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Nationalpark: Wieso wurden gesunde Erlen gefällt?

Während ringsum in der Sächsischen Schweiz die Fichten sterben, mussten bei Schmilka einige gesunde Laubbäume fallen. Das sagt der Nationalpark dazu.

Erlsgrund bei Schmilka in der Sächsischen Schweiz: Hier wurden im Nationalpark Bäume umgesägt.
Erlsgrund bei Schmilka in der Sächsischen Schweiz: Hier wurden im Nationalpark Bäume umgesägt. © Mike Jäger

Wer von Schmilka Richtung Großer Winterberg wandern möchte, hat verschiedene Möglichkeiten der Routenwahl. Ein schöner Wanderweg führt durch den Erlsgrund. Der schmale Pfad schlängelt sich durch einen hübschen Mischwald. Ebereschen, Ahorn, Birken, Buchen und die namensgebenden Erlen wachsen in dem kleinen Tal.

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Kürzlich wurden hier Baumfällungen durchgeführt. Etwa ein Dutzend fast 30 Jahre alte Erlen sind umgesägt worden. Ein offensichtlicher Grund, etwa eine von den Bäumen ausgehende mögliche Gefahr, ist nicht zu erkennen. Auch einige Birken, Buchen und Fichten sind der Säge zum Opfer gefallen – alle augenscheinlich gesunde Bäume.

In Anbetracht des Fichtensterbens durch die Borkenkäferinvasion wirkt das Umsägen der mit roten Punkten markierten Bäume befremdlich. Großflächig stirbt im Nationalpark der Nadelwald. Überall in der Hinteren Sächsischen Schweiz brechen die morschen Fichten um und blockieren die Wanderwege. Die Nationalparkverwaltung schafft es nicht, überall freizusägen, obwohl Bergsteigerbund, Politiker und der Tourismusverband dies fordern.

Sollte man da nicht über jeden Baum froh sein, der gesund und kräftig wächst? Warum mussten die Bäume im Erlsgrund fallen? Nationalparksprecher Hanspeter Mayr liefert eine Erklärung: "Ziel der aktuellen wenigen Fällungen war eine letzte Kronenpflege", sagt Mayr. Das ist der forstfachliche Begriff zur Steigerung der Vitalität und Stabilität der verbleibenden Erlen.

"Damit soll gewährleistet werden, dass die verbleibenden Erlen mehr Licht und mehr Nährstoffe bekommen und ein Vorkommen dieser namensgebenden Baumart an diesem Standort auf Dauer auch ohne weitere Pflegeeingriffe gesichert ist." Die außerdem gefällten Birken waren von der Schneelast umgebogen und wurden vorbeugend gefällt, da sie in Richtung der Wanderwege hingen.

Erlen vor Gründung des Nationalparks angepflanzt

Der zuständige Revierleiter in Schmilka hatte die Erlen bei seinem Dienstantritt vor gut 30 Jahren, also noch vor Gründung des heutigen Nationalparks, als eine seiner ersten Amtshandlungen im Erlsgrund anpflanzen lassen, erklärt die Nationalparkverwaltung Davor hatte es keine der namensgebenden Erlen mehr in dem kleinen Grund gegeben.

Kritikern zufolge gilt der Erlsgrund innerhalb des Nationalparks bereits als Ruhebereich. So werden die Flächen genannt, in denen der Mensch nicht mehr eingreift und wo die Natur komplett sich selbst überlassen wird. Mit der Zugänglichkeit für Besucher hat diese forstliche Einteilung nichts zu tun.

Die Nationalparkverwaltung erklärt jedoch, der betreffende Waldabschnitt sei auf Vorschlag des Revierleiters erst 2021 in die vorläufigen Planungen für den Ruhebereich aufgenommen worden. Die Bäume wurden demnach während der Winterperiode im Februar gefällt, noch vor der aktuellen Brut- und Aufzuchtszeit. Mittlerweile seien solche forstlichen Maßnahmen zur Vorbereitung der Stilllegung eines Gebiets nur noch in wenigen Ausnahmefällen erforderlich. Infolge des Fichtensterbens gilt die Zielquote von 75 Prozent Ruhebereich im Nationalpark Sächsische Schweiz mittlerweile als erreicht.

Neue Nahrung für den Borkenkäfer?

Ein weiterer Einwand von Kritikern zielt darauf, dass im Erlsgrund auch einige Fichten gefällt wurden, deren Stämme, wie im Nationalpark üblich, im Wald liegen blieben als Grundlage für neues Leben. Im Gegensatz zu weiten Teilen im Nationalpark mit abgestorbenen Fichtenwälder sehen die Bäume hier momentan noch gesund aus. Besteht nicht Gefahr, dass die umgelegten Fichten vom Borkenkäfer befallen werden und er sich dort weiter vermehrt? Theoretisch ja, sagt die Nationalparkverwaltung, aber im Umfeld der beiden gefällten Fichten seien bereits fast alle Fichten vom Borkenkäfer zum Absterben gebracht worden.

Insgesamt sei der Eingriff am Erlsgrund aus forstlicher Sicht notwendig gewesen, um einen stabilen Laubholzbestand zu gewährleisten, erklärt Nationalparksprecher Mayr. Aus demselben Grund seien in den vergangenen 30 Jahren auch Tanne und Buche im Nationalpark zwischen die dominierende Fichte angepflanzt worden. Ein gemischter Wald soll die sich ändernden Umweltbedingungen in Zukunft besser meistern.

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