Kollateralschäden in dem Schutzgebiet. Die Brutzeit der Vögel wie dem seltenen Wanderfalken hat bereits begonnen. Wie in jedem Frühjahr ist eine Reihe von Klettergipfeln deshalb gesperrt. Generell darf im Nationalpark sowie dem benachbarten Landschaftsschutzgebiet nicht einmal eine Drohne aufsteigen. Ein tieffliegender Helikopter könnte die Tiere verschrecken und zudem weitere abgestorbene Fichten umwerfen.

Tschechien: 300 Fichten an der Edmundsklamm gefällt

In der kommenden Woche wollen die Nationalparks und die Stadt Sebnitz das Vorgehen bei einem Ortstermin in der Kirnitzschklamm besprechen. Im Hintergrund dürfte auch die Kostenübernahme für das Bergen der toten Fichten zu den spannenden Fragen gehören. Denn von der Kahnfahrt profitiert vornehmlich die deutsche Seite, von Tschechien aus gibt es keinen direkten Zugang.

Der Nationalpark Böhmische Schweiz sieht die Stadt Sebnitz als Betreiber an, der ein kommerzielles Interesse verfolgt und dafür auch die tschechische Hälfte des Flusses nutzt. Auf deutscher Seite jedoch hat Sebnitz die Fläche in der Kernzone des Nationalparks Sächsische Schweiz nur gepachtet, Eigentümer ist der Freistaat Sachsen.

Als vor Kurzem in der böhmischen Edmundsklamm und der Wilden Klamm für die dortige Kahnfahrt 300 abgestorbene Fichten entnommen werden mussten, habe das die tschechische Gemeinde Hřensko übernommen und sich auch finanziell beteiligt, berichtet Tomas Salov vom Nationalpark Böhmische Schweiz.

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Die Kähne für die Obere Schleuse in Hinterhermsdorf jedenfalls sind geputzt und startklar, erklärt TDS-Chef Jens Willmuth. Bis sie fahren können, würden seine Mitarbeiter da, wo es geht, beim Beräumen der Bäume in der Kirnitzschklamm auch mit anpacken. Die Zusammenarbeit mit dem Nationalpark vor Ort im Wald sei konstruktiv und funktioniere gut.

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