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Warum im Nationalpark gebohrt wird

Im Nassen Grund in der Sächsischen Schweiz haben Bohrungen begonnen. Mit Spezialtechnik geht es tief hinunter ins Gestein.

Messstelle im Nassen Grund: Die Bohrarbeiten werden rund drei Monate dauern.
Messstelle im Nassen Grund: Die Bohrarbeiten werden rund drei Monate dauern. © Mike Jäger

Ein Lkw hat sich vom Kirnitzschtal aus die Forststraße durch den Nassen Grund hinauf gekämpft, dort steht die blaue Maschine jetzt am Abzweig zum Wanderweg Eulentilke, ein ausgefahrenes Gestänge ragt meterweit in die Höhe. Der Bereich ist mit Bauzäunen abgesperrt, verlegte Holzbohlen sollen den Waldboden schützen. Was passiert hier mitten im Nationalpark Sächsische Schweiz?

Die Arbeiten haben ausnahmsweise nichts mit dem Borkenkäfer und abgestorbenen Bäumen zu tun, hier im Nassen Grund geht es in die Tiefe - und zwar bis zu 300 Meter hinunter ins Gestein. Der blaue Lkw bohrt nach Wasser.

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Im Nassen Grund in der Sächsischen Schweiz befindet sich eine Grundwassermessstelle. Sachsenweit existiert ein ganzes Netz von über 4.000 solcher Messstellen. Experten behalten damit den Pegel und die Beschaffenheit des Grundwassers im Blick. Die Messstelle im Nassen Grund gibt es schon seit 1982, war aber irgendwann defekt und hat nicht mehr den aktuellen Anforderungen genügt. Vor gut zwei Jahren, im Winter 2018/19, wurde deshalb schon einmal neu gebohrt.

Die Messstellengruppe im Nassen Grund besteht genau genommen aus drei Messstellen in unterschiedlichen Tiefen, wie Karin Bernhardt vom Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie erklärt, da auch das Grundwasser in mehreren Schichten fließt. Nach dem aufwändigen Neubau, bei dem 2018 schon einmal bis in 300 Meter Tiefe gebohrt wurde, hat die Anlage aber noch nicht vollständig funktioniert.

Messtelle im Nassen Grund wird erneut aufgebohrt

Jetzt wird deshalb eine der drei Messstellen erneut aufgebohrt. Die damals eingebauten Rohre werden herausgezogen, danach wird der Untergrund nochmals auf eventuelle geologische Unregelmäßigkeiten untersucht. Anschließend wird die Messstelle neu verrohrt. Erst dann kann die Messstation in den Dauerbetrieb gehen, erklärt Karin Bernhardt vom Landesamt.

Das vom Freistaat beauftragte Bohrunternehmen rechnet aktuell mit einer Dauer von etwa drei Monaten. Ob die Arbeiten in dieser Zeit abgeschlossen werden können, hängt unter anderem von der Witterung ab - durch den jüngsten Frost musste der Bohrbeginn schon einmal zwei Wochen verschoben werden - und davon, wie schnell der Bohrer durch das teils feste Gestein vorankommt.

Neben dem eigentlichen Ziel der Grundwasserüberwachung liefern die Arbeiten außerdem geologische Erkenntnisse. Bei der letzten Bohrung wurde ein vollständiger Bohrkern bis in 300 Meter Tiefe gewonnen, der jetzt im Bohrkernlager des Landesamts für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie verwahrt wird und wissenschaftlichen Zwecken dient. Forscher der Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen in Dresden und der Universität Jena haben die bis in die Kreidezeit reichenden Gesteinsschichten bereits detailliert untersucht.

Zu viel Trinkwasser aus dem Elbsandstein entnommen

Doch was konnte die Messstelle im Nassen Grund bisher über das Grundwasser verraten? Schon sei Mitte der 1980er-Jahre werden im Bereich der sächsischen und böhmischen Kreidesandsteine sinkende Grundwasserstände beobachtet, erklärt Karin Bernhardt, vom Landesamt für Umwelt und Geologie. Das Absinken der Grundwasserstände vollzieht sich dabei nicht gleichmäßig und kontinuierlich, beträgt aber teilweise mehrere Meter.

Bereits seit Ende der 1990er-Jahre gehen Fachbehörden in Deutschland und Tschechien dem Phänomen gemeinsam auf die Spur. Beidseits der Grenze wurden Daten ausgewertet - auch von der Messstelle im Nassen Grund. Dabei stellte sich schnell heraus, dass die Hauptursache für das starke Absinken der Grundwasserstände die sehr hohe Wasserentnahme gegen Ende der 1980er-Jahre war. Sowohl auf sächsischer als auch auf böhmischer Seite wird im Elbsandsteingebirge Wasser für die öffentliche Trinkwasserversorgung gewonnen.

Aktuelle Dürre bedroht Erholung der Pegel

Das Absinken der Pegel setzte sich bis in die 1990er-Jahre fort. "Da das Grundwassersystem der sächsisch-böhmischen Kreide sehr langsam reagiert, kommen die Niederschläge im Grundwasser nur sehr langsam an", erklärt Karin Bernhardt. Erst ab 2009/2010 stieg das Wasser langsam wieder an, was Experten auf häufigere Regenfälle zurückführten. Bis 2014 war der Rückgang der Grundwasserspiegel an den sächsischen Messstellen gegenüber 1983 aber noch nicht wieder ausgeglichen.

Das jüngste sächsisch-tschechische Forschungsprojekt namens Resibil endete im Januar 2021. Dabei haben Wissenschaftler auch die Auswirkungen des Klimawandels modelliert. "Im Ergebnis konnten wir feststellen, dass derzeit im Gebiet Kirnitzsch/Hřensko noch eine ausreichende Deckungsreserve für die Wasserversorgung vorhanden ist", heißt es unter anderem. Aber: "Die seit 2012/13 beobachtete Erholungsperiode der Grundwasserstände scheint sich momentan wieder abzuschwächen, was wir derzeit auch auf die im gesamten Gebiet Sachsens verbreitete Grundwasserdürre zurückführen."

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