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Was die Sächsische Schweiz 2021 erwartet

Der Sommer bescherte dem Tourismus in der Sächsischen Schweiz Rekordzahlen. 2021 könnte ähnlich werden. Zuvor gibt es aber eine Herausforderung.

Basteibrücke im Juli: Im Sommer 2020 besuchten so viele Gäste wie nie zuvor die Sächsische Schweiz.
Basteibrücke im Juli: Im Sommer 2020 besuchten so viele Gäste wie nie zuvor die Sächsische Schweiz. © Steffen Unger

Von null auf hundert und wieder zurück - und das innerhalb von ein paar Monaten. Der Tourismus in der Sächsischen Schweiz hat im Corona-Jahr 2020 die wohl ungewöhnlichste Saison seiner Geschichte erlebt. Mit dem ersten Lockdown im Frühjahr fiel der Saisonauftakt komplett aus. Niemand durfte ins Elbsandsteingebirge reisen. Einheimische Wanderer und Fotografen freuten sich über menschenleere Wege und Aussichten, wie es sie sonst nie zu erleben gibt; Hoteliers und Gastronomen aber bangten um ihre Existenz.

Mitte Mai dann der krasse Umschwung. Rechtzeitig zu den langen Wochenenden zu Himmelfahrt und Pfingsten durften die Gastwirte unter Hygieneauflagen wieder aufsperren - und die Gästen kamen in Scharen. Im Juni schossen die Übernachtungszahlen richtig in die Höhe und erreichten im Juli und August absolute Rekordwerte. Das hielt an bis Ende Oktober.

Rekordsommer in der Sächsischen Schweiz

"Wir können tatsächlich auf eine Rekordbilanz in den Monaten Juni bis Oktober zurückblicken", sagt Tino Richter, Geschäftsführer des Tourismusverbands Sächsische Schweiz. "In diesen Monaten erreichten wir zweistellige Zuwachsraten bei den Übernachtungen." Wohlgemerkt gegenüber der Saison 2019, die bis dato ebenfalls ein Rekordjahr war. Für die corona-gebeutelte Tourismusbranche ist das im sächsischen Vergleich ein absolutes Ausnahmeergebnis.

© Tourismusverband Sächsische Schweiz

Komplett kompensieren konnte der Rekordsommer (und -herbst) die Verluste des Frühjahrs allerdings nicht. Von Januar bis Oktober verzeichnete die Sächsische Schweiz 1,476 Millionen gewerbliche Übernachtungen. Das entspricht einem Rückgang von -8,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Gezählt werden in dieser amtlichen Statistik Hotels und Pensionen ab zehn Betten sowie Campingplätze.

"Auch wenn das kein Grund zum Jubeln ist, konnte sich die Sächsische Schweiz unter den schwierigen Umständen in diesem Jahr sehr gut behaupten", sagt Tino Richter vom Tourismusverband. Alle anderen sächsischen Regionen mussten weit höhere Verluste hinnehmen. Im Erzgebirge beispielsweise gingen die Übernachtungen bis Ende Oktober um -23,4 Prozent zurück, für die Stadt Dresden meldet das Statistische Landesamt Sachsen einen Wert von -34,9 Prozent.

Wintersaison bisher Komplettausfall

Bis zum Jahresende werden die Verluste aber auch in der Sächsischen Schweiz noch einmal ansteigen. Der Tourismusverbands geht einer Prognose von bis zu 17 Prozent weniger Übernachtungen auf das Gesamtjahr gerechnet aus. Seit Anfang November sind die Hotels aufgrund der stark gestiegenen Infektionszahlen wieder dicht, bis Silvester dürften deshalb kaum Umsätze hinzukommen.

Bislang konnten für den Winter noch keinerlei Übernachtungen verkauft werden. "Das ist sehr bedauerlich, da wir im Sommer sehr große Hoffnungen auf die Wintersaison gesetzt hatten", sagt Verbandschef Richter. Mit einer Werbekampagne namens "Wintertraum" hatten Verband, Hoteliers und Gastwirte verschiedene Angebote gebündelt. Sie hofften mit einer starken Wintersaison die Verluste aus dem Frühjahr noch auszugleichen können.

Das Winterdorf Schmilka menschenleer: Statt Bio-Glühwein und Spaß im beheizten Badezuber können die Veranstalter nur gute Wünsche übermitteln.
Das Winterdorf Schmilka menschenleer: Statt Bio-Glühwein und Spaß im beheizten Badezuber können die Veranstalter nur gute Wünsche übermitteln. © Steffen Unger

Außer einem Fotocamp des Tourismusverbands, das digital stattfand, musste alles ausfallen. "Nun müssen wir abwarten, ob in den folgenden Monaten bis März wieder Tourismus möglich ist", sagt Tino Richter. Aus Sicht des Verbands zählt vor allem, dass die betroffenen Unternehmen kurzfristig Unterstützung bekommen, damit auch alle tatsächlich "über den Winter kommen" und zur Sommer-Saison ab April wieder am Start sind.

Gemessen an den Gesamtumsätzen im Tourismus in der Sächsischen Schweiz, die etwa 340 Millionen Euro jährlich betragen, könne man allein für die Monate November bis Februar einen Verlust von rund 60 Millionen Euro errechnen.

Ausblick: Im Sommer 2021 wird es wieder voll

Auf den nächsten Sommer blicken die Touristiker in der Sächsischen Schweiz aber durchaus optimistisch. "Für die Saison 2021 rechnen wir mit einer ähnlich hohen Nachfrage wie im Jahr 2020", sagt Tino Richter. Der Hintergrund ist zum einen, dass das Reiseverhalten der Experteneinschätzung zufolge noch nicht wieder zum Stand von vor der Coronakrise zurückkehren wird. Statt Fernreisen werde auch 2021 der Urlaub im Inland ein starkes Gewicht einnehmen.

Zudem die Nachfrage im Sommer 2020 derart groß, dass längst nicht allen Interessenten eine Unterkunft in der Sächsischen Schweiz angeboten werden konnte. Die Region war ausgebucht. Das heißt: Selbst wenn die Nachfrage sinkt, könnten die Betten in der Sommersaison wieder ebenso gut belegt werden wie im Jahr 2020.

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"Das Interesse an unserer Region ist deutschlandweit sehr groß", sagt Tino Richter. Mit seiner Werbung habe der Tourismusverband in diesem Jahr sehr viele Menschen erreicht. Trotz der aktuellen Krise gehen schon jetzt schon viele Anfragen und Buchungen für den Sommer 2021 ein.

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