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Sächsische Schweiz: Eine Antonov im Vorgarten

Mitten in der Corona-Krise baut ein junger Altendorfer ein neues Geschäft auf. Bei ihm kann man bald übernachten - wenn man wieder darf.

So sah die Antonov im ursprünglichen Zustand aus. Inzwischen ist sie schon teilsaniert, steht aber wegen Corona noch in Polen.
So sah die Antonov im ursprünglichen Zustand aus. Inzwischen ist sie schon teilsaniert, steht aber wegen Corona noch in Polen. © Herbert

Der Altendorfer Erik Herbert ist bekannt für seine ausgefallenen Ideen. Er vermietet zum Beispiel den aus Bud Spencer-Filmen bekannten Buggy. Bei seinem neuesten Projekt geht es noch etwas größer zu. Er wird eine Antonow An-2 in seinen Garten stellen. Das russische Flugzeug hat einst im Dreieck von Polen, Ukraine und Belarus seine Dienste getan. In der DDR wurden die Antonovs für Passagierflüge, Transportflüge oder auch als Düngerstreuer genutzt. Dieses Modell ist der weltweit größte einmotorige Doppeldecker. Und so eine Maschine steht nun auch bald im Sebnitzer Ortsteil Altendorf. Durch die Corona-Pandemie wird der Transport in den Sebnitzer Ortsteil derzeit noch ausgebremst. Die "Landung" ist für den 13. Januar geplant. Saechsiche.de hat mit Erik Herbert über seine Pläne gesprochen.

Bevor die Antonov wieder neu auf aufgebaut werden kann, musste sie erst einmal komplett auseinandergenommen werden.
Bevor die Antonov wieder neu auf aufgebaut werden kann, musste sie erst einmal komplett auseinandergenommen werden. © privat

Rentenvorsorge mit Schrammsteinblick

Mit der Antonov im Garten denkt der junge Mann an seine Zukunft. "Mit dem Geld, das wir Selbstständige erwirtschaften, müssen wir uns auch eine Rentenvorsorge aufbauen", sagt er. Und da mit der Pirnaer Südumfahrung Dresden bald näher rückt und die Landeshauptstädter somit noch schneller in der Sächsischen Schweiz sind, hat er eine Immobilie gesucht, die er als Ferienwohnung umbauen und vermieten wollte.

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"Nach einem Bieterverfahren konnte ich das Nachbargrundstück mit Haus kaufen. Meine erste Idee war eine Restaurierung und der Ausbau von zwei Ferienwohnungen", erzählt Erik Herbert. Beim genauerem Hinsehen und nach der Begutachtung durch einen Bauunternehmer stand schnell fest, die Substanz des Hauses lässt eine Restaurierung unter Verwendung von alten Baustoffen nicht zu.

Da der Altendorfer recht umtriebig ist, kam ihm sofort eine neue Idee. Immerhin ist das Grundstück ziemlich groß und kommt mit Blick auf das Schrammsteinmassiv bei Touristen sicherlich gut an. Doch wo sollten die schlafen, wenn das Wohnhaus nicht mehr restauriert werden kann. Da kam die Idee mit dem ausrangierten Flieger. Ab Sommer kommenden Jahres kann man in der Antonov-An2 übernachten. Das Flugzeug wird in eine Ferienwohnung für bis zu vier Personen umgebaut. Das Ganze hat Tiny-House-Charakter, aber Ferien auf engem Raum liegen im Trend.

Alle Teile müssen sorgfältig gesäubert und restauriert werden.
Alle Teile müssen sorgfältig gesäubert und restauriert werden. © privat

Flugzeuge in Osteuropa ab 5.000 Euro

Eine verrückte Idee ist das schon. Er selbst ist Privatpilot und seine Freunde betreiben in Pirna eine Flugschule. "Schon vor mehreren Jahren hatte ich dann die Idee, unsere ausgediente Vereins-Wilga, welche als Rundflug- und Schleppmaschine genutzt wird, zu einem Schlafplatz auf dem Flugplatz vom Aero-Club Pirna umzubauen", sagt er. Daraus wurde nichts. Doch die Idee blieb in seinem Hinterkopf. Nur, ganz so einfach wollte sie sich nicht umsetzen lassen. Er war auf der Suche nach einem Flugzeug, welches für seine Zwecke gut zu gebrauchen und nicht zu teuer ist. Wichtig war ihm, dass es ein Flugzeug ist, mit dem die Menschen eine Verbindung aufbauen können.

Es dauerte nicht lange, und er kam auf eine Antonov An-2. Die Recherche nach kaufbaren Flugzeugen führte ihn vor allem nach Polen und Bulgarien wo Maschinen von 5.000 bis zu 150.000 Euro zu finden sind. Der Altendorfer klapperte alle Angebote ab. Schrieb jeden an und bekam fast überall Einladungen zum Vorbeischauen. Also fuhr er bald darauf mit einem Freund durch Polen und siebte nach und nach Angebote aus. Dabei stieß er auf ein Unternehmen, das Flugzeuge restauriert und auch Schwertransporte mit Flugzeugen durchführt. Nach längeren Verhandlungen hatte er dann auch ein gutes Angebot vorliegen.

Inzwischen sieht die Antonov von außen schon passabel aus. Der Innenausbau erfolgt vor Ort in Altendorf.
Inzwischen sieht die Antonov von außen schon passabel aus. Der Innenausbau erfolgt vor Ort in Altendorf. © privat

Hohe Anforderungen an den Antonov-Umbau

Doch eine Antonov stellt man sich nicht nur einfach mal so in den Garten. Da sind eine ganze Reihe von Genehmigungen notwendig. Und da das nicht oft vorkommt, dass sich jemand so ein Flugzeug vor die Tür fahren lässt, waren wohl auch die Behörden anfangs etwas überfordert. Erik Herbert hat auch zwei heikle Beispiele parat.

"Das Flugzeug ist in seiner Ur-Form eine kleine sprudelnde Ölquelle. Ständig läuft irgendwo irgendwas aus. Also musste ich als erstes dafür sorgen, dass das Umweltamt keine Einwände hat. Also beauftragte ich die Auseinanderlegung und rückstandslose Reinigung des gesamten Motors, der Tanks und Leitungen. So gab es keine Öl- und Kraftstoff-Rückstände mehr", sagt er.

Brandschutz sei das nächste Thema gewesen. Eigentlich sind die Flächen der An-2 mit Gewebe bespannt. Das sei aber neben Brandschutzaspekten zudem schlecht für eine Maschine, die ohne Halle ganzjährig im Garten stehe. Deshalb ließ er von Experten das Gewebe durch Alu ersetzen. Der Innenausbau erfolgt dann übrigens vor Ort mit einheimischen Firmen, so der Investor.

Erik Herbert ist sicher, dass die „Altendorfer Antonov“, die dann direkt am Malerweg steht, für Touristen durchaus auch eine ansehnliche Attraktion sein wird.

Zum neuen Feriendomizil im Flugzeug hat der Unternehmer sogar einen eigenen Blog gestartet.

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