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Umweltminister verspricht Lösung für Obere Schleuse

In der Kirnitzschklamm sollen tote Fichten per Hubschrauber geborgen werden. Das ist teuer. Jetzt steht eine Vereinbarung mit Tschechien in Aussicht.

Aufräumarbeiten im Frühjahr. Aktuell befördern die Kähne wieder Touristen. Weitere Eingriffe sind aber nötig.
Aufräumarbeiten im Frühjahr. Aktuell befördern die Kähne wieder Touristen. Weitere Eingriffe sind aber nötig. © Steffen Unger

Die Kähne auf der Oberen Schleuse in der Sächsischen Schweiz sollen auch in der kommenden Saison fahren können. Bis zum Januar wolle man gemeinsam mit Tschechien eine Lösung für die abgestorbenen Fichten in der Kirnitzschklamm bei Hinterhermsdorf finden. Das erklärte Sachsens Umweltminister Wolfram Günther (Grüne) nach einem Treffen mit dem tschechischen Vize-Umweltminister Vladislav Smrž in Prag.

"Ich freue mich, dass wir Bewegung in die Situation bringen konnten. Für mich ist es unverändert wichtig, dass der Bereich Obere Schleuse weiterhin touristisch nutzbar bleibt", sagte Günther nach dem Gespräch, das Ende vergangener Woche in der tschechischen Hauptstadt stattfand. Die beiden Minister wollen das Problem nun gemeinsam angehen.

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Es geht um die weitere Verkehrssicherung der Klamm. Dort stehen links und rechts an den steilen Felshängen noch dutzende tote Fichten, die herabzustürzen drohen. Die abgestorbenen Bäume sollen per Hubschrauber aus dem schwer zugänglichen Gelände ausgeflogen werden. Das hatte der Nationalpark Sächsische Schweiz bereits im Frühjahr angekündigt. Neben der extremen Topografie wird die Situation noch durch den Grenzverlauf verkompliziert: Die Landesgrenze zwischen Deutschland und Tschechien verläuft genau in der Mitte des Flusses.

Hubschraubereinsatz wird teurer

Ein solcher Hubschraubereinsatz ist teuer. Allein auf deutscher Seite, wo aktuell der größte Anteil abgestorbener Fichten steht, werden die Kosten mittlerweile auf rund 220.000 Euro geschätzt (vor einigen Monaten war noch von 120.000 Euro die Rede), auf tschechischer Seite sind es mindestens 40.000 Euro. Zusätzliche Aufwände für Planung, Vorbereitung und Arbeitsbegleitung sind da noch nicht einkalkuliert.

Schwieriges Gelände: Gefällte Käferfichten liegen an den steilen Felshängen der Kirnitzschklamm.
Schwieriges Gelände: Gefällte Käferfichten liegen an den steilen Felshängen der Kirnitzschklamm. © Steffen Unger

In Tschechien fehlte es laut dem dortigen Umweltministerium bisher allerdings an einer Rechtsgrundlage, um die kommenden Arbeiten zu finanzieren. Sachsens Umweltminister Günther und der tschechischen Vize-Umweltminister Smrž haben nun verabredet, dass die verantwortlichen Stellen in Kürze erneut zusammenkommen, um die Finanzierung zu klären.

Im Frühjahr hatten tschechische Forstarbeiter bereits knapp 40 akut bruchgefährdete Fichten auf böhmischer Seite gefällt. Der Großteil der Bäume fand an dem Steilhang keinen Halt, sie kippten hinunter in die Kirnitzsch. Dort wurden sie dann von den Kahnfahrern der Oberen Schleuse und Mitarbeitern der Sebnitzer Tourismus- und Dienstleistungsgesellschaft (TDS) in wochenlanger Arbeit zersägt und per Kahn aus der Klamm bugsiert.

Wenn nichts passiert, droht Sperrung der Klamm

Die Stadt Sebnitz als Betreiber der Kahnfahrt und der Nationalpark Böhmische Schweiz hatten dafür kooperiert. Auf deutscher Seite der Kirnitzschklamm hatte der Nationalpark Sächsische Schweiz bereits in der Vergangenheit immer wieder tote Bäume fällen lassen. Auch aktuell laufen Sicherungsarbeiten entlang von Rettungswegen im Gebiet um Hinterhermsdorf.

Naturidylle bei einer Kahnfahrt durch die Kirnitzschklamm in Hinterhermsdorf.
Naturidylle bei einer Kahnfahrt durch die Kirnitzschklamm in Hinterhermsdorf. © Archivfoto: Steffen Unger

Mitte Juni konnte die Kahnfahrt auf der Oberen Schleuse dann verspätet in die Saison starten. Mit unter regulären Bedingungen bis zu 50.000 Gästen pro Jahr zählt sie zu den gefragten Touristenattraktionen in der Hinteren Sächsischen Schweiz. Damit die Gäste auch in den kommenden Jahren eine Fahrt über die angestaute Kirnitzsch genießen können, müssen weitere gefährliche Bäume aus der Klamm.

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Die Zeit dafür drängt. Die Arbeiten müssen laut dem Umweltministerium möglichst noch in diesem Herbst stattfinden. Danach könne der natürliche Zerfallsprozess der abgestorbenen Bäume soweit fortgeschritten sein, dass ein Helikopter-Einsatz nicht mehr möglich ist. Als gesetzte Frist für jegliche Arbeiten im Nationalpark gilt der Beginn der Brutzeit am 15. März. Die Folge wären noch teurere und langwierigere Maßnahmen. Das würde bedeuten, dass die Kirnitzsch ab der kommenden Saison aus Sicherheitsgründen nicht mehr befahrbar wäre.

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